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Die Selektion in der Colliezucht  

Die Selektion oder Auslese, ist für die Collie Zucht die zentrale Aufgabe des Züchters. Er übernimmt die Aufgabe, die in der freien Natur durch den Kampf ums Dasein geprägt ist. Das Gesetz des Stärkeren gegenüber den Umweltverhältnissen, in welcher sich eine Tierart bewegt, gilt als Grundlage für die natürliche Selektion. Nur die besten Individuen werden sich auf Dauer durchsetzen, die mit Defekten behafteten, kranken oder vitalschwachen Tiere werden schonungslos ausgemerzt.

In den Anfängen der Hundezucht, diente der Hund vor allem als Gebrauchstier. Er lebte meist draussen, hatte eine meist mangelhafte Fütterung und sein Alltag war geprägt von harter Arbeit. In dieser Zeit gab es die natürliche Selektion noch, unterstütz von der künstlichen Selektion des Menschen.

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wandelte sich das Verhältnis immer mehr von der natürlichen zur künstlichen Selektion. In der modernen Hundezucht gibt es die natürliche Selektion praktisch nicht mehr, im Gegenteil, unter Nutzung moderner veterinärmedizinischer Kenntnisse, wird so manches vitalschwachen Tier aufgezogen und später sogar zur Zucht verwendet. Für die Gesundheit der Rasse ist dies eine sehr negative Entwicklung und wird teilweise noch verstärkt, durch immer bessere Untersuchungs-Methoden der Medizin, welche dann in den Rassenklubs zu Selektionsmassnahmen führen, die den Fokus nur noch auf einen kleinen Teilaspekt richten und so die Gesamtheit des Hundes in den Hintergrund tritt. Alle Selektionsmassnahmen müssen auch in Hinblick auf die Verbreiterung der Zuchtbasis überprüft werden. Je breiter die Zuchtbasis ist, umso erfolgversprechender sind Selektionsmassnahmen, welche eine positive Selektion beinhalten.


Positive Selektion

Für den Züchter gibt es zwei unschiedliche Ansätze zur Beurteilung seiner zukünftigen Zuchttiere. Er kann eine so genannte positive Selektion betreiben. Das heisst er bevorzugt in seiner Zucht diejenigen Tiere, deren Nachkommen den grössten züchterischen Forschritt erwarten lassen. Entscheidend für diese Art der Auslese ist der Genotyp eines Tieres, was bedeutet, dass er nicht nur das Einzeltier beachtet sondern auch seine Verwandten und Nachkommen. Erfolgreiche Züchter kennen das verwandtschaftliche Umfeld eines Zuchthundes immer sehr, sehr gut und verlassen sich da nicht auf seine phänotypischen Eigenschaften. So kann es oft vorkommen, dass die phänotypisch besten Tiere nicht auch gleichzeitig die besten Nachkommen hervorbringen. Um diese Auswahl durchzuführen brauch der Züchter entseuchende Mittel wie genaue Recherchen, dauernde Überprüfung der Nachzucht und wenn möglich eine Zuchtwertschätzung.


Negative Selektion

Neben der positiven Selektion gibt es auch die negative Selektion. Hier wird versucht durch Verdrängung oder auch völlige Eliminierung unerwünschter Merkmale und Eigenschaften einer Rasse diese zu verbessern. Dies geschieht durch Einschränkung in der Zuchtverwendung, durch Zuchtlenkung oder völlige Zuchtsperre. Der Fokus richtet sich auf den einzelnen Hund und ob er phänotypisch erkennbare, Träger dieser unerwünschter Merkmale und Eigenschaften ist, oder ob er diese Merkmale rezessiv weitervererbt, ohne sie selbst zu zeigen. Diese Selektionsmethode wird seit Jahren bei vielen Zuchtverbänden angewandt, was immer auch zu einer Reduktion der Zuchtbasis führen muss und somit zu einer drastischen Verkleinerung des Genetischen Vielfalt einer Rasse.
Zusammenfassend kann man sagen, dass bei fortlaufender oder wiederholter Selektion nach bestimmten Merkmalen und Eigenschaften, die Varianz des gesamten Genpools einer Rasse, bei positiver Selektion zu- und bei negativer Selektion abnimmt.


