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Kurze Einführung in die Genetik und Vererbung  

Einleitung

  Seiten-Index
  Einleitung
  Die gesamtheitliche Sichtweise
       • Phänotyp
       • Genotyp
       • Ganzheitliche Sichtweise
  Das Chromosom
  Homozygot und Heterozygot
  Dominante und rezessive Gene
  Vererbung eines dominanten Gens
  Vererbung eines rezessiven Gens
  Mendel'sche Regeln
       • Uniformitätsregel
       • Spaltungsregel
       • Unabhängigkeitsregel
  Was verdanken wir Mendel?
  Der Einfluss Mendel's in der Linienzucht
       • Teil Analyse von Fattucciera
       • Die Überlegungen für unsere Weiterzucht
  Schlussbetrachtung
Die Zelle ist der Ursprung alles Lebens. Nachdem wir diese etwas genauer angeschaut haben, gehen wir einen Schritt tiefer in der Welt des Mikrokosmos. Es ist die Welt der Genetik. Die Zellen sind bildlich gesehen die Arbeiter, welche exakt das ausführen was die Gene (die Planer) ihnen Auftragen. Das Hundegenom (Genom = Summe aller Gene) besteht aus annähernd 2,5 Billionen Basenpaaren und beinhaltet 19300 caninen Gene (LINDBLAD-TOH et al., 2005) (Dog Genome Project). In jeder Körperzelle hat der Hund 78 Chromosomen oder man müsste richtigerweise von 39 Chromosomenpaaren sprechen. Ein Chromosom stammt von der Mutter, aus der Eizelle, das andere wurde vom Vater durch die Samenzelle beigesteuert. Die Chromosomenstränge von Vater und Mutter sind von den Eigenschaften her identisch. Genau genommen sind 38 Paare identisch und ein Paar ist das Geschlechtschromosom. Dies bedeutet, dass die 39 Chromosomen im Ei immer ein X-Chromosom haben, die 39 Chromosomen im Spermium jedoch immer ein X oder ein Y-Chromosom enthalten. Die einzelnen Codierungsstellen auf diesen Chromosomensträngen, werden in der Fachsprache als "Gene" bezeichnet. Sie tragen die genetischen Informationen des Vater- und des Muttergens in sich und sind fest miteinander verknüpft. Die Eigenschaften dieser gepaarten Gene sind identisch, sie können aber unterschiedliche Werte haben. Als Beispiel betrachten wir kurz das Genpaar für die Eigenschaft Haarlänge. Es kann
unterschiedliche Werte in sich tragen. So kann das Mutter-Gen den Wert Kurzhaar, das Vater-Gen dagegen den Wert Langhaar ausweisen. Dieser gleichen oder unterschiedlichen Wertigkeit innerhalb des Gen-Paars wird als "Allele" bezeichnet. Der Ausdruck Allele bezieht sich somit immer auf die Wertigkeit des Gen-Paars.

Auf die spannende Frage, was für eine Auswirkung, diese unterschiedlichen Werte für die Haarlänge unseres Hundepaars, auf die äussere Erscheinung ihrer Welpen haben wird, gibt die Vererbungslehre Auskunft. Sie wird auch oft als Genetik bezeichnet und befasst sich mit dem Aufbau und den Funktionen der Erbanlagen.

Der biologische Bauplan ist in jeder Zelle
doppelt vorhanden, wobei die zwei Pläne in den Einzelheiten voneinander abweichen können
.
(Quelle: Heinrich Binder Dr.med.vet., Ph.D.)

Die Gene sind die Informationsträger welche über Generationen weiter vererbt werden. Die grundlegenden Vererbungsgesetze stammen von Gregor Mendel und wurden von ihm ab 1860 in wissenschaftlichen Studien untersucht und 1865 definiert. 1906 prägte William Bateson den Begriff Genetik. Nach der Wiederentdeckung der Arbeiten von Gregor Mendel im Jahr 1900, trug Bateson wesentlich zur Verbreitung der Ideen Mendels bei. Das Gen, als kleinster Informationsträger der Erbanlage, erhielt seinen Namen 1909 durch Wilhelm Ludvig Johannsen. Fast genau 100 Jahre nach Mendel gelang es Jonathan Beckwith, im Jahr 1969, ein einzelnes Gen zu Isolieren. Das war der Startschuss für eine rasante Entwicklung der Genetik.

Oben: Johann Gregor Mendel ( 1822 -1884)
Mitte: Wilhelm Ludvig Johannsen (1857- 1927)
Unten: William Bateson (1861 - 1926)

Die gesamtheitliche Sichtweise

Die ersten Früchte dieser Entwicklung sind die Gentests, mit welcher wir Züchter ein wertvolles Mittel zur Erhaltung unserer Rassen in die Hand bekommen haben. So sind wir die erste Züchtergeneration welche beim Betrachten und der Auswahl unserer Zuchttiere folgende zwei verschiedene Sichtweisen zur Verfügung haben:

Der Phänotyp

Das gesamte äussere Erscheinungsbild des Hundes nennt man den Phänotyp des Tieres. Beim Phänotyp eines Organismus handelt es sich immer um seine tatsächlichen körperlichen Merkmale. Er umfasst also alles, was von aussen angeschaut oder untersucht werden kann. Das beinhaltet zum Beispiel Grösse, Gewicht, Haarfarbe, den Körperbau, aber auch den Augenhintergrund, welchen man mit speziellen optischen Instrumenten von aussen untersuchen kann.

Der Genotyp

Der reine genetische Aufbau eines Hundes wird als Genotyp bezeichnet. Er zeigt das Erbbild eines Organismus und orientiert sich nur am genetischen Aufbau welcher sich im Zellkern befindet. Sind die Gene auch nur an einem Ort (Locus) unterschiedlich so haben wir auch in der Gesamtheit des Hundes unterschiedliche Genotypen. Er ist praktisch unveränderlich während des ganzen Lebens des Organismus. Ausnahmen bilden Unfälle unter dem Einfluss von radioaktiver Alfa-, Beta-, und Gamma-Strahlung oder durch Temperaturschocks. Den grössten Einfluss auf ein Individuum hat der Genotyp, er bildet den Bauplan und somit die Grundlage für einen Organismus und seine Fortpflanzung.
Mit der rasanten Entwicklung in Gen-Forschung zeigen sich auch immer mehr zusätzliche Faktoren welche erklären, dass auch Organismen mit einem identischen Genotyp sich gewöhnlich in ihrem Phänotyp unterscheiden. Verantwortlich dafür sind epigenetische Mechanismen, d.h. identische Gene können in verschiedenen Organismen verschieden Ausprägungen haben. Das beste Beispiel sind eineiige Zwillinge, sie haben den gleichen Genotyp, da sie das gleiche Genom in sich tragen, doch niemals den gleichen Phänotyp, obwohl sie sich sehr ähnlich sein können.

Ganzheitliche Sichtweise: Phäno-, Genotyp und Umwelt

Die Kunst des Züchtens ist nun die drei Elemente Phänotyp, Genotyp und Umwelt möglichst optimal zusammen zu bringen. Keines der drei Elemente darf zu hoch bewertet werden und keines darf Vernachlässigt werden. Bei jeder Verpaarung muss der Züchter die Partner möglichst gut kennen, je mehr Informationen er hat, umso besser kann die richtige Zuchtauswahl erfolgen. Es bringt wenig, wenn ein Züchter nur auf die phänotypischen Eigenschaften der Zuchttiere schaut, wie es über Jahrzehnte in der Champion-Zucht gemacht wurde. Heute erleben wir in manchen Rassen, welch negative Auswirkungen dies auf die Gesundheit und die genetische Varianz hatte. Unsere Zuchtreglemente sind immer noch voller phänotypischen Einschränkungen und sind geprägt vom nazistischen Schönheitsdenken der 60er bis 80er Jahre des letzten Jahrhunderts. Auf der andern Seite werden ganze Zuchtstrategien auf ein oder zwei Gene ausgelegt und die restlichen 19300 caninen Gene werden vernachlässigt. In kürzester Zeit wird versucht, defekte oder mutierte Gene auszumerzen und der Genpool verkleinert sich ebenso rasant wie bei der Championzucht. Alle extremen Wege sind falsch, nur eine langsame weitsichtige Zuchtstrategie, welche eine ganzheitliche Sichtweise als Grundlage hat, wird zum Erfolg führen. Was sich über Jahrzehnte entwickelt hat, kann man nicht in wenigen Jahren korrigieren. Es brauch dazu wieder Jahrzehnte und einige Generationen. Diese Verantwortung muss der Züchter tragen und menschliche Politik oder Egomanie sind absolut fehl am Platz.

