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Die Stammline des Collies  

Einleitung
Die Ursprünge des Collies gehen zurück in die Jahre um 1870, als Urväter gelten der Tricolor Collie Rüde "Trefoil" (Geboren: 19.03.1873) und der Sable Rüde "Old Cockie" der im Jahre 1868 das Licht der Welt erblickte. Eine sehr alte Rasse, welche bis zurück zu den Anfängen der eigentlichen Hundezucht geht. Der Collie wurde vorallem durch die Lassie-Geschichten und -Filme auf der ganzen Welt bekannt. Er wurde zum Modehund und erlebte einen rieseigen Boom. Er entfernte sich immer weiter von seiner ursprünglichen Aufgabe als Hütehund. Leider wurde er auch zum Schönheitsidol. Bis in die heutige Zeit gibt es viele Schönheitsrichter, die den Collie allein auf seine äussere Erscheinung reduzieren, was er gesundheitlich und vom Wesen her mitbringt, interessiert da wenig. Noch viel weniger interessiert da die genetische Varianz, im Gegenteil, es wird weiter uniformiert und ein Collie kann Heute schon nur wegen seinem süssen Ausdruck im Gesicht zum Champion werden. Ein für uns schockierendes Erlebnis war eine Anfrage, für einen wunderschönen Tricolor Deckrüden, für den wir einige hundert Kilometer gefahren wären. Wir baten den Züchter

Seitenindex:
Einleitung
Die Studie über das Ausmass der Inzucht

Die Collie-Zucht in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts.

Der Collie wird neu erfunden
Alte Zeiten - Heute ist das GANZ anders
Sonderfall Schweiz - Gentik was ist das?
Wie finden wir aus der Sackgasse?
Von der Schönheitszucht zur Erhaltungszucht
Der Ahnenstamm der meisten englischen Collies
um Auskunft über den Rüden und fragten ihn an, ob die Möglichkeit besteht, mit ihm zu decken. Wir bekamen eine negative Antwort, denn der Multi-Champion hatte HD-D Hüften. Die 2009 erstellte BBC Dokumentation über die Rassenhundezucht "Pedigree Dogs Exposed" (den Link zur deutschsprachigen Version finden sie auf unserer Seite) liess uns dann weiter an der Richtigkeit der heutigen Hundezucht zweifeln. In der Folge wurde vom englischen Kennel Club alle Standardbeschreibungen der von ihm betreuten Hunderassen überarbeitet, sehr zaghaft, aber es kam etwas in Bewegung.
Die Studie über das Ausmass der Inzucht

Auch die 2008 erstellte Studie "Population Structure and Inbreeding From Pedigree Analysis of Purebred Dogs" von Federico C. F. Calboli, Jeff Sampson, Neale Fretwell und David J. Balding, bekam langsam den Stellenwert die ihr eigentlich schon bei der Veröffentlichung gebührte. In dieser Studie untersuchten die genannten Wissenschaftler am Imperial College London erstmals das Ausmass der Inzucht in verschiedenen Hunderassen, sowie die daraus resultierende Verminderung der genetischen Vielfalt wurde systematisch untersucht. Sie betrachteten die Abstammungsdaten von 2.1 Millionen, vom britischen Kennel Club (KC) seit 1970 registrierten Hunde. Insgesamt wurden 10 Rassen mit mindestens 2 Vertretern der 4 Hauptzuchtrichtungen (Orientalische Hunde, Mastiffs, Hütehunde, Jagdhunde) ausgewählt, um das Spektrum der 207 in Grossbritannien bis Ende 2006 registrierten Hunderassen repräsentativ darzustellen. Untersucht wurden folgende Rassen:

Rasse

Rassengruppe

Anzahl Hunde

In der Zucht eingesetzte

Anzahl Gründer

Rüden (% der Rüden)

Hündinnen (% der Hündinnen)

Akita Inu

Orientalische Hunde

21'155

1 '329 (13)

2'115 (20)

223

Boxer

Mastiffs

195'358

8'518 (9)

24'601 (25)

4'032

English Bulldog

Mastiffs

46'420

2'175 (11)

7'660 (36)

882

Chow Chow

Orientalische Hunde

18'386

928 (11)

2'597 (27)

1'012

Langhaar Collie

Hütehunde

83'864

4'190 (11)

13'232 (30)

5'285

Golden Retriever

Jagdhunde

317'527

7'752 (5)

28'963 (18)

6'932

Greyhound

Hütehunde

1'060

103 (21)

159 (28)

81

Deutscher Schäferhund

Hütehunde

474'078

21'629 (9)