Heritabilität - Erblichkeitsgrad eines Merkmals
Der Erblichkeitsgrad eines Merkmals oder einer Eigenschaft in der Hundezucht, wird mit dem Heritabilitäts-koeffizient (h2) in Prozent angegeben. Beträgt er für ein Merkmal 25 %, bedeutet das, dass 25 % der phänotyp-ischen Varianz durch den Genotyp und 75 % durch Umwelteinflüsse bestimmt werden. Die Heritabilität zeigt somit wie viel eines Merkmals genetisch bedingt ist und wie viel durch äussere Umstände geprägt werden. Der Heritabilitätskoeffizient ist somit für den Züchter ein wichtiges Instrument in der Zuchtplanung. Im folgenden einige Heritabilitätskoeffizienten;

Merkmale oder Eigenschaften Heritabilität in %
Fruchtbarkeit und Fortpflanzung 10% bis 20%
Fehlende Zahnanlagen (Einzelzähne) 50%
Fanglänge 45% bis 55%
Widerristhöhe 50% bis 65%
Brusttiefe 45% bis 55%
Brusttiefe 45% bis 55 %
Temperament 40% bis 50%
Riechfähigkeit 40%
Spürfähigkeit (Fährtenveranlagung) 45% bis 50%
Verhaltensmerkmale (Wesen) 20% bis 40%
HD (Hüftdysplasie) 20% bis 40%
Diese Zahlen sind recht rassenspezifisch, deshalb gibt es bei den Werten in der Tabelle auch entsprechen grosse Bereiche. Man kann davon ausgehen, dass Heritabilitätskoeffizienten für Merkmale bzw. Eigenschaften von unter 20 % als niedrig, 30 bis 40 % als mittel und Werten von über 50 % als hoch, anzusehen sind. Die Heritabilität kann von 0 bis 100 Prozent variieren. Kaum eine Eigenschaft ist zu 100 Prozent erblich.
Methoden der Verpaarung

 

Für die Zucht von Rassenhunde gibt es im Normalfall nur die Reinzucht, das heisst es werden nur Tiere innerhalb einer Rasse miteinander gekreuzt. Das so genannte Crossbreed wird nur in Ausnahmefällen praktiziert um zum Beispiel ein für den gesunden Fortbestand einer Rasse nötigen Genpool zu vergrössern. Zu Beginn der Collie-Zucht wurde dies mit Settern und Barsois praktiziert, dies vor allem um das Exterieur zu verbessern. Die Auswahl der Zuchtpartner wird durch die kleinen Rassenpopulationen schon sehr eingeschränkt. So kann man praktisch alle Collies auf den Rüden "Old Cockie" zurückverfolgen. Im Falle der Yven-Collies ist die Ur-Mutter "Quinta da Inka di Cambiano" die 41. Collie-Generation nach "Old Cockie". In der Hundezucht hört man oft die Ausdrücke Inzucht, Linienzucht und Outcorss. Schauen wir uns die einzelnen Zuchtmethoden etwas genauer an und versuchen ihre Vor- und Nachteile für eine Rasse etwas zu ergründen.
   

Inzucht
Von Inzucht spricht man, wenn man sehr eng verwandte Hunde, also etwa Bruder und Schwester, Vater und Tochter usw. verpaart. Man könnte sie auch Inzestzucht nennen, denn wir haben hier alles Verpaarungen des 1. und 2 Grades. Der Vorteil hier ist, dass vorhandene Merkmale, die durch die gemeinsamen Vorfahren existent sind, gefestigt werden. Die Nachkommen werden in vielen Bereichen der Gene reinerbig, da sie von Vater und Mutter dieselben Allele bekommen. Was beim Phänotyp oft wünschenswert ist, kehrt sich beim Genotyp in vielen Bereichen ins Gegenteil, denn natürlich kommen auch die negativen Eigenschaften ans Tageslicht, Erbkrankheiten werden somit gefördert und brechen vermehrt auch aus.
Betrachten wir dies mal am Beispiel PRA. PRA wird autosomal rezessiv vererbt. Das heisst:

  • Für einen Befall eines Tieres muss es von beiden Elterntieren jeweils ein defektes Gen erhalten haben.
  • Hunde die von den Eltern ein defektes Gen und ein gesundes Gen erhalten haben sind so genannte Träger. Diese Tiere erblinden nicht, das vorhandene gesunde Gen erhält die Sehfunktion aufrecht. Die Augen dieser Tiere sind bei einer tierärztlichen Augenuntersuchung absolut gesund. Sie geben aber wenn mit ihnen gezüchtet wird, das defekte Gen unerkannt an einen Teil ihrer Nachkommen weiter.
  • Als dritte Variante gibt es dann noch das absolut gesunde Tier. Es hat von seinen Eltern zwei gesunde Gene erhalten. Es kann auch kein defektes Gen an seine Nachkommen weiter geben

