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Physilogische Grundlagen der Haarfarbe  
 
 
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  Einleitung
  Die physiologischen Grundlagen
 

     • Eumelanin

 

     • Phaeomelanin

 

     • Das Ergrauen der Haare

 

     • Das weisse Fell

  Aufgabe der Gene
   
Einleitung

Die Fellfarben sind seit Beginn der Hundezucht ein vieldiskutiertes Thema. Ursprünglich diente die Fellfarbe als Schutzfarbe zur Tarnung der Wölfe und Wildhunde. Mit der Domestikation des Hundes wurde die Farbenvielfalt durch züchterische Eingriffe des Menschen immer grösser. Einerseits wurde die Farbenvielfalt immer grösser, anderseits wurden die Genpools der einzelnen Rassen oft unnötig eingeschränkt. Von den Zuchtvereinen wurden, durch meist nicht nachvollziehbare Einschränkungen, Farbschlägen und teils Farbmuster, im Standard festgelegt. So wurden Farben als Fehlfarben direkt aus der Zucht genommen und im Gegenzug "Neue" Rassen erfunden, welche sich nur durch die

Farbe oder das Farbmuster von der Ursprungsrasse unterscheiden. Über die in diesen Zusammenhang stehende Einschränkung der genetischen Varianz wird offensichtlich nicht nachgedacht. Die Fehlfarben wurden meist willkürlich, aus ästhetischer Sicht festgelegt, obwohl sie oft von einem Teil der Liebhaber einer Rasse geschätzt werden. Es geht hier oft auch um die eigene Profilierung von leitenden Verantwortlichen, welche ihre Position eher aus Altersgründen als aus Fachwissen einnehmen und die Sichtweise der Rasse wird ausgeblendet. Zu erwähnen ist natürlich auch, dass aktive Züchter meist wenig Lust und Zeit haben, sich mit Politik und Vereinsmeierei herumzuschlagen. Ich schliesse diese Einleitung mit einem Zitat von Thomas Bateson, einem der Väter der modernen Genetik: "Schätze die Ausnahmen."

Die physiologischen Grundlagen

Der Wolf zeigt alle Ausprägungen der Farb-Melanine
Physiologisch ist die Grundlage der Farbgebung recht einfach. Es gibt zwei Arten von Pigmenten welche für die Farbe verantwortlich sind. Diese Pigmente werden Melanine genannt, es gibt das schwarze Eumelanin und das rote Phäomelanin. Das Melanin wird in der Zwirbeldrüse (Epiphyse) im Gehirn hergestellt und von dort aus wird auch die Winter-Weissfärbung mancher Tierarten gesteuert. Alle bei Hunden (und den meisten anderen Säugetieren) bekannten Fellfarben entstehen durch unterschiedliche Verteilung dieser beiden Farbstoffe im Fell. Im Hintergrund steuern Farbgene wie, wann und wo diese Farbstoffe im Fell oder in der Haut erscheinen. Jedes dieser Pigmente hat eine "Standard" Farbe, und können dann durch die verschiedenen Gene im Hintergrund verändert werden.


Eumelanin
Das Melanmin, Eumelanin ist schwarz pigmentiert. Alle schwarzen Flächen im Fell und in der Haut eines Hundes, werden von Zellen verursacht, welche "reines" Eumelanin produzieren. Das Eumelanin hat zwei Grundausprägungen, nämlich Schwarz und Liver (Braun). Nun gibt es Gene welche die welche die Produktion von

Farben welche durch das Eumelanin bestimmt sind
Eumelanin beschränken oder verändern und so sind die Zellen nicht in der Lage, das Pigment in voller Stärke zu produzieren. So entstehen die neuen Grundfarben Liver (Braun), Blue (grau) und Isabella (ein staubiges hellbraun). Durch eine weitere Vermischung dieser Farben entstehen noch unzählige andere Farbschläge, je nach dem wie viele Gene im Hintergrund aktiv sind. Es ist nun so, dass es "Experten" gibt, welche jede Aufhellung als einen Mangel, rsp. als Störung der Eumelanin-Produktion bezeichnen. Sie sprechen dann gerne von Pigmentstörungen. Dese Aussagen sind falsch, eine schwarze Nase ist immer ein untrüglicher Hinweis darauf, dass der Eumelanin-Haushalt absolut in Ordnung ist. Ein weiterer Kontrollpunkt ist die Iris, die braune Augenfarbe wird auch durch das Eumelanin verursacht. Ein Mangel in der Eumelanin zeigt sich an der Iris oft, durch ungleiche Färbung der Augen, ein Auge hat dann einen Bernstein- oder Goldenen-Schimmer. Dies kann zwei Ursachen haben, es kann sein, dass Gene fehlen, welche die ordnungsgemässe Produktion von Eumelanin in den Zellen auslösen. Oder die Ursache liegt an dem Enzym, welches aus Tyrosin, einer Aminosäure, das Memlanin herstellt. Im Weiteren spielen die Hormone MSH (Melanin
stimulierendes Hormon) sowie ACTH (stimuliert die Steroidproduktion und Abgabe in der Nebenniere) eine wichtige Rolle bei der Hautpigmentation. Solche Störungen können auch durch die Fütterung ausgelöst werden, man unterscheidet deshalb fütterungsunabhängige und fütterungsabhängige Ursachen. Wir werden an anderer Stelle

