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Das Erbmaterial und seine Weitergabe

Einleitung

Die Chromosomen sind Strukturen welche aus langen dünnen Fäden bestehen. Die dünnen Fäden sind ähnlich einer gewunden Leiter aufgebaut. Diese gewundene Stickleiter wird wissenschaftlich Doppelhelix genannt. Sie besteht aus 5 chemischen Substanzen; Die beiden Stränge der Leiter bildet der Baustein Desoxyribose, die Querverbidungen oder Sprossen bilden die Bausteine (Basen):

  • Adenin (A)
  • Thymin (T)
  • Guanin (G)
  • Cytosin (C).

Jede Sprosse besteht aus zwei dieser Basen. Wobei sich immer nur Adenin (A) und Thymin (T) oder Guanin (G) und Cytosin (C) verbinden können. Aus diesem Grund sind bei Auflistungen von DNS-Strängen, immer nur der Einzelstrang angegebnen. Die andere Hälfte ist ja durch diese Regel gegeben. Ein Beispiel für eine solche Auflistung, ein Ausschnitt aus dem ersten Chromosom des


Seiten-Index
Einleitung
Die Weitergabe des Erbmaterials
  Hardy-Weinberg-Gleichgewicht (HWG)
Die Mathematik der Populationsgenetik
     • Inzuchtanstiegsberechnung in Populationen
     • Berechnung der Populationsgrösse
     • Anwendung dieser beiden Formeln
Die Mathematik in der Zuchtplanung
     • Der Ahnenverlustkoeffizient (AK)
     • Der Inzuchtkoeffizient (IK, COI)
       • Die Blutline (Blutanteil)
  Anwendung und Chancen für die Rassen
   
 
   

Alaska Gray Wolf (Quelle: Dog Genome Project )

AGG ATC ATG GGG CTG GCC CAG..

Die Abfolge des dazu gehörende Einzelstrang auf der andern Seite würde somit wie folgt lauten:

TCC TAG TAC CCC GAC CGG GTC...

Verbindung von 3 aufeinanderfolgenden Basen des DNA-Strangs verschlüsseln eine Aminosäure, diese 3 Basen werden als Triplett bezeichnet (wird auch Codon genannt). Aus den 3 Positionen in einem Triplett, an welchen 4 verschiedenen Basen A, T, C, G sein können, ergeben sich 4^3=64 Möglichkeiten für unterschiedliche besetzte Triplett's. Es ist immer die Reihenfolge der Basen in ein Triplett entscheidend wie sich die daraus ergebende Aminosäure zusammensetzt. Das Basentriplett bildet eine Aminosäure und ist somit die kleinste chemische Grundeinheit eines Gen's. Ein Gen kann nun aus einer oder mehreren Aminosäuren bestehen. Das

Bild 1: Vom Makrokosmos der Zelle zum
Mikrokosmos der Gen-Bausteine.
Bild 2: Schematische Darstellung eines Ausschnittes des Chromosomenstrang, mit den Genbausteine welche unterschiedlich "Andockstellen" haben, so dass nur die festgelegten Kombintionen möglich sind

heisst auch, dass die Gene unterschiedliche Längen auf dem Chromosomen-Strang haben. So sind die Gene dichter oder weniger dicht auf dem Chromosom angeordnet, je nach dem aus wie viele Aminosäuren die Gene bestehen.

Die Zusammensetzung eines Gen's ist sehr mannigfaltig und es werden in den nächsten Jahren sicher noch einige bahnbrechende Resultate aus den Forschungslabors kommen. Noch vor nicht all zu langer Zeit, gab es die Vorstellung, dass man mit Hilfe der Genetik sogar beim Verhalten klar zwischen Ererbtem und Erworbenen fein säuberlich Trennen kann. Auf dieser, wie man heute mit Sicherheit weiss, falschen Annahme beruhen alle Wesenstest, mit welchen versucht wird, die Zucht zu beeinflussen. Heute weiss man, dass es unmöglich ist, Ererbtes von Erworbenem sauber zu trennen. Im Gegenteil, neuste Forschungen habe sogar ergeben, dass die Umwelt sogar schon vor der Geburt die Ausprägung der Erbanlagen verändert. Durch Versuche an Labormäuse, konnte man nachweisen, dass die Farbe und Grösse des Nachwuchses, durch die Ernährung der Mutter während der Tragzeit beeinflusst werden kann. Dieses Beispiel zeigt, wie sogar recht "starre" körperliche Merkmale, welche durch die Anordnung innerhalb der Gene klar definiert scheinen, von aussen (Umwelt) noch

stark beeinflusst werden können. Versucht man nun starren, veraltete "Vererbungstheorien", bei Verhaltensmerkmale anzuwenden, wird man unweigerlich Schiffbruch erleiden. Dies zeigt sich auch anhand der Resultate von "Wesenstests", welche meist nur eine rudimentäre Momentaufnahme sind und ihre Aussagekraft mehr als Fraglich ist, denn gerade beim Hund kommen noch die Lernerfahrungen (Sozialisierung) ab der Geburt hinzu.
Diese Feststellungen sollen nun jedoch keinesfalls zum Rückschluss führen, dass man eigentlich alles vergessen kann und das Resultat aller Anstrengungen immer nur Zufall ist. Nein, das hiesse "das Kind mit dem Bade ausschütten". Sie sollen uns zeigen, dass man Weg vom "Schwarz-Weis-Denken" weg kommen sollte. Dies ist heute oft nicht so einfach. Ich komme ursprünglich aus den Maschinenkonstruktion, Informatik und Projektmanagement. In all diesen Bereichen gibt es immer wieder die Schaltstelle "Ja/Nein", "Schwarz/Weiss", alles dreht sich um Entscheidungen und den optimalen, rationellsten Weg zum Ziel. Dieses Denken ist typisch für

Bild 3: Sowohl die Länge, als auch die Anzahl der Aminosäure-Bausteine ist von Gen zu Gen verschieden.
Bild 4: Gegenüberstellung eines RNA -Strangs und eines DNA -Doppelstrangs mit Darstellung der jeweiligen Nukleobasen (Quelle: Wikipedia, Autor: Sponk)

die "zivilisierte Welt" und man findet sie deshalb auch in der Hundezucht. Dazu kommt noch das teilweise marginale Wissen Zusammenhänge der "Experten" in den Rassenclubs, welche zum "Wohle der Rassereinheit", narzisstische Einschränkungen festlegen, welche langfristig die Probleme in der Populationsgenetik immer mehr verschärfen. Will man zum Wohle einer Rasse arbeiten ist das Wissen um die genetischen Grundlagen essentiell.

Die Weitergabe des Erbmaterials
Im ersten Kapitel habe wir versucht die biologischen Abläufe in einer Zelle anzuzeigen, im zweiten Kapitel wurden die mendelschen Gesetzte, welche als Grundlage für die Vererbung gelten möglichst praxisnah beleuchtet. In diesem Kapitel versuchen wir nun Möglichkeiten aufzuzeigen, wie wir versuchen diese Grundlagen in der Zucht von Yven-Collies umzusetzen. Wir möchten betonen es ist unsere Sichtweise, welche wir in den letzten Jahren aus Weiterbildungen, Studium von Literatur und vielen Stunden des Nachdenkens und Gesprächen mit den verschiedensten Leuten entwickelt haben. Es ist Es ist unser Weg, einer von vielen Wegen, welche es in der Zucht gibt, aber sicher nicht der einzig Wahre.

