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HD - Hüftdisplasie    

In der Kynologie hört man den Begriff Hüftgelenksdysplasie oft (wird meist mit HD abgekürzt). Dem Besitzer kann der positiven HD Befund schlaflose Nächte verursachen, weil sie befürchten, ihren Liebling schon bald zu verlieren. Für den Züchter hat dieser Befund meist die Folge, dass er ein sorgsam aufgezogenes Zuchttier verliert. Beide Gruppen stehen der Diagnose meist mit einer gewissen Ohnmacht gegenüber. So kennt man den Ausdruck zwar,

hat auch schon ab und zu was davon gehört, aber ganz genau weiss man nicht Bescheid. Es ist eine sehr komplexe Materie und man investiert viele Stunden um sich genauer zu orientieren. Wir wagen den Versuch, dieses grosse Thema auf das Wichtigste zu reduzieren. Es soll Anstoss sein, sich intensiver mit dieser Materie auseinander zu setzten. Besonders für den Züchter ist es wichtig, mehr über die HD zu wissen. Er trägt die Verantwortung für die folgenden Generationen seiner Zucht und auch für alle Nachkommen, welche mit seinen Hunden gezüchtet werden. Wir sind es der Rasse schuldig, mit grösster Sorgfalt, für die Gesundheit der Population zu sorgen.

Grundsätzliches

Der Begriff "Dysplasie" bedeutet Bildungsstörung. Es ist eine Fehlentwicklung oder Fehlgestaltung von Körperteilen, Organen und Gewebe. Im Falle der Hüftgelenksdysplasie (HD) handelt es sich um eine erblich bedingte Entwicklungsstörung der Hüftgelenke. Anders als bei manchen anderen bekannten Erbkrankheiten (u.a. Stoffwechselerkrankungen) ist nicht ein einzelnes Gen verantwortlich. Vielmehr wird die Anlage zur Ausbildung einer HD von verschiedenen Genen beeinflusst. Wie viele Gene beteiligt sind weiss man nicht mit Bestimmtheit. Je nach Quelle weden von 4 - 20 beteiligten Genen gesprochen. Man nennt diese Art der Vererbung auch polygenetisch (poly=viel). Dies ist auch mit ein Grund dafür, dass es bei der HD kein "Alles-oder-Nichts-Prinzip" gibt, sondern es gibt alle nur denkbaren Abstufungen an Schweregraden. Sie entwickelt sich innerhalb des ersten Lebensjahres. Das heisst, in der Wachstumsphase des Hundes prägt sich die Veranlagung aus. Ab der Geburt wirken auch viele Umweltfaktoren auf den Hund ein. Die grösste Bedeutung haben die Art der Fütterung sowie Art und Ausmass der Bewegung. Als nachteilig haben sich zu

Bild 1: Röntgenaufnahme einer HD-A Hüfte
Bild 2: Femurkopfzentrum mit eingezeichnetem
Norberg-Winkel
energiereiche, sowie zu eiweissreiche Fütterung vor allem grossrassiger Hunde erwiesen. Auch übermässige körperliche Arbeit, z.B. zu frühes und zu ausgedehntes Training, vor allem an der Steilwand, Slalom usw., wirkt sich negativ auf die Entwicklung der Hüftgelenke aus. Eine straffe Kruppen- und Oberschenkelmuskulatur durch moderate, gleichmässige Bewegung aufgebaut, sind hingegen günstig für die Stabilisierung der Hüften. Optimale Aufzuchtsbedingungen, welche für gewissenhafte Züchter und Halter sowieso eine Selbstverständlichkeit sein sollten, sind die beste Prävention und somit ein absolutes Muss. Der einjährige Hund hat in den meisten Fällen noch absolut keine Beschwerden, sondern es wird beim Röntgen festgestellt, dass die Winkel und die Festigkeit der Hüftgelenke einen Ausbruch der HD mehr oder weniger begünstigen. Es kann gut sein, dass ein Hund mit einer mittelschwer diagnostizierten HD, sein Leben lang keine Beschwerden hat. Da es sich um Beschwerden handelt, welche durch eine verstärkte Abnutzung des Gelenkes entstehen. Wie schnell diese Abnutzung von statten geht und dann Beschwerden verursacht ist sehr individuell. Nach einer skandinavischen Statistik zeigen nur etwa 20% der betroffenen Hunde Krankheits-Erscheinungen. Gemäss einer Studie von Herrn Wienrich zeigen Hunde die als HD-Übergang (B) oder leichte HD (C) beurteilt wurden meist keine Symptome. Bei Beurteilungen mit dem Ergebnis Mittlere HD (D) waren es 28% der Hunde und beim Ergebnis schwerer HD (E) zeigten 43% der Hunde Symptome. Aus diesem Grunde ist es wichtig, über die Veranlagung Bescheid zu wissen. Der HD-B Hund, der intensiv auf dem Agility Parcour gefordert wird, hat vielleicht eher Beschwerden, als der HD-D Hund