48'108 (20)

15'843

Labrador Retriever

Jagdhunde

703'566

26'830 (8)

70'541 (20)

15'064

Engl. Springer Spaniel

Jagdhunde

276'179

17'471 (13)

34'252 (24)

9'718

Tabelle 1: Untesuchte Rassen zwischen den Jahren 1970 - 2008. Anzahl Gründer sind die Hunde die 1970 als Stammhunde galten. (Quelle: The Genetics Society of America)

Die aufwendige Studie begründet sich, mit dem seit lange von der Wissenschaft beschriebenen Zusammenhängen, zwischen dem Auftreten von gesundheitlichen Problemen und dem Grad des Inzuchtkoeffizienten (COI). Die Wissenschaftler analisierten mit mathematische Modellierungsansätze (Link Berechnungsgrundlagen) in welchem Ausmass die Hunde innerhalb einer Rasse untereinander verwandt sind. Für uns ist die Studie natürlich besonders interessant, da 83864 Langhaar-Collies Teil der Studie waren. Wie sie aus der Tabelle 1 ersehen gehen diese 83864 Collies auf 4190 Rüden und 13232 Hündinnen zurück. Die Gründerpopulation, das heisst die Collies welche 1970 (Beginn der Aufzeichnungen des Kennel Clubs) am Anfang stehen, hatte die Grösse von 5285 Collies. Diese Zahl von Individuen ist sicherlich für unsere Rasse sehr hoch. Hätten die Aufzeichnungen 10 Jahre vorher begonnen, so wäre diese Gründerpopulation wohl um einiges kleiner. Diese Feststellung werden wir im Verlaufe dieses Artikels noch vertieft betrachten. Wir können aus der Tabelle 1 weiter herauslesen, dass zwischen 1970 und 2008 11% der Rüden und 30% der Hündinnen im in den Zucht Einsatz kamen. Dies gibt einen ersten Hinweis auf eine unausgewogene Verteilung, ein, denn 30% der weiblichen Collies können ihre genetische Vielfalt weiter geben, dem gegenüber stehen nur 11% der Rüden welche ihrer Gene weiter geben. Es liegt in der Natur der Hundezucht, dass die Rüden öfter im Zucht-Einsatz stehen, das Verhältnis sollte jedoch sicherlich nicht 3:1 zugunsten der Rüden sein. Zur Vertiefung dieser Problematik lesen sie die interessanten Ausführungen von Dr. Irene Sommerfeld-Stur auf ihrer Webseite.

  Nachkommen pro Rüde Popular sires Nachkommen pro Hündin Popular dams

Rasse

Maximum

Durchschnitt

Anzahl

%

Maximum

Durchschnitt

Anzahl

%

Akita Inu

306

9

16

1

52

8

4

0.0

Boxer

1101

8

372

4

49

6

25

0.0

English Bulldog

430

9

77

4

36

5

0

 

Chow Chow

212

8

22

2

35

5

0

 

Langhaar Collie

775

7

128

3

39

5

0

 

Golden Retriever

1386

10

792

10

59

8

328

1

Greyhound

45

7

0

 

17

5

0

 

Deutscher Schäferhund

1479

8

851

4

67

7

509

1

Labrador Retriever

1911

9

1338

5

72

8

639

1

Engl. Springer Spaniel

2538

7

271

2

62

6

89

0.3

Tabelle 2: Popular Sire versteht man in der Tierzucht ein häufig genutztes Vatertier , die Popular dams sind häufig genutzte Muttertiere, was aus biologischen Gründen seltener vorkommt. Für diese Statistik gilt als Popular Sire, ein Rüden der mehr als 100 Nachkommen zeugte, eine Popular dam ist eine Hündin die mehr als 40 Nachkommen aus die Welt brachte.
(Quelle: The Genetics Society of America)