Durch die Meiose (Reifeteilung) wird das Erbgut beider Elterntiere geteilt und es entsteht ein neues Genom an welchem die Mutter, wie auch der Vater 50% der Gene beigetragen haben. Die Aufteilung ist rein zufällig, jeder Welpe hat im Normalfall (Ausnahmen: Eineiige Zwillinge) ein persönliches, einzigartiges Genom und ist somit ein Unikat. Das heisst aber nicht, dass ein Mittel, aus den Eigenschaften der Eltern gebildet wird. Eine all zu einfache Denkweise bringt da z.B. folgende falsche Rückschlüsse hervor: Ich habe eine Hündin die etwas eine kurzen Rute hat, als muss ich nur einen Rüden nehmen mit einer langen Rute und so habe ich dann Welpen mit mittellangen Ruten. Die Realität wird anders aussehen, es kann wird eher so sein, dass es Welpen gibt mit kurzen Ruten (genetische Information der Mutter) und solche mit langen Ruten (genetische Information des Vaters) oder vielleicht schlagen ja die Grosseltern durch, denn die Eltern sind ihrerseits die Mischung aus den Grosseltern. Diesen Effekt haben wir bei allen Eigenschaften, welche über mehrere Gene beeinflusst werden. Die aller meisten phänotypischen Eigenschaften werden durch mehrere Gene beeinflusst und bei den wenigen bei welchen man annimmt, dass sie nur von einem Gen beeinflusst werden, wird diese These mit dem Fortschritt in der Genforschung meist widerlegt. Aktuellste
Bild 5: Die 39 Chromosomenpaaren des Hundes,, jedes
hat eine unterschiedliche Länge und auch ein unterschiedliche Anzahl Gene.
Bild 6: Durch die Zellteilung bei der Meiose werden

Beispiele sind die CEA und MDR1, bei beiden Genmutationen, werden die Zweifel immer grösser, dass es sich Probleme handelt, an denen nur ein Gen beteiligt ist. Dies würde weitreichende Folgen haben für die Zucht haben, vor allem bei sinnlosen und ineffizienten Zuchtbeschränkungen, welche ausser einer Verkleinerung der genetischen Varianz gar nichts gebracht haben. Bitte nicht falsch verstehen, wir bekennen uns ausdrücklich zu den Gentests von MDR und CEA, nur mit ihrer Hilfe werden wir über MEHRERE GENERATIONEN eine Verbesserung erreichen. Wir sind deshalb auch ebenso gegen alle Schnellschüsse welche mit Hilfe von Zuchtbeschränkungen der Rasse mehr Schaden als nutzen.

Zurück zur Weitergabe des Erbmaterials, Nehmen wir den Welpe als Basis, so sind seine Eltern mit ja 50% der Gene beteiligt. Geht man eine weiter Generation zurück, hat der Welpe von jedem Grosseltern-Teil 25% der Gene usw. das ergibt folgende Tabelle:

Anteil
Gene
Gene-ration Anz. Ahnen
Der Welpe
100 %
0
0
Die Eltern je
50 %
-1
2
Die Grosseltern je
25 %
-2
6
Die Urgrosseltern je
12.5 %
-3
14
Die Ururgrosseltern je
6.25 %
-4
30
Die Urururgrosseltern je
3.125%
-5
62
Tabelle 1: Theoretische Anteile der Ahnen ab einem Probanden.

Die Tabelle 1 geht von der Grundlage aus, dass sich bei jeder Verpaarung nicht verwandte Tieren kreuzen. Man bezeichnet es als Outcrossing, oder wird auch Heterosis genannt. Unter Heterosis versteht man somit die Paarungen, bei denen die Paarungspartner weniger (mehr

als 10 Generationen ohne gemeinsame Ahnen) miteinander verwandt sind als zufällig zwei aus der Population gegriffene Tiere. Sie wird meistens nach Linienzucht und Inzestzucht durchgeführt, um die Gesamtvitalität wieder herzustellen. Dies ist bei den geschlossenen Zuchtbüchern in der heutigen Rassezucht nur sehr selten möglich. Betrachtet man die Colliezucht, so ist es heute eine Tatsache, dass es praktisch keine Zuchttiere aus englischen Zuchtlinien findet, bei welchen DAZZLER OF DUNSINANE oder seine direkten Nachfahren in den 10 Ahnengenerationen nicht X-Fach vorkommen.
Wir stehen heute in der Hundezucht vor der Herausforderung, als erste Priorität für die Gesundheit einer Rasse zu sorgen, dies kann nur mit einem möglichst grossen Genpool gewährleistet werden. Anderseits müssen wir für die Zuchtzulassung, einen möglichst dem Standart entsprechenden Rassen-Typus züchten, welcher vor allem phänotypischen Gesichtspunkten zu genügen hat. "Schönheitsfehler" führen eher zum Zuchtausschluss als gesundheitliche Mängel. Aussehen (Schönheit) wird leider von den Rassenclubs immer noch über alles gestellt. Der Spruch über die Reihenfolge der Zuchtziele "Gesundheit, Wesen, Schönheit" wird beim genauen betrachten von Zuchtreglementen, zur plakativen Selbstberäucherung der Zuchtverantwortlichen in den Clubs, gegen Aussen.
Jede Rassenzucht (Reinzucht) hat unausweichlich die Folge eines Anstieges des Inzuchtniveaus, einzig die Geschwindigkeit dieses Anstiegs kann beeinflusst werden. Jeden geschlossene Zuchtpopulationen ist sogenannten genetischen Drift ausgesetzt. Das heisst es findet eine zufällige Veränderung des genetischen Zusammensetzung der Population statt. Es gehen Genkombinationen verloren und andererseits häufen sich gewissen Genkombinationen an. Die Anteile der homozygoten (gleich geschalteten) Genorte nimmt laufend zu und zwar umgekehrt proportional zu der Populationsgröße. Diese Zunahme der

Bild 7: Die Weitergabe von je 50% des Erbmaterials durch Vater (Sperma) und Mutter (Eizelle)
Bild 8: Von den Eltern erhält der Welpe je 50% der Gene, dies beinhalten wiederum je 25% von jedem Grosselternteil.

homozygoten Genorte ist aus der phänotipischen Sichtweise auch die Grundlage der Rassenzucht, ein Collie soll ja wie Collie aussehen. Das heisst, je kleiner jedoch eine geschlossene Population ist, umso schneller steigt das Niveau der Homozygotie, was zum genetischen Flaschenhals führt, dessen Auswirkungen bis zum Aussterben einer Art (Rasse) führen kann. Diese Tatsache wird leider oft von "Experten" mit einem "Paparlapap" abgetan, da sie sich über die Tragweite ihres Tun's nicht bewusst sind oder eingestehen müssten, dass sie über Jahre eine völlig falsche Rassenpolitik betrieben haben.

Der Anstieg des Inzuchtniveaus ist eine unausweichliche Folge jeder Reinzucht mit geschlossenen Zuchtbüchern. Hunderassen sind im populationsgenetischen Sinn geschlossene Zuchtpopulationen und jede geschlossene Population sind auch dem sogenannten genetischen Drift ausgesetzt. Unter genetischer Drift versteht man zufällige Veränderungen der genetischen Zusammensetzung einer Population, wobei Gene verloren gehen können, andere wiederum sich in der Population anhäufen können. In jedem Fall kommt es durch genetische Drift zu einer Erhöhung des Anteils homozygoter Genorte. Die Geschwindigkeit in der dieser Homozygotieanstieg stattfindet ist umgekehrt proportional zu

der Populationsgrösse. Das heisst, je kleiner eine geschlossene Population ist, umso schneller steigt das Niveau der Homozygotie. Auch hier finden wir, teils aus Unwissenheit, ein verzerrtes Bild über die notwendigen Grösse einer Zuchtpopulation für ein gesunde Rasse. Dazu ein kleines Beispiel aus der Nutztierzucht: Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), beauftragten die Wissenschaftler um Kerstin Zander von der Charles Darwin University in Australien und Karin Holm-Müller von der Universität Bonn zu untersuchen, wie viele Tiere es braucht, um die vom Aussterben bedrohte Tierart des Äthiopischen Borana-Rindes zu langfristig zu retten. Das Ergebnis: 1000 weibliche Tiere und 100 männliche Tiere welche frei miteinander verpaarbar sind braucht es um die Rasse zu langfristig erhalten ( Link ). Die Männlichen Tiere müsste dann gleichmässig auf die weiblichen verteilt werden.
Hardy-Weinberg-Gleichgewicht (HWG)

Das HWG wurde vom britischen Mathematiker Godfrey Harold Hardy (1877-1947) und dem deutschen Arzt Wilhelm Weinberg (1862-1937) entwickelt. Es ist eine Berechnungsformel welche es erlaubt aus genetischer sicht die theoretische Ideal-Population einer Spezies zu berechnen. Aus ihr gehen die Kennzahlen einer Ideal-Population hervor und folgende Grundvoraussetzung:

  • Die Population ist sehr (besser: unendlich) gross. Sehr besteht aus einer grosse Individuenzahl: Dadurch verändert der zufällige Verlust eines Individuums oder der Gendrift verändert die Häufigkeit der Allele praktisch nicht. In einer kleinen Population wird dies relativ große Auswirkungen haben.
  • Es herrscht Panmixie, d.h. die Individuen können sich uneingeschränkt und mit gleicher Wahrscheinlichkeit paaren. Alle Paarungen, auch von Trägern verschiedener Genotypen , sind gleich wahrscheinlich und gleich erfolgreich.
  • Es gibt keine Selektion , somit kein Selektionsdruck weder Selektionsvorteile noch -nachteile für die Träger bestimmter Gene ( Genotyp ), wirken sich phänotypisch aus.
  • Es kommen keine Mutationen vor
  • Es gibt keinen Gendrift, keine Populationsabspaltung und keine Genmigration. So finden keine Zu- oder Abwanderungen ( Migration ) statt, welche die Allelfrequenz verändern.
Eine reelle Population erfüllt nicht alle dieser Voraussetzungen. Die ideale Population ist ein theoretisches Konstrukt, da in der Realität mindestens eine der Bedingungen, welche mit Ausnahme der Individuenzahlen alles Evolutionsfaktoren sind, nicht erfüllt wird. Evolution findet also stets dann statt, wenn die obigen Voraussetzungen nicht gelten. Warum schneiden wir dieses Thema kurz an? Es zeigt die Problematik der Rassen-Zucht sehr deutlich auf, sie widerspricht fast in allen Punkten diesen Grundvoraussetzung, wir haben geschlossene Zuchtbücher (kleiner Spielraum für Weiterentwicklung, Evolution) mit sehr kleinen Populationen, wir sind weit entfernt von einer Panmixie, es findet einen Selektion auf phänotypische Merkmale statt, durch die kleinen Populationen und eine unausgewogene Verteilung im Zuchteinsatz der Tiere finden Gendrifts statt. Der Rassenstandart und seine Auslegung durch Richter blockiert eine gesunde Evolution. Im Gegensatz zu Nutztierzucht sind in die Hundezucht nur sehr wenig Genetiker involviert und wenn, dann werden ihre Anregungen und Warnungen meist in den Wind gesetzt und verhallen im Sumpf der kleinkarierten Verbandspolitik. Es gibt leider nur vereinzelte Funktionäre, welche sich mit der Thematik der Populationsgenetik beschäftigt haben. Die Mehrheit begnügen sich mit plakativen Sprüchen wie "Hundezucht ist eine arbeit über Generationen" und in der nächsten Minute schlissen sie einen Hund aus, dessen Exterieur ihnen nicht passt.

Die Mathematik der Populationsgenetik

Die Instrumente, um diese komplexen Mechanismen der Populationsgenetik in den Griff zu bekommen, entwickelte Sewell Wright (1889-1988 ). Seine mathematische Formeln diesen heute als Grundlage für eine gesunde Zuchtplanung. Ohne die Anwendung dieser Grundsätzlichen Berechnungen, wird auch die gesündeste Art unweigerlich aussterben. Die Gesundheit einer Rasse beginnt bei ihrer genetischen Varianz. Auf den Collie bezogen, ein möglicher Nachruf dieser wunderbaren Rasse: "Die letzten ihrer Art waren MDR1 +/+ und CEA-Normal"
Inzuchtanstiegsberechnung in einer Population

Mit der folgenden Formel lässt sich der durchschnittliche Inzuchtanstieg pro Generation innerhalb einer geschlossenen Population berechen.

 F = relativer Inzuchtanstieg pro Generation
Nmännliche = Zahl der in der Zucht eingesetzten Rüden
Nweibliche = Zahl der in der Zucht eingesetzten Hündinnen

Die Tabelle 2 zeigt an Hand dieser Formel, wie sich die Population in Abhängigkeit von der Zahl der zur Zucht verwendeten Rüden und Hündinnen entwickelt. Was zu beachten ist, dass die Formel auf der Grundlage basisiert,

Rüde / Hündin
5
10
20
30
50
100
5
5.00%
3.75%
3.13%
2.92%
2.75%
2.63%
10
3.75%
2.50%
1.88%
1.67%
1.50%
1.38%
20
3.13%
1.88%
1.25%
1.04%
0.88%
0.75%
30
2.92%
167%
1.04%
0.83%
0.67%
0.54%
50
2.75%
1.50%
0.88%
0.67%
0,50%
0.38%
100
2.63%
1.38%
0.75%
0.54%
0.38%
0.25%
500
2.53%
1.28%
0.65%
0.44%
0.28%
0.15%
1000
2.51%
1.26%
0.64%
0.43%
0.26%
0.14%
Tabelle 2: Zeigt den zu erwartenden relativen Inzuchtanstieg pro Generation in Abhängigkeit von der Zahl der zur Zucht verwendeten Rüden und Hündinnen.

aud dem Grundsatz der Panmixie, d.h. dass alle Tiere frei verpaart werden können und sich augeglichen verpaaren. Jede Einschränkung, durch Paarungsvorschriften verkleinert die Zuchtpopulation und erhöht somit den Inzuchtfaktor pro Generation. Die Tabelle zeigt sehr schön, wie wichtig es ist eine ausgewogene Anzahl weiblicher und männlicher Tiere in der Zucht einzusetzen. Die Hündinnen werden durch die Natur beschränkt, eine Hündin hat maximal 4-6 Würfe in ihrem Leben. Rüden dagegen können fast unbeschränkt eingesetzt werden, für einen möglichst schonenden Umgang einer Zuchtpopulation sollten alle Zuchttiere einer Population gleichmässig eingesetzt werden. Das heisst ein Rüde sollte grundsätzlich nicht öfter als eine Hündin in den Zuchteinsatz kommen. Wir wissen alle, dass dies beileibe nicht der Fall ist in der Hundezucht.
Durch den Einsatz von "Popular Sire", wird dieses biologische Gesetz noch verstärkt. Die Anzahl in der Zucht eingesetzten Rüden werden durch immer kleiner. Werden z.B. bei 100 Würfen 50 Rüden gleichmässig verteilt eingesetzt, so erfährt die Population mit jeder Generation eine Erhöhung des Inzuchtfaktors von 0.38%. Sind bei diesen 50 Rüden, einige "Popular Sire" die z.B. 7 oder 8 Mal decken, sinkt die Zahl schnell auf nur noch effektiv 20 eingesetzte Rüden. Für den Inzuchtfaktor heisst das eine Steigerung auf 0.88% pro Generation, was auf den ersten Blick als vernachlässigbar scheint, was sind schon 0.5% Verlust, zeigt sich bei genauem hinsehen als fatal. Es heisst, dass wir über 50% mehr genetische Varianz unwiederbringlich verlieren. Wir können diesen Verlust an genetischer Varianz nie wieder zurückholen, die Rasse verliert doppelt so schnell an genetischer Varianz und so werden die oft belächelten Warnungen der Genetiker für jeden verständlich. Jeder Popular Sire nimmt der Rasse unwiederbringlich genetische Substanz. Der Lehrsatz: "Die Anteile der homozygoten (gleich geschaltete) Genorte nimmt laufen zu und zwar umgekehrt proportional zu der Populationsgrösse.", wird so für jeden erfassbar. Die empfohlen Werte für eine Zuchtpopulation sind eine maximale Steigerung von 0.5% pro Jahr oder über 5 Jahre eine Steigerung von 2.5%.

Berechnung der Populationsgrösse
Eine weitere wichtige mathematische Formel für eine Rasse ist die zur Berechnung der Effektiven Populationsgrösse. Wir sehen in der Tabelle 2 wie wichtig eine möglichst grosse Population innerhalb einer Rasse ist. Hätte man eine gleichmässige Verteilung des Zuchteinsatzes zwischen Rüden und Hündinnen, könnte man für die Bestimmung der

Links (englisch):

Bild 9: Sewall Green Wright (21.09.1889 - 03.03.1988)
(Bild Quelle: Wikipedia)

effektiven Zuchtpopulation alle Zuchthunde nur zusammen zählen und hätte als Ergebnis die Grösse der Zuchtpopulation. Wir haben bereits festgestellt, das diese Verteilung, zwischen männlichen und weiblichen Tiere nicht gleich verteilt ist, so werden im Zuchteinsatz Rüden durchschnittlich häufiger eingesetzt als Hündinnen. Deshalb brauchen wir folgende Formel:

Ne = Effektive Zucht-Populationsgrösse
m = in der Zucht eingesetzte Rüden
w = in der Zucht eingesetzte Hündinnen

Wie in der ersten Formel kann man nur diejenigen Tiere dazuzählen, welche in der Zucht eingesetzt werden und frei mit jedem Partner verpaart werden können.