dessen Besitzer den Befund kennt und sich entsprechen verhält. Wir können, somit den Verlauf von HD, beeinflussen. Denn auch verschiedene Umweltfaktoren spielen hierbei eine Rolle. Besonders erwähnenswert sind Fütterung und Bewegung. Gerade in letzter Zeit konnte man vermehrt die Meinung hören, dass die HD eine ausschliesslich umweltbedingte Erkrankung sei. Dass dem nicht so ist, gilt allerdings schon seit einiger Zeit als gesichert. Fraglich ist nur, welchen Anteil die Gene, und welchen die Aufzucht- und Umweltbedingungen haben. Sollten sie in Betracht ziehen, mit ihrem Hund Agility, Dogdance oder sonstige Bewegungs- und Sprungintensive Sportarten zu betreiben ist das toll, der Collie liebt und braucht Bewegung, aber testen sie vorher seine Hüfte auf HD, so können sie dann beruhigt ihren Sport betreiben.
Aus diesem Grunde legen wir jedem Besitzer von Yven-Collies ans Herz, ihren Liebling doch mit einem Jahr untersuchen zu lassen. Zum ersten Geburtstag bekommen sie eine Geburtstagskarte welche sie daran erinnert. Sie geben uns damit wichtige Hinweise für die Zucht und ihnen mehr Gewissheit ihren Collie richtig zu behandeln. Hundehaltung sollte ein Teamwork mit dem Züchter sein. So können wir beide von andern profitieren.

Die Diagnose

Das wichtigste diagnostische Mittel für HD ist die Röntgenaufnahme. Wie bei den meisten Rassen ist sie beim Collie für die Zuchtzulassung Pflicht. Idealerweise sollte generell jeder Hund ab mittlerer Grösse zwischen dem 12. und 18. Monat HD- geröntgt werden.
Für eine korrekte HD-Aufnahme wird der Hund narkotisiert. Dies ist notwendig, um eine vollständige Entspannung der Muskulatur zu erreichen. Für viele ist die Narkose das Argument um ihren Hund nicht zu testen. Es ist so, dass eine Narkosen natürlich immer ein Risiko beinhalten. Dieses liegt in der Veterinärmedizin etwa bei 1:10000. Das Risiko der Fehlbelastung eines Hundes mit einem schlechten HD-Grad und der daraus entstehenden


Legende Becken eines Hundes:


A Darmbein
B Schambein
C Sitzbein
D Oberschenkelknochen
E Foramen obturatum

a kraniolateraler Pfannenrand
b vordere Pfannenkontur
c Pfannendach
d Oberschenkelhals
e grosser Umdreher


Legende Hüftgelenk eines Hundes:


A
kranialer Azetabulumrand
B kraniolateraler Azetabulumrand
C dorsaler Azetabulumrand
D kaudaler Azetabulumrand
E ventraler Azetabulumrand
F incisura acetabuli
G fossa acetabuli
H Femurkopf
I Femurhals
J Bandgrube
K fossa trochanterica
L Übergang Kopf/Hals
M Femurkopfzentrum

Konsequenzen ist sicher höher einzuschätzen als das Narkoserisiko. Das Gesundheits-Risiko durch eine fachgerechte Narkose ist somit sehr gering. Für den Hund ist eine sichere Diagnose aber ein grosser Beitrag zur Gesundheitsvorsorge. Der Hund wird auf dem Rücken gelagert, eine Person zieht ihn an den Vorderläufen nach vorne, eine andere streckt die Hinterläufe und dreht sie gleichzeitig nach innen. Die Aufnahme muss absolut symmetrisch sein, ausser den Hüftgelenken sowie den Darmbeinflügeln müssen auch die Kniegelenke und Kniescheiben vollständig im Bild sein.
Um sich ein Bild über die Bewertung von HD machen zu können, müssen wir uns zuerst das Becken mit den Hüftgelenken etwas genauer anschauen: Auf dem oben stehenden Bild sehen sie eine Skizze des Becken eines Hundes.