Bei einer Verpaarung im 1. und 2 Verwandtschaftsgrad ist die Wahrscheinlichkeit, dass ihre Nachkommen dieselbe genetische Anordnung für PRA besitzen, wesentlich höher als bei wenig oder nicht verwandten, weil sie statistisch zu 25% dieselben Erbanlagen besitzen. Das bedeutet, dass die beiden verpaarten Hunde äusserlich völlig gesund sind, genetisch aber Träger sind, somit je ein Defektes Gen besitzen. Das gesunde Gen kann die Aufgaben des schadhaften übernehmen, so dass nach aussen keine Wirkung sichtbar ist. Verpaart man nun einen PRA-Träger mit einem gesunden, PRA-freien Hund, besitzen 25% der Nachkommen das PRA-Gen, sind aber äusserlich gesund. Werden nun zwei Geschwister, die beide PRA-Träger sind, miteinander verpaart, so werden im Schnitt 25% der Nachkommen an PRA erkranken.

So wie in diesem Beispiel kann es sich mit fast jeder Erbkrankheit abspielen. In gesunden Linien können plötzlich mannigfaltige Krankheiten ausbrechen, welche vorher nie auftraten. Manche grosse Hundezucht geriet so in eine Sackgasse und man hörte nach wenigen Jahren nichts mehr von Ihr. Inzestzucht ist somit eine der sichersten Methoden eine Hunde-Zucht langfristig zu zerstören.

Link: Ein reales Beispiel, einer heute nicht mehr aktiven Zucht, für eine solche Inzucht-Verpaarung

   

Linienzucht
Bei der Linienzucht sind die Tiere im 3. bis 4. Grad verwandt. Es sind somit Verpaaren von Grossvater mit Enkeltochter, Neffe mit Tante usw. Es ist somit immer noch eine enge Inzucht, wenn man es genau anschaut.
Auch hier gelten im Prinzip dieselben Problematiken wie bei der Inzestzucht. Die Wahrscheinlichkeit, dass die beiden Allelen eines Gens gleich sind, wird erhöht. Durch die vorschreitende Reinerbigkeit wird die Vielfalt dessen, was der einzelne Hund vererben kann, immer eingeschränkter. Das Positive daran ist, dass das Aussehen der Welpen tendenziell besser voraussagbar ist. Der Züchter erlebt so weniger Überraschungen, wenn er die Linie sehr gut kennt. Es werden jedoch auch unweigerlich verborgen mitgeschleppte, genetische Krankheiten zutage treten. Zuchtlinien welche auf vorgesetzter enger Inzucht basieren, können häufiger Krankheiten auftreten, auch solche welche noch nie auf in der Zuchtlinie vorhanden waren.

Die Linienzucht soll somit mit Bedacht praktiziert werden und wenn es sein muss, dann möglichst nur wenn man das nötige Wissen und die entsprechende Begründung dazu hat. Hier tritt auch die Problematik der "Stardeckrüden" zum Vorschein, alle wollen mit ihm decken und so wird die genetische Vielfalt immer kleiner. Ganze Zuchtlinien sind plötzlich miteinander verwandt und die Züchter können nur hoffen, dass in ein paar Generationen nicht plötzlich Erbkrankheiten auftreten mit denen keiner gerechnet hätte. Deshalb ist neben dem Ahnenstudium eines Deckrüden, auch das studieren der Nachzucht wichtig, sowohl was die Qualität wie auch die Quantität betrifft.
Hans Räber, der weit über die Landesgrenzen anerkannte Kynologe, schreibt in seinem Buch "Brevier neuzeitlicher Hundezucht"; Zitat: "Inzucht ist ein machtvolles Werkzeug, aber in den falschen Händen wie das Messer in der Hand des Affen."

   
Inzuchtdepression
Ein weiterer negativer Effekt von Inzucht und vorgesetzter Linienzucht ist die so genannte Inzuchtdepression. Durch die eingeschränkte genetische Vielfalt wird das Anpassungsvermögen des Organismuses gegen Umwelteinflüsse herabgesetzt. Die Vitalität der Hunde verringert sich merkbar und die Resistenz gegenüber Krankheiten wird vermindert. Krebs- und Geschwürkrankheiten nehmen zu, Fruchtbarkeit und Lebenserwartung sinken.
So wurde Beispielsweise in einer Studie an Pudeln festgestellt, dass Tiere mit einem Inzuchtkoeffizienten (IK) unter 6,25% um durchschnittlich 4 Jahre älter wurden als Pudel mit einem IK über 25%. Bei Beagle Versuchszuchten hat man festgestellt, dass es bei einem Inzuchtkoeffizienten zwischen 8% und 18 % zu Welpensterben von bis zu 25 % in den ersten zehn Tagen nach der Geburt kommt.