Aus der nebenstehenden Tabelle 3, erstehen sie wiederum die Abhängigkeit einer Populationsgrösse, von der gleichmässigen Verteilung der eingesetzten Zuchttiere einer Rasse. Nehmen wir zum Beispiel eine fiktive Zuchtpopulation in welcher 100 Hündinnen in der Zucht eingesetzt werden, demgegenüber stehen 20 regelmässig eingesetzte Rüde so steht der Nachkommengeneration nicht die genetische Varianz von 120 Hunden zur Verfügung, sondern nur eine Varianz von 67 Hunden. Wir sehen auch hier, wie die genetische Fitness mit dem übermässigen Einsatz von männlichen Zuchttieren dramatisch abnimmt. Neben dieser grundsätzlichen Abnahme der möglichen Genkombinationen kommt natürlich eine weiteres Problem hinzu. Die Verbreitung von rezessiven Defektgenen wird. Diese rezessiven Gene geben sich erst dann zu erkennen, wenn sie bei einem Tier in doppelter Dosis auftreten und das kann erst dann der Fall sein, wenn beide Elterntiere dieses rezessive Gen

Rüde / Hündin
5
10
20
30
50
100
500
5
10
13
16
17
18
19
20
10
13
20
27
30
33
36
39
20
16
27
40
48
57
67
77
30
17
30
48
60
75
92
113
50
18
33
57
75
100
133
182
100
19
36
67
92
133
200
333
500
20
39
77
113
182
333
1000
1000
20
40
78
117
190
364
1333
Tabelle 3: zeigt die Grösse der effektiven Zuchtpopulation in Abhängigkeit von der Zahl der zur Zucht verwendeten Rüden und Hündinnen
tragen. Neben der sogenannten Inzuchtdepression, welche die Fitness einer Rasse tangiert, kommen teils unbekannte rezessiven Gene zum Vorschein welche die Gesundheit einer Rasse stark negativ beeinflussen können. Jeder "Popular Sire" wird so unweigerlich zum "Totengräber" einer Rasse, er vermindert einerseits die genetische Fitness und als möglicher Träger von rezessiven Defektgenen schlussendlich zu Herd einer gesundheitlichen Schädigung der Rasse. Das heimtückische dieser Schädigung ist, dass sie bedingt durch den häufig vorkommenden rezessiven Erbgang oft erst nach mehreren Generationen in einer auffallenden Häufigkeit auftritt.
Anwendung dieser beiden Formeln
Diese Formeln finden dort Anwendung, wo eine ganze Rassenpopulation kontrolliert wird. Bei den Wildtieren welche in Gefangenschaft gezüchtet werden, gibt es solche globalen Stammbücher und da sind diese Formeln Bestandteil der Grundlage für eine gesunde Zuchtstrategie. Für die Hundezucht wird ihre Anwendung recht schwierig, da die Zuchtbücher meist national geführt werden. Man hat so nie eine Gesamtübersicht über die effektive Grösse einer Rassenpopulation. Sie geben aber Zuchtbuchführern und Zuchtwarten Kennzahlen über die von ihnen verwaltete Population. Dem einzelnen Züchter bringen diese Formeln in ihrer Anwendung wenig, aber sie wecken das Verständnis für eine schonende Zucht, denn es ist der Züchter und sei er noch so klein, welcher das Wohl einer Rasse entscheidend bestimmt.
Eine grosse Hilfe für die Rassenzucht sind da die Gen-Test welche uns Heute in immer grösserer Anzahl zur Verfügung stehen. Durch sie können bereits Träger von rezessiven Genen erkannt werden. Damit bekommt die Hundezucht ein Instrument in die Händen Defektgene frühzeitig zu erkennen und durch eine sorgfältige Zuchtplanung langfristig auszumerzen. Ein "Sonnenstrahl" in der Hundezucht, wo die Sonne scheint gibt es aber auch immer Schatten. Die Schatten resultieren meist aus überhasteten Reaktionen auf Gentest-Resultate, durch unüberlegte Ausmerzaktionen, welche die Auswirkungen auf die genetische Vielfalt der Gesamtpopulation nicht berücksichtigen. Rezessive Gene sind recht einfach auszumerzen, man nimmt alle befallenen Hunde, welche die Allele des
Bild 10: Das Ablaufdiagramm einer jeder geschlossenen Population, ohne die Öffnung von Zuchtbüchern und entsprechnden Auskreuzungen, wird über Kurz oder Lang, jede Hundpopulation in sich selbst zusammenfallen. Den Zeitpunkt kann man nur durch sorgfältige Zucht herauszögern.
Defektgens homozygot (zwei gleiche Allele) haben und alle Träger welche nur ein Allel des Defektgens in sich tragen (heterozygot) aus der Zucht und merzt den Defekt innert kürzester Zeit aus. Die ist aber nur dann möglich, wenn wir es mit einem sehr geringen Befall (<1%) innerhalb einer Rasse zu tun haben. Ist der Befall höher kann man sich mit die Strategie so weit anpassen, dass mit Verpaarungsvorschriften die Träger in der Zucht lässt, diese jedoch nur mit Partnern verpaart welche homozygot nicht defekte Allele haben. Wir erreichen dadurch, dass keine befallenen Tiere zur Welt kommen. Durch das Testen der Nachkommen und eine verantwortungsvolle, ganzheitliche Selektion werden so über einige Generationen die Defektgene reduziert und schlussendlich ausgemerzt. Die ist ein gangbarer Weg, wenn eine Rasse einen Befall von unter 5%, eine grosse Zucht-Population mit einem tiefen Inzuchtfaktor hat. Man muss sich aber schon da im Klaren sein, dass eine beträchtliche Anzahl Gen-Variationen verloren geht. Nehme wir ein Population von 1000 weiblichen und 100 Männlichen Tieren, bis zu 5% der Population werden aus der Zucht genommen, dies bedeutet das in jeder weiteren Generation ein Inzuchtanstieg von unter 0.01% auf Konto dieser Ausmerzung geht. Die Zuchtpopulation verringert sich von effektiv 364 auf 347 was 0.95% entspricht. Dies ist jedoch bei weniger gefährdeten Rassen verantwortbar, wenn es sich um eine gesundheitlich einschränkende Ausprägung des Gendefektes handelt. Haben wir es mit genetischen Defekten zu tun welche eine Population zu mehr als 5% betreffen, so reichen Ausmerzaktionen nicht mehr aus, denn diese werden langfristig der Rasse mehr schaden als nutzen. In solchen Fällen ist ein sorgfältiges abklären der Situation und die Hilfe von Populationsgenetikern notwendig. So können dann Gruppen aus Genetikern, Biologen, Mediziner und Züchter, Zuchtstrategien ausgearbeiten welche eine Rasse über einen langen Zeitraum zu verbessern versuchen. Grundlage für solche Strategien müssen aber immer reale Befallszahlen sein. Das das Sammeln der effektiven Befallszahlen einer Rasse über mehrere Jahre ist da ein muss und bildet die Grundlage für die Ausarbeitung von Massnahmen. Da ist der Gentest die grosse Hilfe, man kann durch ein vollständiges Testen der Zuchtpopulation und der Nachkommen, rasch konkrete Zahlen erhalten.Nur so kann eine Rasse nachhaltig gefördert werden.

Zum Schluss dieses Abschnittes sei noch darauf hingewiesen, dass die meisten Zuchtausschlüsse aus rein ästhetischen, respektive phänotypischen Gründen ausgesprochen werden. Was da den Rassen, auf Grund eines Schönheitsideals, seit Jahrzehnten angetan wird, ist unverantwortlich. Die neusten Ausschlussgründe sind dann noch die "Wesenstests", da fühlen sich "Experten" berufen, welche oft nur rudimentär ausgebildet sind, Hunde unter Bedingungen und Regeln, die jedem ausgebildeten Verhaltensbiologen die Haare zu Berge stehen lassen, zu beurteilen und eine Prognose für ihre Nachkommen zu erstellen. So entscheiden, die Tagesform von Richten und Hunden über das fortbestehen einer Rasse, auf einer Basis die jenseits von allen belegbaren Fakten ist.