Die Auswertung

Die Auswertung erfolgt dann an Hand des Röntgenbildes. Es wird in erster Linie, mit einer speziellen Schablone, direkt auf dem Röntgenbild, der so genannte Norberg-Winkel gemessen. Dies erlaubt eine objektive Zustandsbeurteilung des Hüftzustandes, resp. eine Diagnose für die zukünftige Entwicklung des Gelenks. Bei dieser Messung haben folgende zwei Kriterien eine besondere Bedeutung:

  • Bei der FCI-Methode ist der Norbergwinkel ein wichtiges Kriterium für die Einteilung der Hüfte in die fünf HD-Grade. Der Norbergwinkel bestimmt allerdings nicht allein den HD-Grad, auch andere Kriterien beeinflussen die Gewichtung des Norbergwinkels. Bei der Auswertungsmethode nach den Schweizer HD-Zentralen ist der NW einer von sechs Kriterien
  • Das Zusammenspiel des Oberschenkelkopfs (Femurkopf) in der Hüftgelenkpfanne (Azetabulum). Die Gelenkflächen müssen möglichst ohne Zwischenräume aufeinander passen. Der Untersuchende achtet hier auf einen möglichst geringen Spalt zwischen den beiden Gelenken.

Unterschiedliche Auswertungsmethoden

Damit die HD-Untersuchungen immer unter den gleichen Gesichtspunkten begutachtet werden, entwickelten sich verschieden standardisierte Auswertungsmethoden. Leider konnte man sich bis Heute nicht auf eine international gültige Methode einigen. Wir haben somit in der Hundezucht verschiedenste Auswertungsmethoden, welche untereinander nicht vergleichbar sind. Es wurden viele Versuche unternommen, die verschiedenen Systeme mit Hilfe von Vergleichstabellen zu interpretieren, wobei alle Bemühungen scheiterten. So haben wir Heute die kuriose Ausgangslage, dass sich die Hundezucht weltweit bemüht, den HD-Grad ihrer Rassen-Populationen zu verbessern, aber untereinander können die Resultate nicht wirklich verglichen werden. Die ist umso mehr bedenklich, als dass der Austausch von Zuchttieren über die Landesgrenzen hinaus, Heute gang und gäbe ist. Die wichtigsten Auswertungsmethoden in unseren Regionen sind:

  • Die Hipscore-Methode mit 9 Kriterien (LAWSON, 1963) im England
  • Die FCI-Methode (Fédération Cynologique Internationale) mit 18 Kriterien (BRASS et al., 1978) in Deutschland
  • Die Methode der Schweizer HD-Kommissionen mit 6 Kriterien (FLÜCKIGER, 1993)
  • Die Methode der OFA (Orthopedic Foundation for Animals) (BURNS et al., 1987) in den Vereinigten Staaten

 

Übertragungsschlüssel zwischen den verschiedenen Auswertungssystemen nach Clayton Jones (1997)

FCI

Deutschland
(FCI)

England
(Hipscore)

Schweiz

Schweden

USA (OFA)

 

A (frei)

A1

0

0

0

Excellent

 

A2

1-3

1-2

 

Good

B (Verdacht)

B1

4-6

3-4

 

Fair

 

B2

7-8

5-6

 

Borderline

C (leicht)

C1

9-12

7-9

1

Mild

 

C2

13-18

10-12

 

Mild

D (mittel)

D1

>18

13-15

2

Moderate

 

D2

 

16-18

 

Moderate

E (schwer)

E1

 

19-21

3

Severe

 

E2

 

22-24

4

Severe

Übertragungsschlüssel zwischen den verschiedenen Auswetungsmethoden
nach Clayton Jones aus dem Jahr 1997
Eine weitere Vergleichstabelle finden sie unter: http://www.grsk.org/hd_vergleich.htm

All diese Methoden zu beleuchten würde im Moment den zeitlichen Aufwand sprengen, deshalb werden wir uns hier auf die Schweizer Methode beschränken. Eine recht ausführliche Beschreibung der verschienen Methoden finden sie im Internet in der Doktorarbeit von Matthias Gutnann, "VALIDIERUNG DER AUSWERTUNGSMETHODEN FÜR HÜFTGELENKSDYSPLASIE BEIM HUND AUS GENETISCHER SICHT". Er analysiert das HD-Geschehen unter den Aspekten der Züchtung und der Gesundheitsprognose am Beispiel einer Population des Berger des Pyrénées. Zur Vergleichbakeit schreibt Dr. Gutmann in der Zusammenfassung Folgendes:
Der Vergleich zwischen den HD-Graden der Auswerter 1, 2 und 3 zeigte Niveauunterschiede von 0,28 HD-Graden. Die Beurteilung des Einzeltieres stimmte bei den FCI-Auswertungen (Auswerter 1 und 2) zu etwa 60% überein, in 36% war eine Abweichung von einem HD-Grad, in 4% von 2 HD-Graden vorhanden. Die FCI-Auswertungen (Auswerter 1 und 2) stimmten zu etwa 50% mit den HD-Auswertungen der Schweizer Methode überein. Die fehlende Übereinstimmung zwischen den HD-Graden macht auch die Konstruktion eines Übertragungsschlüssels zwischen FCI, Schweiz und Hipscore unmöglich, nur bei der Gesamtpunktzahl von Schweiz und Hipscore ist eine Übertragung vorstellbar.