(Fütterung) auf dieses Thema eingehen. Wichtig ist die Erkenntnis, ein weisser Hund mit einer schwarzen Nase, hat trotz seines weissen Fells kein Mangel im Eumelanin-Haushalt oder der Eumelanin-Produktion. Dieser Grundsatz wird auch wichtig im Hinblick auf den später behandelten Merl- rsp. Weissfaktor.

Phaeomelanin
Die zweite Pigmentart ist das Phaeomelanin. Es ist ein rotes Pigment und ist somit für alle Rottöne im Fell verantwortlich. Das Farbspektrum reicht von Tiefrot, wie beim Irish Setter, bist zu allen Gold-, Gelb- und Orangefarbtöne. Die Phaeomelanin-Farben werden allgemein als Tan bezeichnet. Dieses Pigment spielt eine weniger wichtige Rolle als das Eumelanin, da es nur im eigentlichen Haar vorkommt. Es tritt somit nicht in Augen und der Nase auf, im Gegensatz Eumelanin hat es somit keinerlei Auswirkungen auf diese Bereiche. Im Gegensatz zum Eumelanin, welches in zwei unterschiedlichen Grundfarben auftritt (schwarz und Leber), manifestiert sich das Phaeomelanin nur in er Farbe Rot. Das Spetrum umfasst das intensive Rot des Irish Setter bis hin zum ganz hellen Rot (Gelb) einiger Labrador Retriever Arten. Die Standardfarbe ist noch nicht definitiv erforscht, wird jedoch mit grösster Wahrscheinlichkeit golden sein. Dieses Gold wird dann durch unterschiedliche Genen im Hintergrund verstärkt oder abgeschwächt.

Farben welche durch das Phaeomelanin bestimmt sind
Die Melanozyten (Pigmentzellen) in denen Eumelanin und Phäomelanin gebildet werden (Quelle: Wikipedia)

Das Ergrauen der Haare
Die alterungsbedingte Ergrauung entsteht, wenn mit zunehmendem Alter die Produktion von Melanin nachlässt. Das Melanin wird dann zunehmend durch Einlagerung von Luftbläschen im Haarschaft ersetzt. Die Haare erscheinen grau bis weiss.

Das weisse Fell
Betrachten wir uns zum Schluss noch den Weissen Hund oder die weissen Partien in der Fellzeichnung. Das rein weisse Haar wird nicht durch ein Pigment erzeugt, sondern es ist ein Mangel an Eumelanin und Phaeomelanin. Das heisst die Haare haben einen Mangel an Pigment. Das Wort Mangel, motiviert natürlich viele "Experten" hellhörig werden. Was folgt ist, dass sie warnend den Zeigefinger hochheben und der nächste Schritt von "Mangel" zu "Krank machend" ist dann nur noch eine Frage der Zeit. All dies in Unkenntnis der Physiologischen Grundlagen, doch weil es ein relativ neues Wissen ist, welches noch nicht so sehr verbreitet ist, finden sie schnell viele Leute ("Neuexperten") die im