Die Mathematik in der Zuchtplanung
Nachdem wir die beiden populations-relevanten Formeln angeschaut haben, kommen wir zu den Kennzahlen welche dem Züchter in der Zuchtplanung helfen. Diese Kennzahlen sind gerade in der Linienzucht unabdingbar. Ziel einer jeden gesunden Linienzucht ist, eine möglichst gleichmässige Zuchtlinie aufzubauen, welche den langfristigen Zuchtzielen einer Zuchtstätte entspricht. Diese Ziele beinhalten sowohl phänotypische wie auch genotypische Kriterien, welche über einen gewissen Zeitraum erreicht werden sollen. Wir haben da folgende Zeiträume gewählt, eine kurzfristige welche über den Zeitraum von 6 Jahren läuft (Aktuelle Periode im Jahr 2010: 2007 bis 2012), und eine
langfristige Periode von 10 Jahren (2007 -2017). Jede Wurfplanung wird nun mit diesen Ziele abgestimmt, und soll ein Schritt zu den angestrebten Zielen sein. Wir verwenden, zur Überprüfung der genetischen Varianz zur Hauptsache zwei Berechnungsarten. Der eine ist die Berechnung des Inzuchtfaktors (IK oder COI) und die andern die des Ahnenverlustkoeffizienten (AVK). Sie geben uns das Tempo vor, mit welchem wir Richtung unserer Ziele bewegen. Die ebenfalls von Wright entwickelte Formel für den Inzuchtkoeffizient hat einen optimalen Wert von COI=0 und die einfacher Berechnung des Ahnenverlustkoeffizienten einen optimalen Wert von AVK = 100. Für die Tierzucht werden von Genetikern die folgenden Werte, als langfristiger Durchschnitt, empfohlen: IC sollte unter 3% betragen und der AVK sollte über 85% betragen. Beides muss im Minimum auf 5 Generationen berechnet werden. Die Berechnung auf 5 Generationen ist unkompliziert und berücksichtigt die 63 Ahnen des überprüften Hundes. Die Berechnung auf 10 Generation, also bis zu den Stammeltern zurück, berücksichtigt bereits 2047 Ahnen und erfordert schon ein Stammbaum-Programm, welches den Stamm verwaltet und die Berech-
Generation
Ahnenanzahl
Ahnenbezeichnung
0
1
Probant
I
2 und 3
Eltern
II
4 bis 9
Grosseltern
III
10 bis 17
Urgrosseltern
IV
18 bis 33
Alteltern
V
34 bis 65
Altgrosseltern
VI
66 bis 129
Obereltern
VII
130 bis 257
Obergrosseltern
VIII
258 bis 513
Oberurgrosseltern
IX
514 bis 1025
Stammeltern
X
1026 bis 2049
Stammgrosseltern
Tabelle 4: Die Ahnenenanzahl und Ahnenbezeichungen
bis in die 10. Generatiom
nungen automatisch durchführt. Ein solches Programm gehört natürlich zur Grundausstattung eines Rasseclubs und dient als Grundlage für Entscheidungen, sowie für das Erstellen von aussagekräftige Statistiken eines gewissenhaften Zuchtwartes, es ist aber auch für den Züchter ein wichtiges Instrument zu Planung seiner Verpaarungen.
Der Ahnenverlustkoeffizient

Die einfachste Berechnungsart, um rudimentäre Aussagen über die genetische Varianz zu bekommen ist der Ahnenverlustkoeffizient. Er gibt Auskunft, wie hoch der Anteil von unterschiedlichen Ahnen im Stammbaum des Probanden ist. Sind alles unterschiedliche Ahnen vorhanden, gibt dies das Resultat AVK= 100%. Er wird im Allgemeinen auf 5 Generationen berechnet, das bedeutet, dass maximal 62 Ahnen vorhanden sein können (Tabelle 4), maximale Anzahl in 5 Generationen von 63 abzüglich des Probanden). Die Formel lautet:

AVK= Ahnenverlistkoeffizient
Av = Effektive Anzahl unterschiedlicher Ahnen
Am = Maximale Anzahl Ahnen

 

Als Beispiel nehmen wir den "Popular Sire" Dazzler Of Dunsinane. Aus dem nebenstehenden Pedigriee (für Link auf Collie-Online auf Bild klicken) können wir entnehmen das es in den 5 Generationen das folgende Collies mehrmals vorkommen:

  • Ch Lochinvar of Ladypark (4mal)
  • Eden Examine (2 Mal)
  • Rimington Kittieholme Pilot (2 Mal)

A m auf 5 Generationen = 62
A v auf 5 Generationen:
Ch Lochinvar of Ladypark kommt 4 Mal vor Abzug 3, Eden Examine kommt 2 Mal vor Abzug 1 und Rimington Kittieholme Pilot kommt 2 Mal vor Abzug 1

A v = 62-3-1-1 = 57 effektiv verschiedene Ahnen

AVK = 1- (57/62) = 0.0806 = 8.06%

Der Ahnenverlust beträgt somit 8.06%. In den meisten Programmen und Darstellungen wird nur mit der Formel "Av/Am" gerechnet was als Resultat den Prozentsatz der unterschiedlichen Ahnen ergibt, das wäre in unserm Beispiel 91.94%.

Bild 11: Pedigree von Dazzler Of Dunsinane auf Collie-Online, der AVK kann direkt abgelesen werden
Die Webseite www..collie-online.com bietet eine umfangreiche Datenbank an, welche auch den AVK direkt ausweisst.

Collie: Ch. Lochinvar of Ladypark, Sable/white Rüde
Bild 12: Ch. Lochinvar of Ladypark, Sable/white Rüde
Born : 01.02.1947, IK 6-Gen.: 5.81 %
Der Ahnenverlustkoeffizient sagt für sich alleine praktisch nichts über den Homozygotiegrad eines Probanden aus. Man bekommt keine Angaben wie eng die Elterntiere miteinander verwand sind. Eine totale Auskreuzung bei einer Verpaarung von zwei eng gezüchteten Linien ergibt einen sehr hohen AVK, genetisch gesehen ist es jedoch eine hohe, erwünschte Vermischung der Gene. Der Ahnenverlustkoeffizient liefert also bestenfalls einen Schätzwert, gibt eine grobe Übersicht über die Vorfahren, kann aber im schlimmsten Fall völlig sinnlose Angaben zur wahren Inzucht geben. So ist auch die eingangs erwähnte Empfehlung, von einem maximalen AVK von 85%, respektive ein maximalen Verlust von 15%, mit Vorsicht zu geniessen und hat wenig Aussagewert. Der AVK wird daher in der wissenschaftlichen Genetik nicht verwendet. Wir arbeiten mit dem AVK nur im Zusammenhang mit dem Inzuchtfaktor (IC), diese Kombination wird recht aussagekräftig. So erhalten wir durch die Kombination von AVK und IC einen raschen Überblick über die genetische Varianz eines Probanden und die Art wie dieser gezüchtet wurde.
Der Inzuchtkoeffizient (IK, COI)

Bei der Berechnung des Inzuchtkoeffizienten (Abk. IC oder COI), welche von Sewall Green Wright 1922 entwickelt wurde, wird nun der Grad der Inzucht in Bezug auf die beiden Elternteile und ihrer Vorfahren errechnet. Grundlage ist die, bei der Mitose auftretende Vermischung der Gene beider Elternteile zu je der Hälfte. Diese Berechnungsart wir

heute weltweit und fast ausschliesslich verwendet. In wissenschaftlichen Kreisen wird er Inzuchtkoeffizient als "F" bezeichnet, man findet in der Literatur jedoch die Abkürzungen IK, IC, WIC, FX und COI. Wir verwenden auf userer Website vor allem die englische Abkürzung COI, in diesem Betrag jedoch die deutsche Abkürzung IK. In der Hundezucht wird empfohlen, dass der IK nicht höher als 6.5% über 5 Generationen gerechnet sein sollte. Über 10 Generationen sollte er die 9% Marke nicht übersteigen. Für seltene Rassen wird von der FCI ein maximaler IK von 10% empfohlen. Diese Werte sind vor allem in der Linienzucht ein entscheidendes Kriterium, damit man langfristig mit einer gesunden Zuchtlinie arbeiten kann. Durch unbedachte (Populationsgenetik bleibt unbeachtet), zuchthygienische Massnahmen, wie die Paarungsvorschrift der SCC, welche besagt, dass CEA befallen Hunde nur mit CEA-freien Hunde verpaart werden dürfen, wird auch eine Rasse wie der Langhaar-Collie (der Kurzhaar gehört schon offiziell zu den gefährdeten Rassen) in der Schweiz zu einer Rasse mit einem sehr kleinen Zuchtpool. Der CEA-Befall beim Collie ist über 80%, wir haben weltweit unter 5% freie Collies, da hilft es wenig, wenn die Clubverantwortlichen mit beschönigenden Statistiken und Aussagen wie: "Es zählt ja der Befund des Augenarztes und nicht der des

Generation
Ahnenbezeichnung
Anteil Gene
0
Probant
I
Eltern

50 %

II
Grosseltern
25 %
III
Urgrosseltern
12.5 %
IV
Alteltern
6.25 %
V
Altgrosseltern
3.125 %
VI
Obereltern
1.5625 %
VII
Obergrosseltern
0.78125 %
VIII
Oberurgrosseltern
0.390625 %
IX
Stammeltern
0.1953125 %
X
Stammgrosseltern
0.09765625 %
Tabelle 5: Der Anteil der Gene in Prozent welche die ersten 10 Generationen beisteuern.
Collie: Eden Examine Dark Sable Rüde
Bild 13: Eden Examine Dark Sable Rüde
Born : 28.02.1944, IK 6-Gen: 0 %
Gentest" zu beruhigen versuchen. Von der MDR1-Problematik (Befall >50%) wird offiziell nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen, denn da gibt es nur den GEN-Test und keine beschönigende Arztbefunde, schlecht für jede Club-Statistik und ein möglicher Todesstoss für die Schweizer-Colliezucht. Eine solche Art und Weise mit gesundheitlichen Problem umzugehen schreit zu Himmel, ein klarer Verstoss gegen alle Satzungen und Reglemente, in welche steht, dass sich der Club sie vor allem zum Wohle der Rasse einsetzen sollte. Es zeigt wie weit sich Rasseklubs von den Realitäten entfernt haben und so die Rassenzucht in hohem Masse Unglaubwürdig machen. Da diese Fakten seit Jahren auf dem Tisch liegen, oder eben tief in der Schublade der Verantwortlichen und man vom Rassenclub ausser von "gemütlichen Vereins Reisli" nichts Substanzielles über die Zucht lesen kann, liegt es ganz alleine in den Händen der Züchter, möglichst schonend, die Mängel unserer wunderbaren Rasse langfristig zu verbessern. Der Inzuchtkoeffizient ist da ein zentrales Instrument auf dem Weg genetisch gesunde Hunde zu züchten.