Keine dieser Sichtweisen darf abgegrenzt, nur für sich allein, angeschaut werden. Das heisst die genotypische löst nicht etwa die phänotypische Sichtweise ab, nein sie erweitert sie. Um schlussendlich ein Gesamtbild eines Zuchttiers zu erhalten, muss man als weiteren Faktor die Umwelteinflüsse berücksichtigen. Sie können den Phänotyp entscheidend beeinflussen. Denn auch die Besten phänotypischen und genotypischen Voraussetzungen nützen wenig, wenn die Ernährung, Haltung, Pflege und Sozialisierung nicht stimmen. Wissenschaftliche Studien in der Humanmedizin haben gezeigt, dass Gene einen grossen Anteil bei körperlichen Erscheinungen wie Grösse, Augenfarbe und Hautfarbe haben. Bei den Charaktereigenschaften aber nur etwa 40 Prozent durch genetische Effekte erklärt werden können und 60 Prozent auf verschiedene Umwelteinflüsse zurückzuführen sind. Noch weiter ging da der Verhaltensforscher und Nobelpreisträger Nikolaas Tinbergen (1907-1988) mit seiner Feststellung: "Verhalten ist zu 100% angeboren und zu 100% gelernt" Eine Erkenntnis, welche die Bemühungen, mit durch Laien durchgeführte, rudimentären Wesenstests, aus dem letzten Jahrhundert, auf die Nachkommen eines Tieres schliessen zu können, sicher in Frage stellt.

Konrad Lorenz (links) und Nikolaas Tinbergen
Quelle: Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V., Hofgartenstr. 8, 80539 München GNU-Lizenz für freie Dokumentation

Das Chromosom

Das Chromosom beinhaltet die genetische Information und den Bauplan des Tieres, es ist der Träger des gesamten Erbgutes. Es gibt zwei Gruppen von Chromosomen; die Autosomen (nicht geschlechtsgebundene Chromosomen) und die Geschlechtschromosomen. Chromosomen treten als Paare auf. Beim Hund gibt es 38 verschiedene Paare autosomaler Chromosomen und ein Geschlechtschromosom. In diesem Geschlechtschromosom sind die Geschlechtszellen vorhanden. Im Ei der Hündin und im Spermium des Rüden sind diese Chromosomen in der halben

Anzahl, also nicht als Paar ( haploider Chromosomensatz) vorhanden. So besitzt der Hund in jeder Körperzelle 78 Chromosomen bzw. 39 Chromosomenpaare, da immer zwei Chromosomen gleich sind. Durch diese zwei identischen, verpaarten Chromosomen, hat jeder Hund immer zwei Gene der gleichen Art. Jedes dieser Gene sitzt auf einem ganz bestimmten Chromosom und dort auch wieder an einer ganz bestimmten Stelle (Genort = Locus).
Durch die Befruchtung enthält die aus der befruchteten Eizelle entstandene Körperzelle, den doppelten Chromosomensatz (diploid). Er enthält die Merkmale sowohl des Vaters als auch der Mutter. Es bildet sich wieder ein Chromosomenpaar. Bei diesem Vorgang verbinden sich auch die Gene immer mit dem entsprechenden dazu passenden Gen, wobei es bei gleichen Genen unterschiedliche Varianten gibt. Die Genhälfen einer Verbindung nennt man das Allen. Ein Gen kann, muss aber nicht, in verschiedenen Allelen (=Varianten) vorkommen. Alle Gene liegen in doppelter Anzahl vor, dabei können verschiedene Allele am gleichen Genort vorhanden sein. Als reinerbig oder homozygot bezeichnet man ein Genpaar mit gleichen Allelen. Sind die Allele unterschiedlich so bezeichnet man sie als mischerbig oder heterozygot.

  • homozygot = reinerbig
  • heterozygot = mischerbig
 

Homozygot und Heterozygot

Wenn zwei Alllele, an einem Genort (Genort = locus), die gleichen genetischen Informationen enthalten, dann wird dieser Genlocus homozygot oder reinerbig. Wenn die beiden Allele eines Genlocus hingegen verschieden sind, dann ist dieser mischerbig bzw. heterozygot. Jeder Hund kann in einem Teil seiner Merkmale und Eigenschaften reinerbig und im Anderen mischerbig sein. Wie und wann sich das dann beim Phänotyp auswirkt, ist abhängig ob es sich um ein dominantes und rezessives Gen handelt.

Dominante und rezessive Gene

Wenn von zwei Allelen eines das andere unterdrückt, so dass dieses phänotypisch nicht zur Wirkung kommen kann, dann bezeichnet man das überdeckende als dominant und das unterdrückte als rezessiv. Das Merkmal, welches vom dominanten Gen ausgeht, ist also genauso ausgeprägt, als wenn beide Allele in gleicher Form vorliegen. Ein Merkmal kann also durchaus von einem Hund gezeigt werden, der nicht reinerbig für dieses Merkmal ist, wenn dieses das Merkmal bestimmende Allel dominant ist. Man kann in einem solchen Fall von aussen nicht beurteilen ob des Tier reinerbig oder Mischerbig ist, dies lässt sich nur durch die Genetik, d.h. DNA-Test oder in manchen Fällen durch die Vererbungslehre, feststellen. Bei rezessiven Allele kommt es erst zur Ausbildung des von ihnen bewirkten Merkmales, wenn die rezessiven Allele auf beiden Genen gleich sind (reinerbig für dieses Merkmal).

   
   
l
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K
Kl
Kl
K
Kl
Kl
Tabelle 1:
Verpaarung Tricolor-Kurzhaar (K)mit Tricolor-Langhaar (l)
Alle Nachkommen sind Mischerbig (Kl)
   
   
l
l
K
K
Tabelle 2:
Verpaarung Tricolor-Kurzhaar (K)mit Tricolor-Langhaar (l)
Alle Nachkommen sind Mischerbig (Kl) aber die phänotypische Ausprägung ist Kurzhaar
Um das Thema noch etwas zu erschweren gibt es noch die vollständige und unvollständige Dominanz. Von vollständiger Dominanz spricht man, wenn ein für das dominante Allel mischerbige (heterozygote) Hund, nicht von denen zu unterscheiden sind, die reinerbig (homozygot) für dasselbe Allel sind. Eine unvollständiger Dominanz ist dann gegeben, wenn der Mischerbige Hund für das dominante Gen einen messbaren phänotypischen Effekt aufweist, der weniger ausgeprägt ist wie der des Reinerbigen für das dominante Gen. Der Mischerbige kann vom Reinerbigen allein durch Betrachtung unterschieden werden.
Um diese Verhaltensweisen der Allele kenntlich zu machen, werden Buchstaben des Alphabetes verwendet, wobei die dominanten Allele mit grossen und die rezessiven mit kleinen Buchstaben versehen werden.

Vererbung eines dominanten Gens:

Das Kurzhaar-Gen (K) ist immer Dominant, im Gegensatz zum Langhaar-Gen welches rezessiv ist
Um beim Collie zu bleiben nehmen wir eine Verpaarung eines Langhaar Collies und eines Kurzhaar Collie. Grundsätzlich ist dies eine Fremdzucht, das heisst eine Auskreuzung unter verschiedenen Rassen. Der Langhaar Collie hat die FCI-Nummer 156 und der Kurzhaar Collie die FCI-Nummer 296, so sind es zwei getrennte Rassen obwohl sie einen gemeinsamen Ursprung haben. Streng genommen sind es Mischlinge. Doch zurück zu unserem Beispiel bei dieser Verpaarung könnte man sich als Resultat folgende zwei Varianten vorstellen. Einerseits Collies mit halblangen Haaren oder die Hälfte Langhaar- und die andere Hälfte Kurzhaar-Collies. Beides wird nicht zutreffen, es werden alles Kurzhaar-Collies auf die Welt kommen, doch im Gegensatz zum Kurzhaar Elternteil werden sie Mischerbig (Kl) sein.

Vererbung eines rezessiven Gens

Nachdem wir beim vorgängigen Beispiel gesehen haben, dass rezessive Gene von dominanten unterdrückt werden und die rezessiven Merkmale nicht sichtbar werden, wollen wir uns nun einen Erbgang betrachten bei welchem kein dominantes Gen vorkommt. Die nicht dominanten Gene, die sogenannten rezessive Gene, werden mit kleinen Buchstaben bezeichnet. Im vorherigen Beispiel war das, dass Langhaar-Gen (l). Rezessive Gene zeigen ihre Ausprägung nur dann im Phänotyp, wenn ein Allel zwei gleiche Gen-Ausprägungen trägt. Bei zwei gleiche Gene in einem Genpaar spricht man von einem Homozygoten Allel oder von Reinerbigkeit.
Viele Erkrankungen werden von rezessiven Genen verursacht, sie treten nur auf, wenn im Erbgang von jedem Elternteil ein befallenes Gen weitergegeben wird. Daraus resultierten, dass es beim rezessiven Erbgang zwei verschiede Sichtweisen. Die genotypische Sichtweise und die phänotypische Sichtweise. Der Phänotyp zeigt normale und fehlerhafte Tiere. Betrachtet man den Genotyp, so gibt es drei Arten normale (reinerbig normal), träger (mischerbig) und fehlerhafte (reinerbig fehlerhaft) Tiere. Daraus kann man ersehen, dass alle phänotypischen Ergebnisse eine grosse Dunkelzone haben. Denn sowohl die Träger eines Fehlgens, wie auch alle welche das Fehlgens nicht in sich tragen zeigen keine Ausprägung der Krankheit und werden als Fehlerfrei deklariert.
Treten in einem Wurf ein oder mehrere Nachkommen mit einem genetischen Defekt auf, sind beide Eltern als sicher und jedes gesunde Geschwister mit einer Wahrscheinlichkeit von 66% als heterozygot und damit genetisch belastet anzusehen.