Hat ein Collie nicht die Vitalität eines Schäferhundes, kann vielleicht der Stammbaum über die Gründe dafür Auskunft geben. Gemäss dem österreichischen Genetiker Prof. Schlegel gilt für den Inzuchtkoeffizienten eine Obergrenze von 5% und der Ahnenverlust muss tiefer als 30% sein. Für beide Werte berücksichtigt er die Vorfahren über 5 Generationen also 62 Vorfahren. Werden diese Werte längerfristig überschritten, entwickelt sich die Colliezucht zur tickenden Zeitbombe - Folgen sind die Inzuchtdepression und die unkalkulierbaren Auswirkungen für die Gesundheit des Collies.

 

Die Auskreuzung
Ein wichtiges Instrument in der Linienzucht ist das gezielte Auskreuzen von Zuchtlinien. Man Verpaart da liniengezüchtete Collies aus verschiednen Linien, welche untereinander nicht verwandt sind. Man verpaart somit eine liniengezüchtete Hündin mit einem genetisch fremden, selbst aber auch in seiner Linie relativ eng gezüchteter Rüde, um daraus einen neuen Impuls für die eigene Zucht zu gewinnen. Diese Paarungen bringen durch den Heterosiseffekt oft sehr schöne und besonders typische und gesunde Nachkommen hervor. In der neuen Linie werden voraussichtlich keine besonders starken Vererber dabei sein, da sie wahrscheinlich einen sehr hohen Anteil an heterozygoten Genen besitzen. In der Nachzucht wird diese Linie dann wahrscheinlich unterschiedlichere, weniger einheitliche Welpen hervorbringen als andere Linien mit weniger gemischten Genen. Dies wird sich dann auch bei der Weiterzucht mit dieser Linie fortsetzen, bis sich die Gene wieder in einer bestimmte Richtung gefestigt haben. Die beiden ursprünglichen Linien der Elterntiere sollten dann möglichst getrennt weitergeführt werden.

 

Fremdzucht
Die Fremdzucht ist eine Verpaarung von Hunden welche über mehr als 6 Generationen keine gemeinsamen Verwandten haben. Solche Verpaarungen sind nur schwer einzuschätzen es brauch sehr viel Kenntnisse und eine Menge Zuchterfahrung um gute Resultate zu bekommen. Die Würfe werden mit grosser Wahrscheinlichkeit Welpen mit recht unterschiedlichen Phänotypen hervorbringen, wobei sie Gesundheitlich meist sehr Robust sind. Solche Verpaarungen setzen ein intensives Studium der Eltertiere voraus und sollte auch nur mit qualitativ sehr hochwertigen Hunden gemacht werden. Geschickt eingesetzt kann das Resultat einer Fremdzucht die Qualität der Eltern übertreffen und somit die Rasse weiter bringen.

   

Kreuzungszucht (Crossbreed)
Beim Crossbreed, oder in der deutschen Sprache die Kreuzungszucht, wird eine andere Rasse einkreuzen. Diese Kreuzungsart wir meist nur zu Beginn einer Rasse angewandt und sollte bei einer verantwortungsvollen Rassenzucht später nicht mehr notwendig sein. Wird sie bei einer gestandenen Rasse notwendig, so wurden im Vorfeld schwere Fehler gemacht, welche den Genpool einer Rasse unnötiger Weise einschränkte oder die Zuchtpopulation war von Anfang an zu klein, um eine Rasse gesund zu behalten. Beim Collie wurde zu Beginn, im Zeitraum von 1850 bis 1870, wahrscheinlich Einkreuzungen von Settern (Gordon und Irish) vorgenommen und Queen Victoria kreuzte gezielt den russischen Windhunden (Barsoi) ein. Sie züchtete so den schmalen, langen Kopf und die schlanke, elegante Figur in die Rasse ein. Da bei einer so verbreiteten Rasse, wie es der Collie ist, der Genpool gross genug sein sollte für eine vernünftige Zucht, werden solche drastische Massnahmen wohl auch in Zukunft nicht mehr nötig sein. Die meisten Länder, in Europa und Übersee, haben verschiedenste Zuchtlinien, welche von den Züchtern verantwortungsvoll weiter geführt werden. Die allermeisten Zuchtvereine tragen die entsprechend Verantwortung, um die genetischen Vielfalt in der Collie-Zucht beizubehalten. So sollte der Genpool gross genug bleiben.

   
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