Die Tabelle 2 gibt Auskunft über die durchschnittliche Anzahl Nachkommen, welche die, in der Zucht stehenden Collies, haben. Ein Collie Rüde hat durchschnittlich 7 Nachkommen und eine Hündin deren 5. Weit fraglicher ist die Anzahl Nachkommen welche der Collierüden der am meisten direkte Nachkommen zeugte. 775 Nachkommen von einem einzelnen Collie-Rüde ist ein Anzahl, welche für die genetische Varianz, nicht sehr förderlich ist, zumal es in der Population 128 sogenannte "Popular sires" gibt. Als "Popular sires" werden Rüden bezeichnet welche mehr als 100 Nachkommen zeugten. Diese extreme Bevorzugung einzelner Rüden wirkt sich sehr negativ auf die genetische Varianz aus. Die Grafik 1 zeig die Auswirkungen auf den Inzuchtfaktor (COI) er steigt beim Collie von Generation zu Generation stark an. Je mehr Generationen wir in betracht ziehen, umso grösser der Inzuchtgrad. Dies ist bei allen geschlossenen Zuchtpopulationen so, von Interesse ist aber das Ausmass dieser Steigerung und da erstaunt natürlich, dass der Collie (Grüne Linie) eine Spitzenposition einnimmt. Vergleicht man die Linie des Akita Inu (weisse Linie), eine Rasse deren Gesamtpopulation nur ein Viertel so gross ist wie die des Collies, muss man sich ernstlich die Frage stellen, wie so etwas möglich ist. Was läuft da in der Zucht falsch? Welch verheerende Auswirkung eine dermassen enge Zucht auf die Gesamtpopulation hat, zeigt Tabelle 3. Aus genetischer Sicht schrumpft die Grösse der Collie-Population von 83'864 Tieren auf gerade noch 4650 Collies welche über 7 Generationen unterschiedliche Ahnen haben. Das heisst, wenn wir Collies verpaaren wollen, welche über 7 Generationen kein indentischen Ahnen haben, bleibt uns nur noch 6 % der Gesamtpopulation übrig. Dies unter der Voraussetzung, dass man alle Collies untereinander frei verpaaren kann. Das heisst ohne jede Einschränkung was phänotypische oder genotypische Eigenschaften betrifft. Nimmt man den Greyhound aus, (die kleine Population dieser Rasse lasst Vergleiche nicht zu) so hat keine andere Rasse einen so grossen substantieller Verlust an genetischer Varianz.

Grafik 1: Die Grafik zeigt wie sich der Inzuchkoeffizient (COI) über Generationen erhöht. Je steiler die Linie, um so kleiner die genetische Varianz welche von Generation zu Generation weiter gegeben wird.
(Quelle:
The Genetics Society of America)

Rasse

Berechnung auf 6 and 7 Generationen

Maximum Inzuchtfaktor f

Gen. völlig unter-schieliche Tiere in der Population N e

Verwand-schaftsgrad

% Gene die 6 Generation überstehen

Effektive Populations-grösse N

Durchsch.
Inzuchtfaktor f

% > 0.1

Akita Inu

2,864

0.038

9.0

0.32

45

0.023

30

Boxer

44,521

0.048

16

0.50

45

0.017

11

English Bulldog

12,396

0.057

18

0.41

48

0.038

17

Chow Chow

1,747

0.051

19

0.38

50

0.028

6.2

Langhaar Collie

4,650

0.073

29

0.38

33

0.020

2.9

Golden Retriever

31,259

0.035

8.2

0.39

67

0.013

6.3

Greyhound

16

0.058

0

0.08

17

0.072

6.5

Deutscher Schäferhund

43,488

0.033

12

0.47

76

0.014

5.6

Labrador Retriever

97,884

0.024

5.2

0.39

114

0.012

9.2

Eng. Springer Spaniel

23,721

0.033

6.0

0.38

72

0.017

8.0

Tabelle 3: Berechnete effektive Populationsgrössen, Inzuchtkoeffizienten und Verwandschaftsgrad der untersuchten Rassen.
(Quelle: The Genetics Society of America)