Phänotypische Sichtweise  
Normale Tiere
Fehlerhafte Tiere
Genotypische Sichtweise  
Normale (reinerbig normal)
Träger (mischerbig)
Fehlerhafte (reinerbig fehlerhaft)
Fazit: Ein genotypisches normales Tier (homozygot) wird in keinem Falle fehlerhafte Welpen auf die Welt bringen, auch wenn man es mit einem fehlerhaften Tier verpaart. Oder andersrum gesehen, gibt es in einem Wurf fehlerhafte Tiere so kann keines der Elterntiere genotypisch reinerbig Normal sein.

Mendel'sche Regeln

Die Gesetzmässigkeiten der Vererbungslehre, basiert auf den von Gregor Mendel formulierten drei Merksätzen, welche als Mendelsche Gesetze die Grundlage der modernen Genetik und Tierzucht bilden. Die Regeln sind:

  • Uniformitätsregel
  • Spaltungsregel
  • Unabhängigkeitsregel

1. Die Uniformitäts- oder Gleichheitsregel (Uniformitätsregel)

 
Kreuzt man zwei reinerbige (homozygote) Individuen, die sich in nur einem Merkmal unterscheiden, so erhält man mischerbige (heterozygote) F1-Bastarde, die alle einheitlich sind (gleicher Phänotyp).
 

Die Grafische Darstellung zeigt die Verteilung der Gene. Jeder Elternteil ist reinerbig, das heisst sie haben Allele mit gleichen Genen (Bild 1: KK / ll - Bild2 nn / bb). Die F1-Generation wird 100% Mischerbig sein. Das heisst im Fall 1 mit dem dominanten Kurzhaar Gen wird es eine Wurf Kurzhaar Collies geben, da sich das Kurzhaar Gen durchsetzt. Phänotypisch werden sie von reinerbigen Kurzhaar Collies nicht zu unterscheiden sein. Genotypisch tragen sie jedoch ein Langhaar Gen in sich. Dieser Umstand wird sich jedoch erst in der nächsten Generation (F2) auswirken. Im Fall 2 mit den rezessiven Genen, haben wir eine ähnliche Ausprägung. Phänotypisch werden sie CEA-frei sein, die CEA wird sich nicht ausprägen. Genotypisch sind sie jedoch Träger des CEA-Gens, sogenannte CEA-Carrier (USA: CEA-Normal, da sie normale Augenhintergründe zeigen). Der mischerbige ist in beiden Fällen nur durch das Wissen des effektiven Gen-Status der Welpen oder der Elterntiere festzustellen. Aus diesem Grund sind Bastardgeburten aus Kurz-/Langhaar in einigen Ländern verboten oder bedürfen besonderer Genehmigung des Rassenclubs. Vom Genpool eigentlich Nonsens, zumal der Kurzhaar-Collie zu den gefährdeten englischen Hunderassen gehört. Vom Zuchtaufwand her begreiflich, da die Mischlinge in den Stammbäumen auch als solche gekennzeichnet werden müssten und eines besonderen Zuchtprogramms bedürften.

Bild1: Uniformitätsgesetz mit dominantem Gen. Das dominante Kurzhaar-Gen setzt sich durch und es wird ein Wurf mischerbiger Kurzhaar-Collies geben.
In Tabelle 1 ist diese Verpaarung grafisch anders dargestellt,
Bild2: Uniformitätsgesetz mit rezessiven Genen. Die Gene werden gleichmässig auf die Nachkommen verteilt. Es wird einen Wurf CEA-Carrier geben. Alle werden phänotypisch CEA-frei sein, können das CEA weiter geben.

2. Die Spaltungsregel der Erbanlage (Spaltungsregel)

 

Kreuzt man die F1-Bastarde (Tochtergeneration) untereinander, so spaltet sich die Enkelgeneration in einem bestimmten Zahlenverhältnis auf. Dabei treten auch die Merkmale der Elterngeneration wieder auf.

 

Die F1-Bastard Generation wird sich in beiden Fällen aufteilen. Phänotypisch im Verhältnis 3:1. Bei Beispiel 1 75% Kurzhaar und 25% Langhaar und bei Beispiel 2 75% nicht Befallen und 25% Befallene. In Tat und Wahrheit teilt sich die F2 Generation im Verhältnis 1:2:1, dies zeigt sich jedoch nur in der Genotypischen Sichtweise. Es treten homozygote ( KK - ll und nn - bb) und heterozygote Träger (Kl und nb) des Merkmals auf, wobei die Träger phänotypisch nicht aussortiert werden können. Um alle voneinander unterscheiden zu können, gibt es nur zwei Wege, der eine führt über eine Rückkreuzung, der andere über einen Gen-Test. Der aufwendige Weg über die Rückkreuzung ist in der Hundezucht sehr Zeitaufwendig und bedürfte eines überprüften Zuchtprogramms. Denn dabei werden die F2-Kurzhaar Collies mit einem reinerbigen, rezessiven Merkmalsträger der Ausgangsgeneration zurück gekreuzt. Erhält man in der Nachkommenschaft eine Merkmalsaufspaltung im Verhältnis 1:1, dann war der dominante Merkmalsträger heterozygot. Setzt sich in der Nachkommenschaft das dominante Merkmal durch, so war der dominante Merkmalsträger homozygot (siehe Bild 3) .

Das heisst alle Kurzhaar-Hunde aus der F2-Generation müssten mit dem Reinerbigen Langhaar Elternteil zurückgekreuzt werden. Weiter möchte ich die Rückkreuzung im Rahmen dieses Kapitels nicht vertiefen. Es zeigt aber auch dem interessierten Laien, wie aufwendig es ist die reinerbigen Kurzhaar und die mischerbigen Kurzhaar klar zu definieren. Verständlich, dass diese Verpaarungsart in einigen Länder Verboten ist, denn welcher Züchter nimmt diesen aufwendigen Weg auf sich, um in frühestens zwei Jahren zu Wissen, welche Hunde aus der F2-Generation er in seiner weitern Zuchtplanung einsetzen kann. Ohne den entsprechenden Gen-Test ist eine Kurzhaar-Langhaar Verpaarung in den meisten Fällen eine reine Mischlingsproduktion, welche für die seriöse Weiterzucht ungeeignet sind. Aktuell und in der Vergangenheit werden und wurden solche Verpaarungen öfter gemacht, wobei der mischerbige Kurzhaar-Collie nicht als solche definiert wurde. So gibt es viele mischerbige Collies in der Zucht, dies fällt durch das dominante Kurzhaar-Gen in der Verpaarung mit anderen kurzhaarigen Collies nicht auf, doch in Verbindung mit Langhaar-Collies werden sie zur Wundertüte.
Für eine seriöse Kurzhaar-/Langhaarzucht bräuchte es eine spezielle Zuchtbuchführung und ein internationales Zuchtprogramm. Diese Vorgehensweise wird in Zukunft sicherlich nötig sein um den all zu kleinen Gen-Pool des Kurzhaar-Collies zu erweitern. Die Rasse steht ja seit paar Jahren auf der Liste der gefährdeten englischen Hunderassen. Ein grosses Kompliment an alle Züchter, welche sich der Erhaltung dieser tollen Rasse widmen. Sie scheuen diesen grossen Zuchtaufwand nicht, sondern nehmen ihn zum Wohle der Rasse Kurzhaar-Collie auf sich.
Bild 3: Um den genetischen Nachweis ohne Gen-Test zu erhalten braucht es die Rückkreuzung der F2 Generation. Verpaart man die F2-Generation mit einem Langhaar-Collie so zeigt das Ergebnis den genetischen Status den Kurzhaar Collies. Fallen alles Kurzhaar, so ist er reinerbig Kurzhaar, ist im Wurf jedoch ein Langhaar-Welpe so ist der Kurzhaar-Elternteil mischerbig.