Minimaler IK

Inzucht-Verpaarungen

25%

Vater-Tochter Verpaarung

25%

Mutter-Sohn Verpaarung

25%

Geschwisterverpaarung

12.5%

Halbgeschwister-Verpaarung

6.5%

Cousin-Verpaarung

0 %
Keine gemeinsmen Vorfahren
Tabelle 5: Minimaler zu erwartender IK auf 6 Generationen, bei Verpaarunge unter verwanden Collies. Minimal weil der zu erwartende IK von den IK der Vorfahren abhänig ist. Ein Paarung mit hohem IK wirkt sich noch einige Generationen aus und kann eine Rückkreuzung auf die eigene Zuchtlinie unmöglich machen. Dies ein Hauptgrund, warum auch erfolgreiche Zuchstätten, plötzlich von der Bildfläche verschwinden.

Leider ist die Berechnung des IK recht aufwendig, deshalb wir er selten von Hand berechnet, sondern man bedient sich da mit Zuchtprogrammen. Wir wollen trotzdem versuchen aufzuzeigen wie eine solche Berechnung von Hand durchgeführt werden kann. Die Fprmel für die Brechnung von Wrights Inzuchtkoeffizienten lautet:

Fx = der Inzuchtkoeffizient des Hundes
Fa = . der Inzuchtkoeffizient des gemeinsamen Vorfahren
n1 = die Anzahl der Generationen vom Vater auf den gemeinsamen Vorfahren
n2 = die Anzahl der Generationen vom Vater auf den gemeinsamen Vorfahren

Benutzen wir wie beim AVK wieder das 5. Generationen Pedigree (Bild 14) von Dazzler Of Dunsinane um die Berechnung des IK zu zeigen. Wir entnehmen Seinem Pedigree das in den 5 Generationen folgende Collies mehrmals vorkommen:

Ch Lochinvar of Ladypark müssen wir nicht berücksichtigen, da er nur auf der Mutterseite vorkommt. Sein Einfluss wirkt sich nur auf die Mutter von Dazzler aus, also auf Leading Lady. Würden wir nur eine Generation weiter zurück gehen, sähe die Situation anders aus, denn CH Sudborough Lochdorna und Lighterman Of Ladypark haben ihn beide als Vater. Bei der Berechnung über 6 Generationen (Bild 14) würde er also aktiv. Ein entscheidender Einfluss , wie wir noch sehen werden.

Bleiben somit Examine und Pilot welche wir berechnen müssen:
Exanime kommt 2x vor. Er ist der Altgrossvater väterlicherseits und der Altvater mütterlicherseits.

Wir haben bei Dazzler folgende Ahnen Reihe bezogen auf Examine:

Vaterseite;
Dazzler - Demander - Defender - Alaric - Abbot - Examine
Zwischen Vater und Examine sind 4 Generationen, n1=4

Klicken für PDF Ahnentafel

Bild 14: Das 5 Generationen Pedigree von Dazzler Of Dunsinane. Ein Auschchnitt unseres Pedigreeprogramms. man kann erkennen wie die relevanten Hunde farbig angezeigt werden. Eden Examine Linie Rot und die Rimington Kittieholme Pilot Linie Blau

Dazzler Of Dunsinane

Bild 15: Dazzler Of Dunsinane, Der IK ist von den berücksichtigten Generationen abhänig:
IK 4 Generationen: 0.0 %
IK 5 Generationen: 0.58 %
IK 6 Generationen: 3.4668%
IK 10 Generationen: 7.72476 %

Mutterseite:
Dazzler - Leading Lady - Look - Lochinvar - Examine Zwischen Mutter und Examine sind 3 Generationen n2=3

Aus der Formel entnehmen wir n1+n2+1 = 4+3+1=8

Wie müssen als erstes 0.5 hoch 8 rechen, was 0.5*0.5*0.5*0.5*0.5*0.5*0.5*0.5 = 0.003906 entspricht. In Prozent sind das 0.39 %. Damit ist die Berechnung für Examine beendet.

Nun folgt die Berechnung für Pilot, er ist sowohl vom Vater her wie auch von der Mutter der Altgrossvater.

Vater n1 ist somit: 4
Mutter n2 ist somit: 4

Gemäss Formel: n1+n2+1 = 4+4+1=9

Wie müssen als erstes 0.5 hoch 9 rechen was ein Resultat von 0.001953 ergibt, in Prozenten entspricht das 0.19%.

Somit haben wir alle Berechnungen für die gemeinsamen Vorfahren gemacht. Nu müssen wir die noch zusammen zählen, also 0.003906+0.001953= 0.005859 was einem IK vom 0.58% entspricht.

Nach diesem Schema müssen wir jeden Gemeinsamen Ahnen durchrechnen, wär Examine z.B. nochmals Vorgekommen z.b. als Grossvater väterlicherseits hätte man die Berechnung nochmals erweitern müssen und hätte dann 3 Resultate zum Zusammenzählen.

Wir haben Eingangs unseres Beispiels erwähnt, das der Wegfall von Ch Lochinvar of Ladypark, der in den ersten 5 Generationen nur mütterlicherseits vorkommt, bei der Betrachtung über 6 Generationen (Bild 16) Auswirkungen haben würde. Es ist nicht der einzige Fall, Eden Examine kommt in der 6.Generation alleine 6 Mal vor, Titania Of Arranbeck kommt mütterlicherseits ebenfalls vor, Lyncliffe Lancer kommt in der 6. Generation auf beiden Seite insgesamt 6 mal vor. Es kommen neue Hunden dazu welche IK-relevant sind, Eden Examine muss noch mehrmals berücksichtigt werden. Die Berechnungen vervielfachen sich, wir müssen jetzt nach dem selben schema vorgehen wie aufgezeigt, zum Glück gibt es da entsprechende Programme. Für alle die es sich nicht nehmen wollen, die Berechnung zu versuchen, hier die einzelenen Resultate:

  • Lochinvar of Ladypark = 1.36719 %
  • Eden Examine = 1.26953 %
  • Lyncliffe Lancer = 0.48832 %
  • Rimington Kittieholme Pilot = 0.19531 %
  • Titania Of Arranbeck = 0.14648 %

Der IK steigert sich von 0.58% auf 3.46%. Diese grosse Differenz (das 6-fache) zeigt uns, wie wichtig es ist, dass wir immer IK's welche wir vergleichen wollen, auf gleich viele Generationen gerechnet sind. Das Beispiel gibt uns aber noch einen weiteren Hinweis, es ist ein typischer Effekt innerhalb einer erfolgreichen Linienzucht. Wenn wir uns kurz auf das vorherige Kapitel zurück besinnen, auf die mendelschen Gesetzte, so haben wir in der ersten Generation die Mischung und in der Zweiten wieder die Trennung auf die beiden Grundtypen. Wendet man nun diese Gesetze in der Linienzucht an, so muss ich eine Auskreuzung (F1) immer mit einem Typentsprechenden oder sogar verwanden Hund kreuzen, um in der F2-Generation wieder die reinen Typen herauszufiltern um