Die Tabelle 3 gibt uns Auskunft über den Grad der Inzucht innerhalb der einzelnen Rassen. Die zweite Spalte haben wir bereits erwähnt, sie zeigt wie gross die Zuchtpopulation ist, wenn man die Hunde mit unterschiedlichen Ahnen auf 6 oder 7 Generationen berücksichtigt. Die Spalte 3 zeigt den durchschnittlichen Inzuchtfaktor innerhalb der Rasse und in der 4. Spalte kann man herauslesen, wie hoch der Prozentsatz von Tieren ist welche einen Inzuchtfaktor von über 10% haben. Als durchschnittlicher Inzuchtfaktor für den Langhaar Collie wurde ein Wert von F= 7.3% berechnet (zum Vergleich: Labrador F= 2.4%, Deutscher Schäferhund F= 3.3%, Greyhound F= 5.8%, Golden Retriever F= 3.5%, English Springer Spaniel F= 7.3%, Chow Chow F= 5.1%, English Bulldog F= 5.7%, Boxer F= 4.8% und Akita Inu F= 3.8%). Der Collie hat gemäss der Studie den höchsten Inzuchtfaktor aller beteiligten Rassen. In der Hundezucht wird empfohlen, dass der IK nicht höher als 6.5% über 5 Generationen betragen sollte. Wir erleben da wieder die Abgrenzungsprobleme von solchen Empfehlungen. Wir haben in der Studie 7.3% über 6 oder 7 Generationen und die Empfehlung bezieht sich auf 5 Generationen. Wir haben in der Grafik 1 den Schnittpunkt der 5. Generation rot eingezeichnet und können ablesen, dass der Inzuchtkoeffizient bei ca. 6% liegt. Also ist er an der oberen Grenze, aber noch innerhalb der Toleranz für eine gesunde Hundezucht. Was in der Spalte 4 negativ auffällt, dass für den maximale Inzuchtfaktor ein Wert von F= 38% ermittelt wurde (zum Vergleich: Labrador F= 39%, Deutscher Schäferhund F= 47%, Greyhound F= 8%, Golden Retriever F= 39%, English Springer Spaniel F= 38%, Chow Chow F= 38%, English Bulldog F= 41%, Boxer F= 50% und Akita Inu F= 32%). Der Wert in der Spalte 5 zeigt die auswikungen der "Popular sires", so gelten 29 % der erfassten Collies als stark ingezüchtet (Inzuchtkoeffizient F> 10%) (zum Vergleich: Labrador 5.2%, Deutscher Schäferhund 12%, Greyhound 0%, Golden Retriever 8.2%, English Springer Spaniel 6 %, Chow Chow 19%, English Bulldog 18%, Boxer 16% und Akita Inu 9%). Vor allem dieser hohe Wert von 29% lasten schwer auf der genetischen Varianz, denn sie zeigen dass fast ein Drittel der Collies als stark Ingezüchtet gelten und dies wohl vor allem für schnelle Erfolge bei den Schönheitskonkurrenzen. Diese Champions werden dann in der Zucht auch am häufigsten verwendet, was zu einem Teufelskreis führt. Folge dieser kurzfristigen Denkweise in der Colliezucht sieht man dann in der Spalte 6. Eine Rasse welche seit 1870 gezüchtet wird, hat nur noch eine genetisch unterschiedliche Population von 33 Tieren. Da stockt der Atem und es wird klar dass es schon fast 5 NACH 12, ist für eine Kehrtwende in der Rassenzucht des Collies.
Bei der Betrachtung dieser Zahlen sei daran erinnert, dass lediglich Daten bis 1970 Berücksichtigung fanden. Es ist daher davon auszugehen, dass diese Werte den tatsächlichen Inzuchtgrad unterschätzen. Anderseits sind die Zahlen auf Grundlage der Zuchtbücher des Kennel Clubs und beleuchten die Situation vor allem in England. England ist eine Insel und hat sich gegen aussen stark abgeschottet, eine Blutauffrischung von aussen ist auch heute noch recht umständlich und mit hohen Kosten verbunden. Demgegenüber sind die Züchter jedoch recht frei, was die Verpaarungen anbelangt und es besteht keine Überreglementierung der Zucht, wie wir es in einigen europäischen Ländern finden. Das bedeutendste Ergebnis dieser wissenschaftlichen Studie ist jedoch, dass die Hunde einer Rasse mit geschlossen Zuchtbüchern extrem stark untereinander verwandt sind. So werden aus 4650 vermeidlich unterschiedlichen Rough Collies, aus genetischer Sicht und unter Berücksichtigung des Inzuchtgrades eine effektiven Population (Ne) von lediglich 33 Hunden. Eine derartige Einschränkung der genetischen Vielfalt ist bei allen untersuchten Rassen zu beobachten. Die genetische Vielfalt ist ein kostbares Gut, ihr Verlust ist immer unwiederbringlich und wird über kurz oder lang zu einer zwingenden Öffnung der Zuchtbücher führen.

Die Collie-Zucht in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts.

Lässt man sich die Ergebnisse der obigen Studie durch den Kopf gehen, wird man sich ernüchternd Fragen, wie ist so etwas möglich? Eine Rasse die es seit Beginn der Rassenhundezucht gibt, die seit 1881 einen definierten Standard hat und die fast jedes Kind rund um den Globus kennt, hat die kleiner genetische Varianz als so manche "neue" Rasse die viel später "erfunden" wurde.