Nebenbei ein kleines Absurdum: In einigen Ländern werden Langhaar-Collies aus Kurzhaar/Kurzhaar und Langhaar/Kurzhaar Verbindungen automatisch von der Zucht ausgeschlossen. Auch in der Schweiz, so finden wir im SCC Zucht- und Ausführungsreglement den unter Artikel 35.6 den Passus Zitat: ".Ein aus einer Kurzhaarpaarung gefallener Langhaar-Collie, wird zur Zucht gesprerrt" (Stand 2010). Der Aufmerksame Leser wird jetzt den Kopf schütteln, denn sie sind die einzigen in einem solchen Wurf, die klar homozygot (ll) sind und ohne jede Auflage für die Weiterzucht verwendet werden könnten. Die Kurzhaar-Bastarde bleiben in der Zucht, obwohl keiner ihren genotypischen Status kennt. Ein Beispiel für den Dilettantismus, der teilweise in der Hundezucht vorherrscht.

Bei der rein rezessiven CEA-Vererbung gilt im Grunde genommen das gleiche, ohne Gen-Test können die mischerbigen Träger (nb) und reinerbigen Nichtbefallen Collies (nn) nicht unterschieden werden. Erschwerend bei der CEA kommt noch hinzu, dass sie auch von spezialisierten Augenärzten nur schwer erkant werden kann. Das heisst, durch die recht fehlerhafte phänotypische Auswertung, ist eine Verbesserung der CEA nicht möglich. Aus diesem Grund ist jeder Versuch die CEA effektiv zu bekämpfen in der Vergangenheit fehl geschlagen. Ist eine Gen-Anomalie in einer Rasse bei mehr als 50% der Tiere vorhanden, so bewirken alle Ausschlüssen oder Beschränkungen in Zuchtreglementen den langsamen Tod einer Rasse. Es gibt da nur den Weg, über viele Generationen die Rasse zu verbessern und da ist der erste Schritt durch einen obligatorischen Gentest die Zuchtpopulation zu scannen. Wenn der Züchter klar weis, mit was für Tieren er züchtet, wird sich die Gesundheit der Rasse nachhaltig und langfristig verbessern. In Deutschland wurde dies erfreulicher weise erkannt und man wird sehen, dass nur schon das MDR1-Scanning der Welpen langfristig eine Verbesserung bringen wird, ganz ohne Verbote oder Ausschlüsse.

Bild 4: In der F2-Generation werden die Genpaare im Verhältnis 1-2-1 aufgespaltet. Es gibt wieder Reinerbige Nachkommen entsprechen der Ausgangsgeneration.
Bild 5: Das Ergebnis der F2 Generation zeigt dass es Geotypisch nicht relevant ist ob ein dominantes Gen involviert ist. Das Verhältnis 1-2-1 bleibt unverändert.

3. Die Regel der freien Kombinierbarkeit der Erbanlage (Unabhänigkeitsregel)

 

Kreuzt man zwei Individuen, die sich in mehreren Merkmalen unterscheiden, so werden die einzelnen Erbanlagen unabhängig voneinander vererbt. Diese Erbanlagen können sich neu kombinieren.

 

Treffen bei den F1-Bastarden mehrere Paare gegensätzlicher Erbanlagen zusammen, dann verhalten sich die einzelnen Allele bei der Bildung der Geschlechtszellen unabhängig voneinander. sie werden gemäss dem Zufallprinzip frei kombiniert, so dass in der F2-Generation alle möglichen Kombinationen der Merkmale in bestimmten Zahlenverhältnissen auftreten. Dieser wichtige Grundsatz ist ebenso grundlegend wie die ersten zwei Regeln. Jedes Genpaar wird sich somit unabhängig von den andern weiter verbinden. Dies gibt eine unendlich grosse Diversität innerhalb einer Art. An unseren beiden Beispielen kann man dies anschaulich darstellen. Der Kurzhaar/Langhaar Vererbungsgang läuft unabhängig von CEA-Erbgang ab. Wenn z.b. der Langhaar-Collie im Beispiel 1 reinerbig CEA frei ist (nn) und der Kurzhaar Collie reinerbig CEA befallen (bb) so wird die Vererbung in Kombination der beiden Beispielen ablaufen. Nehmen sie ein Blatt Papier und versuchen sie die beiden Beispiele zu kombinieren, Schritt für Schritt und sie werden sehen wie mannigfaltig die Kombinationen aus nur zwei Gen-Aspekten werden.

Ich möchte diese Unabhängigkeitsregel noch an Hand eines weniger offensichtlichen Vererbungsgang zeigen und mache dazu einen kleinen Ausflug in die Farbgenetik des Collies. Wir betrachten uns den Vererbungsgang eines mischerbigen Sable Collies und eines mischerbigen Sable-Merl Collies.




Der Collie hat 9 Loci (Genorte) welche massgebend für die phänotypische Farbausprägung sind. Davon sind 6 Loci die unverändert bleiben, also bei allen Farbschlägen identisch sind (siehe Farbgenetik beim Collie ) . Veränderlich sind nur folgende Loci:

  • Locus A (Aguti) ( = Dieser Genort beeinflusst die relativen Mengen und die Lokalisation von dunklem (schwarz oder braun) und hellem (gelb oder gelb-braun) Pigment im Haar und im Fell als Ganzem (Cortex oder Medulla des Haares).
  • Locus M (Merle) = Wirkt auf eine gleichförmige Pigmentierung und ein Merle-Muster oder "Flecken".
  • Locus S (Spotting) = Verantwortlich entweder für einförmig gefärbte Felle oder eine Anzahl weisser Flecken.

Um das Beispiel noch etwas zu vereinfachen betrachten wir nur dein Vererbungsgang des Locus A und Locus B. Wenn wir noch den Locus S dazu nehmen würden, wäre die Darstellung mit der grafischen Auflösung unserer Webseite zu unübersichtlich.

 
Bild 6: Nimmt man die Mendel'sche Vererbungslehre zu Hilfe, zeigt es sich, dass es für den Ausschluss des Collies mit den Farbschlag Sable-Merle keine genetischen Grund gibt. Es sind rein phänotypische Gründe, welche zu diesem Ausschluss führten. Aus der Sicht des Gen-Pools und somit der Gesundheit der Rasse absolut kontraproduktiv .
   

Aus aktuellem Grund (Stand 2010) ist der Locus S natürlich auch interessant, ich habe ihn deshalb als zweites Beispiel anhand einer Verpaarung zwischen mischerbigen Sable mit Weissfaktor und mischerbiger Sable ohne Weissfaktor angefügt. Wenn sie in grosses Blatt Papier nehmen, können sie als Übung auch diese beiden Beispiele auch kombinieren.



Der aktuelle Grund für dieses Beispiel ist das auftauchen eines Eintrags in die Papiere eines Schweizer Zuchtrüden. Da kann man Schwarz auf Weiss lesen, dass dieser den Weissfaktor Dominant vererbt. Eine genetisch mutierte Wunder-Spezies, der Locus S wird plötzlich dominant, auf der ganzen Welt ist er rezessiv, aber nicht in der Schweiz. Es ist ein Beispiel, wie teilweise einzelne "Experten" das Sagen haben, welche anscheinend die grundlegendsten, genetischen Grundgesetzte nicht verstanden haben. Denn durch solche Falschbewertung werden die Angaben auf Zuchtpapieren wertlos oder zumindest fraglich. Für den weiteren Zuchteinsatz dieses Rüden hiesse das, dass jeder Welp der F1-Generation automatisch den Weissfaktor haben müsste. Erst die F2-Generation könnte dann wieder Weissfaktor Freie Welpen hervorbringen. Absoluter Nonsens, was die Nachfahren dieses Rüden auch schon phänotypisch bewiesen haben. Mendel würde sich wohl im Grabe umdrehen, wenn er mit bekäme was da "Hobby-Genetiker" aus seiner Lehre machen. Wo bleibt da die Reaktion des Schweizerischen Collie Club's? Seine Zucht- und vor allem die Gesundheitskommission werden da bestimmt so viel Grundlagenwissen besitzt, um sich einem solchen Eintrag zu widersetzen. Wir werden sehen.. (Stand März 2010)

 
Bild 7: Wie aus dieser Darstellung ersichtlich ist, gehört durch die riesige genetische Durchmischung, der Weissfaktor zur Rasse Collie. Seit Anbeginn der Collie-Zucht wird mit dem Weissfaktor gezüchtet und er ist nicht mehr wegzudenken. Trotzdem gibt es immer noch "Experten" welche ihn, mit einer rein phänotypischen Sichtweise, ausmerzen wollen. :-)

Was verdanken wir Mendel?

  • Er hat die Begriffe dominant und rezessiv geprägt
    Das dominante Gen zeigt sich phänotypisch in jeder Generation, das rezessive Gen erst in der zweiten Generation, wenn es Reinerbig (homozygot) wird.
  • Er hat Gesetzmässigkeiten bei der Vererbung unabhängiger Merkmale erkannt.
    Unterschiedliche Merkmale vererben sich unabhängig, jedes Merkmal durchläuft einen separaten Vererbungsgang.
  • Er hat die Vorarbeit für die Begriffsbildung des Phänotyp und Genotyp geleistet.
    Phänotyp - sind alle beobachtbaren Merkmale eines Individuums
    Genotyp - die Summe aller genetischen Information eines Individuums.
   