Klicken für PDF Ahnentafel
Bild 16: Das 6 Generationen Pedigree von Dazzler Of Dunsinane. Ein Auschchnitt unseres Pedigreeprogramms. man kann erkennen wie die relevanten Hunde zunehmen durch die farbig angezeigten Zuchtlinien.
mit diesen weiter zu züchten. Deshalb ist es typisch, dass in eine Linienzucht jede 2. Generation eine grössere IK-Steigerung mit sich bringt. Sie werden diesen Effekt bei den meisten, erfolgreich liniengezüchteten Hunden finden. Für die Berechnung des IK sollte man deshalb immer gerade Generationen verwenden (6/8/10 usw.). Ein Schelm der böses denkt, wenn er sieht, dass alle Empfehlungen über die Höhe des IK sich auf 5 Generationen (ungerade Generation) beziehen.
Parents
GrandParents
G-GrandParents
G-G-GParents
CH Dorgano Demander Of Dunsinane
(COI = 7.4431 %)
(Sire)
Defender Of Dunsinane
(COI = 7.85734 %)
Dunsinane Alaric Of Arranbeck
(COI = 14.13965 %)
Abbot Of Arrenbeck
(COI = 4.49815%)
Astrakhan Of Arranbeck
(COI = 5.51243%)
Rinth Recluse
(COI = 20.41449 %)
Lyncliffe Loadstar
(COI = 3.17073%)
Rinth Remembrance
(COI = 22.47183%)
Foxshot Charmer
(COI = 5.97553 %)
Whitelea Winley
(COI = 7.37437 %)
Amber Lad Of Glenacre
(COI = 4.22591%)
Girley Of Whitelea
(COI = 13.15019%)
Foxshot Surprise
(COI = 3.06755 %)
Rowlyn Lad
(COI = 4.22969%)
Danethorpe Darkly
(COI = 3.94237%)
Leecroft Leading Lady
(COI = 13.19137 %)
(Dam)
Look At Me Of Ladypark
(COI = 32.59776 %)
CH Lochinvar Of Ladypark
(COI = 7.91901 %)
Eden Examine
(COI = 1.05713%)
Beulah's Golden Flora
(COI = 8.94729%)
CH Limpid Of Ladypark
(COI = 21.25251 %)
CH Libretto Of Ladypark
(COI = 6.70647%)
Lindy Lou Of Ladypark
(COI = 16.42503%)
Leecroft Black Magic
(COI = 6.22735 %)
CH Mywicks Meadow Lancer
(COI = 10.88395 %)
Mywicks Monitor
(COI = 11.18515%)
Shoinemaw Sheena
(COI = 0.13988%)
Pride Of May
(COI = 4.792 %)
Lookout Of Ladypark
(COI = 6.70647%)
Golden Sky Of White Tip
(COI = 0.%)
Tabelle 6: Ein Pedigreeprogramm gibt uns schnell Auskunft über den IK des Probanden und gibt zusätzlich noch direkt die IK aller Ahnen an. Hier ein Beispiel einer solchen Auswertung für Dazzler Of Dunsinane auf 10 Generationen berechnet.
Tabelle 6 zeigt die Viergenerationen-Ahnentafel mit den IK's der einzelnen Collies. Die Werte sind nicht auch den Probanden, in unserm Falle auf Dazzler ausgerechnet, sondern weisen die Werte der einzelnen Hunde aus. So kann man entnehmen wir hoch die Inzuchtrate der einzelnen Ahnen sind. Eine weitere Auswertung zeigt (Tabelle 7) den IK
der wichtigsten Ahnen, bezogen auf Dazzler und welche Hunde innerhalb seiner Zuchtlinie die genetisch dominantesten sind . Es ist eine wichtige Darstellung um Zuchtlinien zu vergleichen von Zuchtlinien, resp. um passende Zuchthunde für die eigenen Linien auszusuchen. Die 6 in der Tabelle aufgeführten Collie haben für den IK eine sehr dominante Stellung, denn zählt man ihre Anteile zusammen so stellen wir fest, dass sie vom gesamt IK von 8.77%, einen Anteil von 5.9243% haben. 67.5 % des IK wird durch diese 6 Hunde geprägt. Sie sind die Zuchtlinie von Dazzler. Sie werden vielleicht etwas erschrecken, dass zwei von Ihnen in 10 Generationen je 33 Mal vorkommen, Macht man diese Berechnung für die englischen Collies der letzten Jahre so erscheint Dazzler zwischen 50 und 150 Mal in 10 Generationen. So dominant ist Dazzler und sein direkten Nachfahren in der Colliezucht. Leider gibt es auch heuten noch "Experten",
Ahnen
IK 10 Gen
Anzahl
Lyncliffe Lancer
1.83716 %
23
Eden Examine
1.74255 %
13
Lochinvar of Ladypark
1.37719 %
6
Beulah's Silver Don Mario
0.36163 %
33
Leyland Lima
0.36163 %
33
Rimington Kittieholme Pilot
0.24414 %
3
Tabelle 7: Die Auswertung zeigt die gemeinsamen Vorfahren mit den höchten IK's, bezogen auf den Probaden und wie oft sie in den ersten 10 Generationen vorkommen.
welche von einer breiten Zuchtbasis beim Collie sprechen und weiterhin fahrlässig mit dem Collie-Genpool umgehen. Für die Schönheit und den Standardglaube, wird immer noch Raubbau an der genetischen Substanz unserer wunderbaren Rasse betrieben. Die aller meisten Zuchtauschlüsse, werden immer noch durch phänotypische Mängel ausgesprochen (siehe Zuchtreglemente). Die Hüter der Rasse werden so zu ihren Totengräbern.
Die Blutlinie (Blutlanteil)
Bei der Berechnung der Blutlinie oder auch Blutanteil genannt, steht weniger die genetische Vererbungslehre im Vordergrund, sondern es ist ein Richtwert für die ungefähre Ähnlichkeit der Nachkommen in Bezug auf die Vorfahren. Im Gegensatz zum IK werden nicht nur die gemeinsamen Vorfahren berücksichtigt, sondern jeden Vorfahre im Einzelnen. Die Berechnung basiert auf der Tabelle 5, die Gen-Anteile dieser Tabelle bilden die Grundwerte für diese Auswertung. Für einen Elternteil beträgt der Blutanteil 50%, für ein Grosselternteil jeweils 25%, für ein Urgrosselternteil 12.5%, für ein Altelternteil 6.25% und ein Grossaltelternteil 3.125% usw.
Die Vorfahren
Generationen
Blutanteil
%
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
Total
LOCHINVAR OF LADYPARK
0
0
1
0
3
2
0
0
0
0
6
25.00%
EDEN EXAMINE
0
0
0
1
1
6
3
2
0
0
13
21.88%
BEULAH'S GOLDEN FLORA
0
0
0
1
0
3
2
0
0
0
6
12.50%
TITANIA OF ARRANBECK
0
0
0
0
1
2
0
0
0
0
3
6.25%
RIMINGTON KITTIE HOLME PILOT
0
0
0
0
2
0
1
0
0
0
3
7.03%
LYNCLIFFE LANCER
0
0
0
0
1
5
12
3
2
0
23
21.88%
BEULAH'S SILVER DON MARIO
0
0
0
0
0
1
7
13
8
4
33
14.06%
LEYLAND LIMA
0
0
0
0
0
1
7
13
8
4
33
14.06%
Tabelle 8: Auszug der Ahnentabelle von Dazzler, für seine Vorfahren, welche am stärksten in die Blutlinie-Berechnung einfliessen.
Für die Berechnung des Blutanteils in % gehen wir folgendermassen vor. Wir nehmen als Beispiel Lochinvar of Ladypark und Eden Examine. Die Ahnentabelle (Tabelle 8) hilft uns da einen schnellen Überblick zu erhalten, sie kommen gemäss Ahnentafel in der Ahnenreihe von Dazzler wie folgt vor:

Lochinvar of Ladypark erscheint in der Ahnentafel:

  • In der 3. Generation 1x = 1 x 12.5 % = 12.5 %
  • In der 5. Generation 3x = 3 x 3.125 % = 9.375 %
  • In der 6. Generation 2x = 2 x 1.5625 % = 3.125 %

Total Blutanteil: 12.5 % + 9.375 % + 3.125 %= 25 %

Eden Eden Examine erscheint in der Ahnentafe:

  • In der 4. Generation 1x = 1 x 6.25 % = 6.25 %
  • In der 5. Generation 3x = 1 x 3.125 % = 3.125 %
  • In der 6. Generation 2x = 6 x 1.5625 % = 9.375 %

Total Blutanteil: 6.25 % + 3.125 % + 9.375 % = 18.75 %

Ahnen
Blutanteil %
Anzahl
Lochinvar of Ladypark
25 %
6
Eden Examine
18.75 %
8
Beulah's Golden Flora
10.9375 %
4
Lyncliffe Lancer
10.9375%
6
Rimington Kittieholme Pilot
6.25 %
2
Titania Of Arranbeck
6.25 %
3
Tabelle 9: Die Auswertung zeigt den Blutanteil auf
6 Generationen, und wie oft die einzelnen Collies auftreten.
Collie: Lyncliffe Lancer, Tricolor Rüde