 

Schweizer HD-Auswertung

In der Schweiz haben wir zwei HD-Kommissionen, die eine an der UNI-Bern die andere an der UNI-Zürich. Seit 1990 beurteilen diese beiden Kommissionen gemäss einem einheitlichen Schema, das von Flückiger veröffentlicht wurde. Sie passten die Auswertung der FCI-Klassifizierung und den HD-Graden an. Unter Berücksichtigung der Methode nach FCI und dem Hipscore wurde ein optimiertes und vereinfachtes Beurteilungsschema entwickelt. Zur Beurteilung wird vor allem die Röntgenaufnahme in der gestreckten Position genutzt. Schwachpunkte sieht Flückiger in der teilweise fehlenden Bildqualität der eingesandten Röntgenbilder, welche die Erkennung der subtilen Unterschiede im Schweregrad nicht immer ermöglichen. Es werden 6 Kriterien am Hüftgelenk bewertet, jedem Kriterium 0 - 5 Punkte zugewiesen und die Punktzahlen für ein Gelenk zu einer Gesamtpunktzahl addiert. Zur besseren Übersicht und Nachvollziehbarkeit können sie hier die oben gezeigten Zeichnungen in einem separaten Fenster öffnen. (Zusammenfassung siehe Tabelle)

  • Kriterium 1 ist der Norbergwinkel (NW).
  • Kriterium 2 erfasst die Beziehung zwischen dem Femurkopfzentrum (FKZ) (in der Bildlegende M) und dem dorsaler Azetabulumrand (DAR) (in der Bildlegende C) . Es werden der Gelenkspalt, die Gelenkfläche sowie der dorsale Azetabulumrand (DAR) beschrieben.
  • Kriterium 3 beschreibt die Form des kraniolateralen Pfannenrandes (in der Bildlegende a) . Damit können Hinweise für eine unvollständige Ausrenkung bei Belastung eines Gelenkes, wobei der Gelenkkopf sich noch teilweise in der Gelenkpfanne befindet, gefunden werden. Über den Femurkopf (K) (in der Bildlegende H) wirken durch den Vorschub der Hinterhand grosse Druckkräfte auf den kraniolateralen Pfannenrand (in der Bildlegende a) , die bei einem lockeren Gelenk zu Abflachungen führen.
  • Kriterium 4 erfasst den unter dem Knorpel liegenden Knochen (unter dem Knopel = sub-chondral) im Bereich des kranialen Pfannenrands (in der Bildlegende a). Der unter dem Knorbel liegende Knochen (subchondrale Knochen) verdichtet sich bei zu starker Belastung des Pannenrands. Diese Verdichtung lässt sich auf dem Röntgenbild als besonders dichte, weisse Knochensubstanz erkennen. Sie manifestiert sich in einer ungleichen dicke der Knochenplatte. Dies ist ein untrüglicher Hinweis für eine Knorpelschädigung unter Belastung, was dann zur erwähnten Verdichtung führte und somit zur Schwächung des darunter liegenden Knochen. Dieses Kriterium ist eine sehr wichtiges als Frühindikator für einen beginnende Knochenschädigung.
  • Kriterium 5 Untersucht allfällige Veränderungen an Femurkopf und Femurhals. Für diese Untersuchung wird vor allem das Röntgenbild in der gebeugten Haltung verwendet. Es wird hier vor allem nach Auflagerungen am kraniomedialen und am kaudolateralen Rand des Femurkopfes gesucht. Durch die gebeugte Haltung und den von der Tischplatte abgehobenen Sprunggelenken sind die Auflagerungen deutlich zu erkennen.
  • Kriterium 6 erfasst die Morgan-Linie. Es handelt sich um eine sichtbare Verdichtungslinie am kaudalen Femurhals, sie ist als Frühindikator für sekundäre arthrotische Veränderungen und als Anzeiger einer lockeren Hüfte interessant

Diese sechs Kriterien können grob in 3 Untergruppen eingeteilt werden. Die beiden ersten Kriterien beschreiben eine abnorme Lockerheit des Gelenks. Kriterium 2 erfasst zudem die Ausbildung des Pfannendaches. Die Kriterien 3 und 4 beschreiben erste arthrotische Erscheinungen an der Pfanne. Die beiden letzten Kriterien beschreiben Arthrosen an Kopf und Hals des Femurs..

   
   
 
 

In Arbeit

   
   
   
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
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