Achtung! Was ist problematisch am Mendelschen Gesetz?

 
  • Die reine Mendel'sche Form der Vererbung kommt sehr selten vor.
  • Der Vererbungsvorgang ist meist komplexer, wird dann gerne von Laien zu stark vereinfacht und führt zu falschen Schlüssen.
  • Die prozentualen Anteile der Auswertungen bei Vererbungsverläufen stimmen erst wenn man eine grössere Population betrachtet. Sie können sich bei der Betrachtung von einzelnen Würfen stark unterscheiden.
   
Video You Tube: Mendel Teil 1 - Teil 2  

Der Einfluss Mendel's in der Linienzucht

Bei der Umsetzung unserer Zuchtplanung, müssen wir diese mendelschen Regeln bei jeder Wurfplanung beachten. Es ist natürlich nicht möglich, die Regeln 1:1 umzusetzen. Es gab zwar solche Versuche um möglichst schnell, mit geringstem Aufwand, Champions zu züchten. Die meisten dieser "Championzüchter" sind heute ehemalige Züchter, da diese Strategie auch der sicherste Weg ist, eine Zuchtlinie zu ruinieren. Mendel anwenden, heisst sehr vorausschauend zu planen. Schon die Verpaarung für die F1 Generation wird ausschlaggebend sein, ob ich in der F3-Generation noch erfolgreich auf meine Zuchtlinie zurückkreuzen kann. Dazu kommt, dass die F2 Generation natürlich auch immer eine neue F1-Generation ist (siehe Bild). Um die Gesundheit und Vitalität einer Zuchtlinie zu erhalten muss ich auch immer den Inzuchtfaktor beachten. Als Richtwert für einen akzeptablen durchschnittlichen Inzuchtfaktor (COI) für eine Population gelten 6% über 6 Generationen gerechnet.

Teil Analyse von Fattucciera Nera Di Cambinao

Um die mendelschen Regeln in Verbindung mit den Inzuchtfaktor (COI) an einem realen Beispiel zu zeigen, veröffentlichen wir einen kleinen Ausschnitt, aus der Analyse welche wir bei "Kiki" (Fattucciera Nera Di Cambinao) gemacht haben. Es gibt einen kleinen Einblick in die hohe Schule der Hundezucht, welche es Maria Teresa Garabelli ermöglicht, dass ihre Cambiano Collies über Jahrzehnte zur Weltspitze gehören. Als erstes betrachten wir das 5 Generationen-Pedigree von "Kiki", um uns eine Gesamtübersicht zu verschaffen:

Parents

GrandParents

G-GrandParents

G-G-GParents

G-G-G-GParents

Jumbojet Nero Di Cambiano
(Sire)
Amalie Black On Top With Cambiano
Erjon Eyecatcher

CH Lynway Sandknocker
CH Myberns Mandane
Arranbrook Cleopatra At Lynway
Sylcroft Satin Doll
CH Brettonpark Country Tweed
Sylcroft Santa Fay
Blossoms Black At Amalie

CH Percheron Benjamin Black At Amalie
Myberns Mahogany
Percheron Cover Girl
Warjar Hollyberry At Amalie
CH Pelido Double Fantasy
Warjar Diamond Dream
Bluebreeze Di Cambiano
CH Lord Blue Blue Night

CH Dornbrae Misty Blue
Danvis Ladyvale Blue Mist
Danvis Sangreat Sarah May
Franziska Black Blue Night
Irving Nero Di Cambiano
Asta Blue Blue Night
I Can't Stand Black Di Cambiano

Incredibly Silver Di Cambiano
Heavenly Blu Di Cambiano
Assassin Blu Di Cambiano
Amore Mio Blu Di Cambiano
CH Top Tricolor Di Cambiano
Kick In The Blue Di Cambiano
CH Quinta Da Inka Di Cambiano
(Dam)
CH Lord Blue Blue Night
CH Dornbrae Misty Blue
Danvis Ladyvale Blue Mist
Danvis Jefsfire Johnny Walker
Sea Dreamer
Danvis Sangreat Sarah May
CH Sangreat Salvador
Sangreat Sheer Elegance
Franziska Black Blue Night

Irving Nero Di Cambiano
Lumbee Fulvio Di Cambiano
Loch Ghlinne Fulva Di Cambiano
Asta Blue Blue Night
Blue King Vom Onkenhof
Black Dolly Of Ledapark
Kick In The Black Di Cambiano
Amalie Out Of The Blues Di Cambiano
CH Tameila Gordon Bennet
Upperton Blue Brand
Tameila Blue Charm
Linamac Forget Me Not At Amalie
CH Percheron Benjamin Black At Amalie
Pipersette English Rose At Linamac
Kick In The Blue Di Cambiano

CH Incredibly Blu Di Cambiano
CH Lupupick Blu Di Cambiano
CH Grimhaven Blue Opal
New Moon Nera Di Cambiano
Mercurio Nero Di Cambiano
Ciraveen Snow Belle
Tabelle 3: Das 5 Generationen Pedigree von Fattucciera Nera Di Cambinao (Kiki) (Link: Collie-Online Pedigriee von Kiki)

So eine Ahnentafel über 5 Generationen ist das Minimum, um sich eine Überblick zu verschaffen. Oft hat man nur 3 Generationen-Tafeln zu Hand, da helfen Online Datenbanken weiter, eine sehr umfangreiche finden wir auf www.Collie-Online.com . Will man sich eine eigene Datenbank aufbauen so ist das Programm "wincanis pedigree" als Freeware im Internet erhältlich. Ein weiteres Hilfsmittel ist die Ahnentafel, hier werden alle ahnen aufgeführt. Sie zeigt die Ahnen, wie oft sie vorkommen und in welcher Generation sie erscheinen. Nachfolgend einen kleinen Ausschnitt er die ersten 4 Generationen von Kiki zeigt (Link zur vollständige 10-Generationentabelle) Wie wenig man aus einer 3 Generationen-Tafeln lesen kann, zeigt folgender Ausschnitt der Ahnentabelle:

 
Generation
   
Namen
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10

Total
Anzahl

Genetische
Anteile %
JUMBOJET NERO DI CAMBIANO
1
0
0
0
0
0
0
0
0
0
1
50.00%
QUINTA DA INKA DI CAMBIANO
1
0
0
0
0
0
0
0
0
0
1
50.00%
MALIE BLACK ON TOP WITH CAMBIANO
0
1
0
0
0
0
0
0
0
0
1
25.00%
BLUEBREEZE DI CAMBIANO
0
1
0
0
0
0
0
0
0
0
1
25.00%
LORD BLUE BLUE NIGHT
0
1
1
0
0
0
0
0
0
0
2
37.50%
KICK IN THE BLACK DI CAMBIANO
0
1
0
0
0
0
0
0
0
0
1
25.00%
ERJON EYECATCHER
0
0
1
0
0
0
0
0
0
0
1
12.50%
BLOSSOMS BLACK AT AMALIE
0
0
1
0
0
0
0
0
0
0
1
12.50%
I CAN'T STAND BLACK DI CAMBIANO
0
0
1
0
0
0
0
0
0
0
1
12.50%
DORNBRAE MISTY BLUE
0
0
1
1
0
1
0
0
0
0
3
20.31%
FRANZISKA BLACK BLUE NIGHT
0
0
1
1
0
0
0
0
0
0
2
18.75%
AMALIE OUT OF THE BLUES DI CAMBIANO
0
0
1
0
0
0
0
0
0
0
1
12.50%
KICK IN THE BLUE DI CAMBIANO
0
0
1
0
1
0
0
0
0
0
2
15.63%
LYNWAY SANDKNOCKER
0
0
0
1
0
0
0
0
0
0
1
6.25%
SYLCROFT SATIN DOLL
0
0
0
1
0
0
0
0
0
0
1
6.25%
PERCHERON BENJAMIN BLACK AT AMALIE
0
0
0
1
1
0
0
0
0
0
2
9.38%
WARJAR HOLLYBERRY AT AMALIE
0
0
0
1
0
0
0
0
0
0
1
6.25%
INCREDIBLY SILVER DI CAMBIANO
0
0
0
1
0
0
0
0
0
0
1
6.25%
AMORE MIO BLU DI CAMBIANO
0
0
0
1
0
0
0
0
0
0
1
6.25%
DANVIS LADYVALE BLUE MIST
0
0
0
1
1
0
2
1
2
2
9
11.91%
DANVIS SANGREAT SARAH MAY
0
0
0
1
1
0
1
0
0
0
3
10.16%
IRVING NERO DI CAMBIANO
0
0
0
1
1
1
1
0
0
0
4
11.72%
ASTA BLUE BLUE NIGHT
0
0
0
1
1
0
1
0
0
0
3
10.16%
TAMEILA GORDON BENNET
0
0
0
1
0
0
0
0
0
0
1
6.25%
LINAMAC FORGET ME NOT AT AMALIE
0
0
0
1
0
0
0
0
0
0
1
6.25%
INCREDIBLY BLU DI CAMBIANO
0
0
0
1
0
2
2
0
0
0
5
10.94%
NEW MOON NERA DI CAMBIANO
0
0
0
1
0
2
1
2
2
0
8
11.33%
Tabelle 4: Ahnen der Ersten 4 Generationen von Fattucciera Nera Di Cambinao
Die Ahnentabelle gibt einen Interessanten Überblick über die Wurzeln aus welchen ein Hund entstanden ist. Er zeigt uns auf den ersten Blick, wo die Schwerpunke der Zuchtstrategie liegen, welche einem Hund zu Grunde liegen. Bezogen auf "Kiki" sind dies folgende Ahnen:

 

Anzahl Zucht-einsätz
in
10
Genera-
tionen
Vater:
Jumbojet Nero Di Cambiano
Mutter:
CH Quinta Da Inka Di Cambiano
Anzahl
Genera-tionen
in welchen
der Hund
vorkommt
Grossvater:
Amalie Black On Top With Cambiano
Grossmutter:
Bluebreeze Di Cambiano
Grossvater:
CH Lord Blue Blue Night
Grossmutter:
Kick In The Black Di Cambiano
LORD BLUE BLUE NIGHT
2
 
X
X
2
DORNBRAE MISTY BLUE
3
 
XX
X
3
FRANZISKA BLACK BLUE NIGHT
2
 
X
X
2
KICK IN THE BLUE DI CAMBIANO
2
 
X
X
2
PERCHERON BENJAMIN BLACK AT AMALIE
2
X
X
2
DANVIS LADYVALE BLUE MIST
9
 
XXXXXX
X
X
6
DANVIS SANGREAT SARAH MAY
3
 
XX
X
3
IRVING NERO DI CAMBIANO
4
 
XXX
X
4
ASTA BLUE BLUE NIGHT
3
 
XX
X
3
INCREDIBLY BLU DI CAMBIANO
5
 
XXX
XX
3
NEW MOON NERA DI CAMBIANO
8
 
XXXXX
XXX
5
 
1
25
7
8
Ahnenverlust Grosseltern
20.97 %
17.74 %
9.68 %
11.29 %
Ahnenverlust Eltern
4.84 %
4.84 %
Tabelle 5: Die Tabelle zeigt, welche Vorfahren, bezogen auf die letzten 10 Generationen, den stärksten genetischen Einfluss,
auf Kiki's Grundgenetikmuster hatten.
Der nächste Schritt ist das erstellen eines Funktionsdiagramm, wie wir es der EDV (z.B. bei der Planung von Netzwerke oder Datenbanken) oder im Projektmanagement (z.B. Webseiten) oft als Planungsgrundlage verwendet über Jahre verwendet haben. Im Rahmen dieses Beitrags werden wir nur einen Bruchteil der Auswertungen anschauen, welche wir aus dem Funktionsdiagramm holen, da es ansonsten zu unübersichtlich wird. Sie erhalten jedoch einen Einblick in die Zuchtplanung in Hinblick auf die Mendelschen Gesetze.
Bild 8: Funktionsdiagramm für Fattucciera Nera Di Cambiano, es dient dazu, eine Übersicht der Linienzucht zu erhalten.
Es umfasst einen Zeitraum von über 30 Jahre erfolgreicher Zuchtarbeit.
Aus dem Funktionsdiagramm kann man ersehen, dass die Ahnen von Kiki (Fattucciera Nera Di Cambiano) in drei, ich nenne sie Zuchtkreise, einteilen werden können. Die Ausgangsverpaarung "CH Silver Dag Vom Holderfield" und "New Moon Nera Di Cambiano" ist eine klassische Verpaarung welche in den 70er Jahre oft gemacht wurde. Sie beruht, wie damals viele Zuchtplanungen, auf einer starken Rüdenlinie. "Silver Dag" hatte eine Cambiano Vater und "New Moon Nera" stammt aus einer Stammlinie welche seit den Anfängen der Cambiano Zucht immer wieder erfolgreiche Collies hervorbrachte. Aus dieser Verpaarung wurde der Rüde CH Lupupick Blu Di Cambiano (12.1.1979) geboren. Die F1 -Generation in diesem Falle "Lupupick Blu", ist somit eine Mischung aus zwei Eltern, mit Cambiano Ahnen, dadurch wir die wird die Linie gefestigt, der Inzuchtfaktor (COI) steigt jedoch an. Für die F2 Generation wählte dann Teresa für "Lupupick Blu" die Hündin CH Grimhaven Blue Opal (12.09.1979) aus. Vom Stammbaum aus gesehen, eine weitere Auskreuzung, diese wird notwendig um die Gesundheit zu erhalten und den COI wieder auf die angestrebten 6% zu senken. Dies ist die hohe
Blu-Blu, der grandiose Blumerle-Rüde aus der Cambinao Zucht: Incredibly Blu di Cambiano
Int GB It Ch Incredibly Blu di Cambiano - Blu-Blu
(Born: 17.12.1980)
Bild 9: Zuchtkreis 1: Für die F3-Generation wird "Incredibily Blu" mit "New Moon Nera", seiner Grossmutter, gekreuzt, eine Versärkung der Zuchtlinie. Die Folge, ein hoher COI von 17.8%.
Bild 10: Int It Swiss Ch Lupupick Blu Di Cambiano, er war auch Jugen-Weltsieger mit Res.BOB, Der Vater von Blu-Blu (Born: 12.01.1979)
Kunst der Hundezucht, mit "Blue Opal" wurde eine Hündin eingekreuzt, welche phänotypisch absolut zum Cambiano-Typus passte. Jahrelange Zuchterfahrung und ein Auge welches einen Collie absolut beurteilen kann und eine schonungslose Ehrlichkeit, das sind die Fähigkeiten welche es für solche Geniestreiche braucht. Wenn wir als "Normalos" noch total begeistert von einem Collie sind, zählt uns Teresa auf, was man an ihm verbessern muss und holt uns knallhart wieder auf den Boden der Realität. Aus dieser genialen Verpaarung entstand die Collie-Legende "Incredibly Blu di Cambiano". Er wurde in einer Zeit englischer Champion, als die Insel für nicht englische Hunde noch praktisch hermetisch abgeschlossen war. Seine Ahnen findet man in vielen erfolgreichen Collie-Zuchtlinen. Bevor er seine lange Reise nach England, dann nach Schweden und als "gesetzter Herr" wieder zurück zu Teresa antrat, setzte ihn Teresa in der eigenen Zucht ein. Unter anderem wurde er mit seiner Grossmutter "New Moon" zurück verpaart. Aus dieser Verpaarung entstand Kiki's (Fattucciera nera di Cambiano) Ur-Ur-Grossmutter "Kick In The Blue Di Cambiano". Sie bildet den Abschluss des ersten Zuchtkreises und den Beginn des zweiten und dritten Zuchtkreises.
Den Zuchtkreis 2 werde ich im Rahmen dieser Ausführungen nur streifen, da er sonst den Rahmen dieses Beispieles sprengen würde. Er zeigt wie massgebliche "Incredibly Blu di Cambiano" am Erfolg der jüngeren Generation der Cambiano-Collies beteiligt ist. Durch eine geschickte weitsichtige Zuchtstrategie, verknüpfte Teresa seine Gene über drei Zuchtlinien wieder zusammen. "Amore Mio Blu Di Cambiano" (COI = 11.24649%) ist als Tochter von "Kick In The Blue Di Cambiano" (COI = 17.78297%) und Mutter von "I Can't Stand Black Di Cambiano" (COI = 10.72006%) das Bindeglied der drei Zuchtkreise. Die hier gezeigte vorgehensweise zeigt eine Linienzucht mit hohen aber noch vertretbaren Inzuchtfaktoren um die 10%. Was für die damalige Zeit sehr Fortschrittlich war und die Faktoren Gesundheit, Wesen und Schönheit gleichermassen berücksichtigt. Die Vitalität der heutigen Cambiano-Collies hat ihren Ursprung in dieser weitsichtigen Zuchtweise. Dieser Zuchtkreis zeigt auch wie viele Zuchthunde es auch bei sehr enger Linienzucht braucht, will man nicht die Gesundheit und das Wesen einer Zuchtlinie auf's Spiel setzen. Dies sollten sich alle "Gesundheits-Hartliner" vor Augen halten, welche meinen, man könne ein genetisches
Bild 11: CH. Grimhaven Blue Opal, die Mutter von Blu-Blu (Born:12.09.1979)
Bild 12: Zuchtkreis 2: Von "Incredibily Blu" werden zwei Zuchtlinien aufgebaut. Die obere führt in der 4 Generationen, die untere über 3 Generationen zu "I Cant Stand Black". "Amore Mio Blu Di Cambiano" bildet das Bindeglied der drei Zuchtkreise.
Bild 13: CH Lord Blue Blue Night (1985 - 1998)
Problem innert weniger Generationen in den Griff bekommen. Auf dem Papier sieht das immer sehr einfach aus, die Realität ist aber viel komplexer, will man die genetische Vielfalt und somit die Gesundheit erhalten.
Der dritte Zuchtkreis zeigt, wie sich die Linienzucht über die letzten Jahre entwickelt hat. Weg von der engen Linienzucht, hin zu einer Linienzucht mit einem Inzuchtfaktor um die 10%. Dies bedingt eine viel aufwendigere und länger dauernde Zuchtstrategie . Der Ausgangspunkt ist "Kick In The Blue Di Cambiano" (COI = 17.78297%). "Amore Mio Blu Di Cambiano" (COI = 11.24649%) ist ihre Tochter welche die drei Zuchtkreise zusammenführt. Sie ist auch die erste Hündin im linksläufigen Halbzuchtkreis. Rechtsläufig ist die Hündin "Kick In The Black Di Cambiano" (COI = 4.27856%) die erste Hündin, über sie führt auch die direkte Linien über "CH Quinta Da Inka Di Cambiano" (COI = 2.16935%) zu "CH Fattucchiera Nera Di Cambiano" (COI = 9.57127%). "Kick In The Blue" ist eine F1-Generation des ersten und "Amore Mio Blu" des zweiten Zuchtkreises. Beides eigentlich Mischgenerationen welche aber beide auf "Incredibly Blu" zurück gehen. Durch diese Fokussierung auf einen Ahne und die grosse züchterische Erfahrung war dies problemlos machbar. Interessant ist auch die Einkreuzung von "CH Lord Blue Blue Night" (Koch, Schweiz), dieser wurde in beide Halbkreise eingekreuzt, und bildete einen eigenen kleinen Zuchtkreis innerhalb desdritten Zuchtkreises. Er bekommt so eine sehr zentrale Stellung und es spricht natürlich für seine Qualitäten, das Teresa einem Fremdrüden eine so zentrale Position gab. Der Schweizer Collie-Rüde "CH Lord Blue Blue Night" senkte auch den Inzuchtfaktor innerhalb dieses Zuchtkreises, obwohl sein Grossvater Irving Nero Di Cambiano aus dem Cambiano-Zwinger kam. Weiter waren
die Collies von Hr. Koch für ihr gutes Wesen und ihren Arbeitswillen bekannt. Beides Eigenschaften welche bei erhöhter Inzucht schnell leiden. Wie sehr Teresa Lord schätze zeigt ihr Nachruf, welche sie für ihn, im "The International Collie-Handbook 1998" veröffentlichte (Seite 320):
 