Bild 17: Lyncliffe Lancer, Tricolor Rüde
Born: 1940, IK 6-Gen.: 5.32%

Rough Collie: Beulah's Silver Don Mario, Bluemerle Rüde
Bild 18: Beulah's Silver Don Mario, Bluemerle Rüde
Born: 04.04.1938, IK 6-Gen.: 7.61%
Auch der Blutanteil lässt sich so recht einfach berechen. Er berücksichtigt alle Ahnen welche mehrfach vorkommen, unabhängig ob sie von Vater- oder Mutterseite herkommen. Dies gibt einen genauen Überblick über die, in einer Zuchtlinie, am stärksten eingesetzten Collies. Wir haben beim Blutanteil nicht einen einzigen Wert für den Probanden,

wie dies bei AK und IK der Fall ist, sondern eine Liste der Ahnen welche am häufigsten vorkommen. Die Reihenfolge richtet sich nach der Höhe des Blutlinienprozentsatzes und in zweiter Linie nach der Generation des ersten Erscheinens in der Ahnentafel. Der Blutanteil wird oft irrtümlich mit dem Inzuchtgrad verwechselt, gibt aber jeweils nur die Inzucht auf ein einziges Individuum an. Ferner gibt der Blutanteil den theoretischen Anteil an herkunftsgleichen Allelen eines Individuums wieder. Dieser Blutanteil wird aber auch bei starker Inzucht nie wieder 100%ig dem ursprünglichen Vorfahren entsprechen, denn durch Neukombination der Chromosomen und Gene während der Bildung von Samen- und Eizelle entstehen immer wieder neue Möglichkeiten von Kombinationen der Gene. Der Blutanteil wir vor allem in der Kleintier- und Labortierzucht häufig verwendet.

Ahnen
IK 10 Gen
Anzahl
Lochinvar of Ladypark
25 %
6
Eden Examine
21.875 %
13
Lyncliffe Lancer
21.875 %
23
Beulah's Silver Don Mario
14.0625 %
33
Leyland Lima
14.0625 %
33
Beulah's Golden Flora
12.5 %
6
Tabelle 9: Die Auswertung zeigt den Blutanteil auf
10 Generationen, und wie oft die einzelnen Collies auftreten.
Anwendung und Chancen für die Rassen
Die besprochen Formeln sind die am häufigsten angewendeten Berechnungen welche in der Zucht angewandt werden. Es gibt noch weitere solcher Formeln, viele basieren auf dem IK. . Dies zeigt wie zentral die Stellung welche der IK in der modernen Hundezucht hat. Da diese weiter führenden Berechnungen jedoch selten von Zuchtstätten verwendet werden und vor allem in der Zuchtwertschatzung Anwendung finden, werden wir sie im Rahmen diese Beitrags nicht betrachten. Die Ergebnisse haben nur einen beschränkten Nutzen, da die Vergleichbarkeit durch ihre seltene Nutzung selten gegeben ist. Es darf auch nicht sein dass wir vor lauter Rechnen den gesamtheitlichen Blick für die Rasse verlieren, wir haben es mit Lebewesen zu tun. Der perfekte, fehlerlose Collie wird es nie geben und wir werden dieses Ziel nicht annährend erreichen. " Wir wollen den Respekt und die Liebe zum Collie pflegen und bewahren" lautet unser oberstes Zuchtziel und da ist es uns egal ob wir mit oder ohne Papiere züchten. Ich will meinen Collies täglich mit ruhigem Gewissen in die Augen schauen können.

Die Zuchtwertschatzung ist heute ein modernes EDV-gestütztes Instrument in der Hundezucht. Sie kommt aus der Nutztierzucht und bietet eine wertvolle Möglichkeit Zuchtpopulationen möglichst mit einer grossen genetischen Variabilität zu erhalten. Sie anzuwenden ist aber in der Hundezucht recht schwierig, da es bedingt, dass die Daten über die gesamte Population erfasst und ausgewertet werden. Ist dies nicht gegeben, kann es sein, dass sie sogar ins Gegenteil umschlägt und der Rasse mehr schadet als nutzt. Wir sind heute in der Hundezucht an einem sehr kritischen Punkt angelangt. In den letzten über hundert Jahren, in welcher es die Rassenzucht gibt, wurden einerseits immer neue Rassen "erfunden", welche die gesamte Hundepopulation immer mehr zerstückelte und durch die geschlossenen Zuchtbücher immer mehr in die Sackgasse der Rassenisolation führte. Wir haben heute bereist viele Rassen, welche langfristig allein durch ihre geringe Anzahl an frei verpaarbaren Individuen nicht überlebensfähig sind. Anderseits wird in der Zuchtauswahl seit Jahren gesündigt. Im Vordergrund stehen die phänotypischen Schönheitsideale des Standards. Schönheit über alles, ist auch heute noch der Hauptbeweggrund für die Zuchtzulassung der Hunde. Wird dies noch so auf die Spitze getrieben, wie bei uns in der Schweiz, wo Richter

Collie: Leyland Lima. Tricolor Hündin
Bild 20: Leyland Lima. Tricolor Hündin
Born: 19.02.1936, IK 6-Gen.: 3.32 %
Rough Collie: Beulah's Golden Flora, Sable/white Hündin
Bild 21: Beulah's Golden Flora, Sable/white Hündin
Born: 25.02.1945, IK 6-Gen.: 6.29 %
über die Zuchtzulassung entscheiden und diese Entscheide auch noch auf der "päpstliche Unfehlbarkeit" beruhen (jeder Hund hat nur ein Chance, abgelehnt ist für immer aus der Zucht ausgeschlossen) wird es sehr kritisch für den weiteren Fortbestand unserer wunderbaren Rasse. Die verfehlte Anwendung von gesundheitlichen Testresultate, durch unbedachte Zuchtbeschränkungen ist ein Trend welcher seit mehr als 10 Jahren anhält und zu einer grossen Gefahr für eine Rasse wir. Nicht zuletzt sind die dilettantisch durchgeführten Wesenstests, als Grundlage für die Zuchtauswahl, ein weiteres Mittel für eine Rasse zu dezimieren. Auch hier haben wir in der Schweiz das "päpstliche Unfehlbarkeit Gebot". Vielleicht sollte man sich mal überlegen, ob es nicht klüger wäre, Richter welche einmal einen schlechten Tag haben, für immer auszuschliessen. Der Aufschrei für ein eine solche Regelung wäre wohl unüberhörbar, aber sie wäre genau der Massstab welcher für unsere Collies angewandt wird. Als "Krone der Schöpfung" sollte der Mensch nicht narzisstische Kriterien an Collies anwenden, welche er selber nie und nimmer einhalten könnte. Wir hoffen, dass die Genetiker nicht recht haben und ihre Voraussagen über den Zusammenbruch der Hunderassen in den nächsten
Jahrzehnten nicht zutreffen. Hoffen reicht natürlich nicht, wir müssen etwas unternehmen. Es darf nicht sein, dass endlose Palaver ohne jedes Resultat unsere Rasse langsam ins Grab bringt. "Der letzte Collie hatte eine vollkommen, standartgemässen Körperbau, er war CEA-Normal, MDR +/+ und hatte A/A Hüften, es war ein unglaublich tolle Rasse, leider."
Die Genetik gibt uns Instrumente in die Hand, welche uns helfen können, am Fortbestand der Rasse zu arbeiten. Sie ist kein Allerheilmittel, sie gibt uns keine Patentrezepte. Sie ist jedoch eine der wichtigen Grundlagen um die Gesundheit und Wesensfestigkeit einer Rasse zu gewährleisten. Ein gesunder, wesensfester Collie kann nicht hässlich sein, ob er nun eine Ringelrute, eine Stehohr oder ein weisses Fell usw. hat. Würden die Rasseklubs ihre Kräfte für die Rasse bündeln und sich nicht in menschlichen Querelen verzetteln, hätte eine wunderbare Rasse wie der Collie eine echte Überlebenschance. Das genetische Grundwissen ist jedoch immer die Voraussetzung für eine Wende in der Rassezucht. Unsere Vorreiter haben ein wunderbare Rasse aufgebaut, die meisten haben sie mit bestem Wissen und Gewissen gezüchtet und weiterentwickelt. Wir müssen ihnen Dankbar sein, aber das Wissen wird grösser und was gestern gut war darf heute kritisch betrachtet werden. Es geht nicht um eine Verteufelung der alt hergebrachten Zucht, es geht nicht um das brandmarken von Funktionären der vergangen Jahre und Jahrzehnte, es geht darum, vorwärts zu arbeiten und sich voll für den Collie einzusetzen. Ich möchte mich zum Schluss nochmals wiederholen: "Ein gesunder, wesensfester Collie kann nicht hässlich sein."
Collie: Rimington Kittieholme Pilot, Sable Rüde
Bild 22: Rimington Kittieholme Pilot, Sable Rüde
Born: 1946, IK 6-Gen: 2.00 %
 
   
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