Chor mit singen. Die Folgen sind Ausschlüsse und Farbbeschränkungen im "Namen der Gesundheit", was durch die Einschränkung des Genpools einer Rasse langfristig mehr schadet als nutzt. Der Zucht-Ausschluss des weissen Collies im englischen Standard, ist da nur ein Beispiel von vielen. Der besagte Mangel wird durch ganz normale physiologische Prozesse ausgelöst. Das auslösende Element für die Produktion der Pigmente ist die Zwirbeldrüse im Gehirn, sie gibt den Melanozyten (Pigmentzellen), welche sich in der Oberhaut (Epidermis) und den Haarfollikeln befinden, den Befehl Pigmente herzustellen. So ist es möglich, dass manche Tiere, auch Wolfsarten, im Winter zur besseren Tarnung ein weisses Fell tragen. Nase, Lefzen und Augen bleiben auch während dieser Zeit in ihrer ursprüngliche Farbe. Körperlich fehlt dem Tier, durch den gesteuerten Mangel an Pigment in Fell und Haut gar nichts. Ich spreche hier nicht von weissen Tieren, bei denen das Pigment überall fehlt, wie bei Albinos. Dies ist auch physiologisch ein Mangel, da das Tier keinen Pigmente herstellen kann. Dies zeigt sich vor allem durch das Fehlen des Eumelanin, das sich an rosa Nasen und Lefzen sowie an roten Augen zeigt. Es gibt auch noch eine zweite Art von weissen Hunden, welche ihre weisse Farbe durch eine starke genetisch gesteuerte Verdünnung des Pigment Phaeomelanin erhalten. Diese Hunde haben dann meist einen leichten Elfenbein/Creme Glanz, weil ihre Pigmentzellen immer noch eine sehr kleine Menge von Pigment produzieren. Diese starke Verdünnung bezieht sich nur auf die Phaeomelanin Pigmentierung und berühren alle Eumelanin dominierten Stellen nicht. Alle Schwarz- Liver-, Blue- und Isabella-Bereiche im Fell bleiben dunkel. Das betrifft auch Augen, Lefzen und Nase.
Der Polarwolf, ein weisser Wolf , Man beachte die starke Pigmentierung von Nase, Lefzen und Augen.
Aufgabe der Gene - Farbe und Verteilung der Pigmente

Bisher haben wie vor allem über die physiologischen Abläufe gesprochen, die Genetik wurde nur am Rande erwähnt. Diese Abgrenzung zwischen physiologischen und genetischen Abläufen ist sehr wichtig. Durch ihre Durchmischung, kommt es immer wieder zu Fehlinterpretationen was die Farbvererbung betrifft. Werden solche falschen Interpretationen von Zuchtverantwortlichen gemacht, kann es soweit kommen, dass dem Züchter vorgeworfen wird, er habe auf Grund der Farbvarianz der Welpen, eine Falschdeklaration der Elterntiere gemacht. Aus diesem Grunde heben wir hervor:

  • Physiologisch sind zwei Pigmente für die Haarfarbe verantwortlich, ihre Ausprägung wird jedoch genetisch von diversen Genen gesteuert.

Falsch sind alle Aussagen wie "Caniden können nur zwei Farbgene weitergeben". Richtig ist: Bei den meisten Säugetiere sind zwei Melanine, welche gemäss dem genetischen Bauplan vermischt werden, für die Haarfarbe ver-

Das zweifarbig, gestreifte Agouti-Haar

antwortlich. Die Farben, Schattierungen und ihre Verteilung werden jedoch von vielen unterschiedlichen Genen gesteuert.

Alle bekannten Fellfarben bei Hunden (und auch den meisten anderen Säugetieren) entstehen durch unterschiedliche Verteilung von Pigmenten Eumelanin und Phaeomelanin im Fell. Die Gene bestimmen, ob, wie viel und in welcher Intensität die Pigmente Eumelanin und Phaeomelanin in einer Pigmentzelle (Melanozyten) hergestellt werden. Die Pigmentzellen produzieren die Farbmischung der Pigmente gemäss dem Schaltplan welchen die Gene vorschreiben. In diesem Schaltplan sind jedoch die räumlichen Orte nur bedingt festgehalten, so dass die Fellzeichnung nicht identisch mit dem der Elterntiere sein muss, sie kann bis zu einem gewissen Grad zufällig sein. Ein Welpe kann seine weisse Flecken, im vergleich zu den Elterntieren, an ganz unterschiedlichen Orten tragen (z.b. Durchgehender oder unterbrochener, die Breite oder die Intensität des weissen Kragens beim Collie). Weiter können Gene auch zeitliche Abläufe steuern, wann zb welche Art von Pigment produziert werden soll. Beim Agouti-Haar kann man das sehr gut beobachten, das Haar ist gestreift, so wächst es eine Weile unter schwarzem Einfluss (Eumelanin) und wechselt dann auf Rot (Phaeomelanin) so dass es die typische Agoutistreifung entsteht. Eine sehr beliebte Tarnfarbe, welche im Fell vieler Tiere vorkommt. Agouti ist der Name für ein 42 bis 62 Zentimeter grosses Nagetier welches in Mittel und Südamerika zuhause sind. Es trägt diese typische Fellzeichnung und gab ihr den Namen. Beim Collie kann man diesen Streifeneffekt vor allem beim mischerbigen Sable-Haar beobachten.

   
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