"Lord" left us this summer, as a true gentleman as he was during his life. A lovely dog, a wonderful companion, a big favourite even if we try not have favourites.
But "Lord" was a very special dog.
 
Ein weiters Beispiel, mit welcher Achtung Teresa auch nach Jahrzehnten erfolgreicher Colliezucht ihren Collies begegnet. Es zeigt auch, wie eine noch so grosse Zucht, nicht ohne das zusammenarbeiten mit andere Zwinger Erfolg haben kann. Die Zusammenarbeit unter Züchtern ist
Die grossartige Cambiano Blumerle Hündin: Quinta Da Inka Di Cambiano
Bild 14: CH Quinta Da Inka Di Cambiano
Die grossen Cambiano Wurfgeschwiester alle drei sind Champions
Bild 15: Die grossen Drei: Kiki mit ihren Wurf-Geschwister,
Fior di Loto Blu (inks) und Fiordaliso Blu (mitte).
Alle Drei sind Internationale Schönheits Champions
unabdingbar, will man langfristig Erfolg haben. "Lord's" letzte Tochter war "CH Quinta Da Inka Di Cambiano", ein Temperamentbündel wie es im Buche steht, wir durften sie in den letzten Lebensjahren noch kennen lernen. Sie wurde 13 Jahre alt und behielt ihr Temperament praktisch bis zuletzt. Sie wies durch eine geschickte Verpaarung, auch nur noch einen COI von 2.2% auf. Dies obwohl "Lord Blue" Cambiano Vorfahren hatte. Ein echter züchterischer Kunstgriff, der zeigt, warum Teresa schon seit über 50 Jahre erfolgreiche Collies züchtet und auch heute noch absolute Weltspitze ist. Die F1-Hündin "Quinta Da Inka" wurde dann auch Multichampion und Vice-Weltsieger. Sie gab ihre Qualitäten auch ihren Nachkommen weiter. Aus ihrem F-Wurf, gab es drei Muli-Champions: " Fior Di Loto Blu D i Cambiano", "Fiordalico Blu Di Cambiano" und "Fattuccira Nera Di Cambiano". Die Drei gaben dann auch alle das Incredibly Blut ihren Nachkommen erfolgreich weiter. Wir sind Dankbar, eine Hündin wie "Fattucciera Nera Di Cambiano" als Stammhündin zu haben. So wurde aus der "Schwarzen Hexe von Cambiano" die Königin der Yven-Collies.
Bild 16: Zuchtkreis 3: "Kick in The Blue" verbindet die drei Zuchtkreise. Lord Blue Blue Night wirs sowohl in den rechten wie auch in den linken Halbkreis eingekreuzt. Geschlossen wird mit Fattucciera Nera, der linke Halbkreis nach 4 Generationen der rechte nach 3 Genratioen.

Kiki ist von der Mutterseite (rechter Halbkreis) aus gesehen eine F2 Hündin, vom der Vaterseite (linker Halbkreis) aus, jedoch eine F1 Hündin. Was bedeute das in Hinblick der mendelschen Regel?

Vaterseite: F1 Generation

  • Die Spaltungsregel der Erbanlage (Spaltungsregel)
  • Mischgeneration aus
  • Eltern:
    Bluebreeze Di Cambiano - Amalie Black On Top With Cambiano

Mutterseite: F2 Generation

  • Die Uniformitäts- oder Gleichheitsregel (Uniformitätsregel)
  • Trennung in reine Typen der Ursprungsgeneration
  • Eltern
    Lord Blue Blue Night - Kick In The Black Di Cambiano
  • Grosseltern:
    Kick in the Black: Amalie Out Of The Blues Di Cambiano - Kick In The Blue Di Cambiano
    Lord Blue Blue Night: Dornbrae Misty Blue - Franziska Black Blue Night

Die Überlegungen für unsere Weiterzucht

Bei der Mischgeneration (F1) wählt man den Welpen zur Weiterzucht aus, welcher am meisten Eigenschaften der gewünschten Linie in sich trägt. Das Augenmerk richtet sich da vor allem auf die Elterntiere. Bei der F2 Generation sind dann die Grosseltern verstärkt zu beachten, denn wir haben in dieser Generation die Unformitätsregel welche zur Anwendung kommt. Es wird also in der Generation wieder Collies geben, welche der ursprünglichen Zuchtlinie entsprechen. Diese gilt es nun herauszupflücken und für die Weiterzucht zu verwenden. Aus diesem Grund muss man die Ahnen sehr genau kennen, es gilt in den ersten 10 Lebenswochen der Welpen den richtigen Welpen auszusuchen welcher die meisten phänotypischen Eigenschaften der eigenen Zuchtlinie zeigt. Ein recht schwieriges Unterfangen, da man eine gesamtheitliche Sichtweise unabdingbar ist und man die Vorfahren sehr genau kennen muss. Wird nun nur nach einzelnen Kriterien selektioniert, so verliert man sehr schnell den Gesamtüberblick und so seine Zuchtlinie. Bezogen auf den
Bild 17: Die wichtigsten Ahnen für die YVEN-Collie Zucht
Collie heisst das, dass wenn ich den schnellen Erfolg in Hinblick auf MDR1 oder CEA suche werde ich mit grosser Wahrscheinlichkeit meine Zuchtlinie verlieren. Es braucht dann wieder Generationen sie auch nur einigermassen zurückzuholen. Das war auch die der Grund, warum uns Teresa eindringlich warnte, nur noch den Blick auf die CEA zu richten. Wir versuchen als erstes die Zuchtlinie von Kiki uf eine möglichst breite Basis zu stellen. Kiki's Tochter Morgana hilft uns da natürlich sehr, es ideal dass wir zwei Hündinnen aus dieser Line haben welche mit dem grossen züchterischen Wissen von Teresa Garabelli gezüchtet wurden. Die breite Basis der ersten Generationen musste einen ersten Schritt unserer langfristigen Zuchtplanung sein und einem möglichst kleinen Inzuchtfaktor haben um unsere Zuchtkreise mit einem tiefen Inzuchtfaktor beginnen zu können. Aus der Grafik von Bild 19 kann man die geringen Inzuchtfaktoren (COI) unserer ersten Würfe ersehen. Wie wichtig das ist zeigt eine Aufstellung von drei Rückzüchtungsmöglichkeiten:
  • Verpaarung A - E: 6-Generation COI = 7.21931% - 10-Generation COI = 13.33286%
  • Verpaarung E - G: 6-Generation COI = 6.9355% - 10-Generation COI = 9.28562%
  • Verpaarung B - C: 6-Generation COI = 19.36035% - 10-Generation COI = 24.24591%

 

Bein den Würfen B und C wurde derselbe Rüde verwendet, dies macht eine Rückkreuzung dieser Nachkommen unmöglich, wir hätten einen Inzuchtfaktor von über 20%. Dies zeigt die Sinnlosigkeit der "Super-Deckrüden", sie führen eine Zucht meist in eine Sackgasse. Man verliert die F2-Generation und muss die eigene Linie mit grossem züchterischem Aufwand, über viele Generationen zurückholen. Es kommt somit nicht nur auf den COI der F1-Generation an, sondern die F1-Generation muss in Hinblick auf die F2-Generation geplant werden. Bei uns Vergeht praktisch kein Tag, ohne dass wir uns Gedanken über unseren weitern züchterischen Weg machen. Gedanklich sind wir oft schon Generationen voraus und die möglichen Rüden zum Einkreuzen werden in einem laufenden Prozess gesucht. So haben wir bereits Rüden im Auge für die F2-Generation der E's und G's. "Lass die Welpen doch zuerst auf die Welt kommen", entgegnete mir Yvonne schon öfter, wenn ich schon begann, Pedigriee-Daten einer möglichen F2-Generation des zu erwatenden Wurfes in unsere Datenbank eingab. Es stehen auch immer einige Rüden unter Beobachtung. Dank dem Internet ist das ja heute praktisch Weitweit möglich. Mit jeder solchen Analyse, lernt man aus der Zuchtarbeit anderer Züchter immer dazu, sowohl Negativ wie auch Positiv. Wir müssen für die F1 Generation und vor allem für die F2 Generation einen Rüden finden, der
Verpaarung des F-Wurf's: Sir Unkas vom Brüggener-Land und Queen's Verity Black
Bei unserm F-Wurf konnten wir zwei Collies einsetzen, welche vom Typus und ihrer genetischen Struktur nicht direkt unserer Linie entsprechen, jedoch Qualitäten mitbringen, welche uns langfristig helfen, unser Zuchtlinie mit einem geringen Inzuchtfaktor zu verbessern. Die F's sind ideal um eine weitere F1-Generation unserer Zuchtline zu eröffnen.
Bild 19: Das Fundament der Yven-Collies, Die ersten Verpaarungen hatten zum Ziel, eine möglichst breite Basis mit kleinem Inzuchtfaktor zu verwirklichen. Jedoch immer im Hinblick auf die F2-Generation um die Rückkreuzungsmöglichkeiten zu erhalten. Wir hoffen, dass wir, durch "Caprice Noire des Champs de Pierres" aus der Zucht von Mayoraz Patricia, die Gene von unserem unvergessenen "Grand Garçon Blu Di Cambiano" in unser Zucht integrieren können.
dem gewünschten Grundtypus, recht nahe kommt, ohne dass er all zu nahe verwandt ist. Ansonsten kann man die F3 Generation nicht mehr auf Linie zurückkreuzen, ohne dass der Inzuchtfaktor nicht in die Höhe schnellt. Aus diesem Grund sind wir überzeugt, dass es notwendig sein wird, noch viele Generationen mit MDR -/- (Befall ca: 50%) und CEA (Befall ca: 90%) befallenen Collies zu züchten. Zwei Gen-Paare dürfen uns nicht verlocken die restlichen 19000 Gene zu vergessen. Je stabilere eine Zuchtlinie gezüchtet ist, umso leichter fällt es, Verbesserungen in Hinblick auf die beiden Problematiken in der Colliezucht zu erreichen. Wir werden dies aber nicht mit drei vier Generationen schaffen, sondern brauchen da viel mehr Zeit und Züchter welche eng zusammenarbeiten. Neid, Missgunst oder das Totschweigen von Problemen helfen da wenig, jeder Züchter muss bereit sein, langfristig den steinigen Weg der Verbesserung der Rasse zu gehen. "Den Ball immer schön tief halten, aber in die richtige Richtung spielen" sollte das Motto sein.

Schlussbetrachtung

Wie wir in den obigen Beispielen gesehen haben, ist er Grundsatz der Vererbung relativ einfach. Auf die Zucht bezogen zeigt sie jedoch auch die Komplexität welche moderne Hundezucht in sich birgt. Die 19300 caninen Gene, welche an diese Erbgänge beteiligt sind, zeigen uns die Fülle von Varianten die da von Natur bereitgestellt wurden. Betrachten man da das einzelne Individuum, so wird man für jedes eine Begründung für einen Zuchtausschluss oder zumindest für eine Paarungsvorschrift finden. Diese Einschränkungen basieren meist auf den Allele von zwei Genen. Das sind 0.0001% aller Gene, diese Zahl sollte man sich in Erinnerung rufen, wenn man sich Zuchtrestriktionen überlegt. 99.9999% der Gene, dieser ausgeschlossenen Hunde, würden dem Erhalt der genetischen Vielfalt einer Rasse dienen. Die genetische Vielfalt ist die Grundlage für Gesundheit und Vitalität einer Rasse. Nehmen sie sich die Zeit und schauen sie ein Zuchtreglement unter diesem Aspekt an (Beispiel: Das ZAR und AWR zum Ausdrucken . Seite 4-15). Sie werden eine reine phänotypische Sichtweise vorfinden. Anstelle von genetischer Varianz, wird Uniformität gefördert. Die meisten Restriktionen, welche da im Namen der "Rassenreinheit und ihrer Gesundhaltung" festgehalten sind, entspringen einem eher bedenklichen nazistischen Gedankengut, welches in der jüngeren Menschheitsgeschichte schon sehr viele Leid verursachte. Eine moderne, genotypische Sichtweise werden sie höchstens in Ansätzen finden. Im Gegenteil, würde man zum Beispiel die genetischen Ergebnisse, als Grundlage für die Beurteilung der CEA heranziehen, wäre eine vernünftige Collie-Zucht, gemäss diesem Reglement, in der Schweiz, nicht mehr möglich. Da klingt der Art. 1.1 in diesem Zuchtreglement wie blanker Hohn:

Ziel ist die Reinzucht des standardgemässen Typus des Lang- und Kurzhaar-Collies. Angestrebt wird dabei die Erhaltung und Verbesserung der Qualität von Wesen und Gesundheit. Das Wohl der Rasse und der Hunde soll für jeden Züchter und den SCC Priorität haben.

Erste Ansätze zur Verbesserung der Zucht sind, wenn auch etwas zaghaft, ersichtlich. Weltweit macht man sich immer mehr Gedanken über die Wichtigkeit der genetischen Varianz, es finden Diskussionen statt über eine leichte Öffnung der Zuchtbücher, rein phänotyische Ausschlüsse, welche nur der dem Schönheitsgedanken dienen, werden korrigiert oder aufgehoben. Man kann dies beim grossen englischen Kennelklub bis runter zu den Rasseklubs spüren. Dieses Umdenken stimmt uns optimistisch, dass die grossen Fehler welche unter dem Namen "Champion-Zucht" gemacht wurden, durch eine weitsichtige Zuchtstrategie der Zuchtverantwortlichen korrigiert werden kann. So ist auch die Bewilligung einer Langhaar/Kurzhaar Verpaarung durch den SCC sicher ein Schritt in die richtige Richtung, mit entsprechender Begleitung des Rasseklubs und der Eingliederung von Hunden aus solchen Verpaarungen in die Zucht, gibt es eine Win-Win Situation, der Genpool für beide Rassen wird vergrössert und so die Grundlagen für Gesundheit und Wesen. Gratulation zum mutigen Schritt an die Zuchtkommission des SCC. Lasst euch nicht durch Schmährufe von "ewig Gestrigen Experten" entmutigen, die beiden Rassen werden es euch auf Dauer danken. Die Vererbungslehre zeigt uns, dass der Zuchtgrundsatz "man muss in Generationen denken" nach Taten schreit und nicht als plakativer Ausspruch an Züchterversammlungen missbraucht werden darf. Die Zukunft einer Rasse hängt vom Wissen eines jeden einzelnen Züchters ab und nicht von Reglementen. Mendel bescherte uns da die Grundlage, für eine verantwortungsvolle Zucht und seine Regeln sollten jedem Züchter dazu als Grundlage dienen. Das Wunder des Lebens ist das kostbarste Gut und ihm gebührt Respekt und Erfrucht.
   
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