Um die Ursachen etwas näher zu beleuchten, eine kleine Metapher auf die gute alte Zeit. Man muss sich in die zweite Hälfte des letzten Jahrhunderts zurück versetzen. Nach zwei verheerenden Kriegen erholte sich Mitte des letzten Jahrhunderts auch die Hundezucht. Aus den kleinen Beständen, welche von einzelnen Zuchtstätten über die Kriegswirren gerettet wurden, entstand langsam wieder eine grössere Zuchtbasis. Man konnte sich einen Hund auch finanziell wieder leisten. Der Collie war, durch die Lassie-Filme, als Sinnbild für Schönheit und Intelligenz, fast jedem bekannt. Rund um den Mythos Lassie entstand der erste richtige Mode-Hund. Er wurde teilweise schon zum Statussymbol hochstilisiert. Die grossen Collie-Züchter der damaligen Zeit hatten Namen, die auch heute, über ein halbes Jahrhundert später, noch voller Erfurcht ausgesprochen werden. In den meisten Fällen auch zu Recht, denn die Züchter widmeten all ihre Zeit und ihr Tun der Zucht ihrer Collies. Sie hatten Zuchtstätten mit einer enormen Anzahl Hunden. Das Ausstellungswesen entwickle sich langsam auch auf dem Kontinent, in England war es schon lange etabliert. Für viele, die zu dieser Zeit in Europa mit der Collie-Zucht begannen, war es ein muss, einen englische berühmte Namen in ihren Ahnentafel zu haben. Wer es sich leisten konnte, importierte einen englischen Rüden, denn ihnen war gewiss, dass diejenigen, welche sich so einen Import
Dazzler of Dunsinane Royal Ace Of Rokeby Ramsey Of Rokeby Stamm Rüde 1 Stamm Rüde 2 Stamm Hündin 1 1973 A-Wurf 1975 B-Wurf 1975 C-Wurf 1976 D-Wurf 1976 E-Wurf 1977 F-Wurf 1978 G-Wurf 1978 H-Wurf 1979 J-Wurf 1979 I-Wurf 1980 K-Wurf Romney Of Rokeby Witchcraft Of Rokeby
Bild 2: Beispiel für die "Hochzucht": 1961-1980, so exterm eng, wurde in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts gezüchtet und alles immer zum Wohle der Rasse...
nicht leisten konnten oder wollten, dann sicher zu ihnen zum Decken kamen. Wer seine Zucht auf solchen berühmten Linien aufbaute, hatte dann auch den entsprechenden Erfolg an Ausstellungen, denn da standen wieder Richter die mit denselben berühmte Namen züchteten. Mit dem Erfolg stieg dann auch das Ansehen. Das Wissen um die Hundezucht, das in den Händen der Grossen Züchter lag, ging immer mehr verloren, denn mit dem Einkauf von Collies aus berühmten Zuchtstätten und einer engen Linienzucht konnte jeder der wollte, mit relativ kleinem Aufwand und einer handvoll Collies zum "erfolgreichen Championzüchter" werden. Die Chatrooms von heute, waren damals die Ausstellungen, in erlauchter Gesellschaft wurde oft "Jägerlatein" ausgetauscht, und so mancher der aus der Ferne einen berühmten Collie sah oder auch nur seinen Namen gehört hat, erzählte dann zuhause wie angeregt er sich mit diesem oder jenem berühmten Züchter ausgetauscht hat. Die Professionalität, welche zu einer Tierzucht gehört, ging immer mehr verloren. Fundierte Experten und echte Kynologen fanden oft nur eine kleine Gruppe von Zuhörern und
Wurf Anz. Ahnen Erf. Ahnen Erf.Ahnen % Ahnen-
verl. 10
COI
6 Gen
COI
8 Gen
COI
10 Gen
Dog Bitch
1973 A-Wurf
293
1864
91.02%
84%
20.80%
21.48%
22.61%
Stamm Rüde 1 Stamm Hündin 1
1975 B-Wurf
288
1954
95.41%
85%
25.97%
26.51%
27.21%
Stamm Rüde 2 A Hündin 01
1975 C-Wurf
283
1944
94.92%
85%
24.41%
24.08%
25.71%
Stamm Rüde 2 Stamm Hündin 1
1976 D-Wurf
215
1910
93.26%
89%
35.15%
35.52%
36.05%
A Rüde A Hündin 02
1976 E-Wurf
215
1910
93.26%
89%
35.15%
35.52%
36.05%
A Rüde A Hündin 01
1977 F-Wurf
288
1954
95.41%
85%
25.97%
26.51%
27.21%
Stamm Rüde 2 A Hündin 02
1978 G-Wurf
210
1958
95.61%
89%
29.39%
30.82%
31.27%
D Rüde B Hündin 01
1978 H-Wurf
215
1910
93.26%
89%
35.15%
35.52%
36.05%
A Rüde A Hündin 02
1979 I-Wurf
220
1946
95.02%
89%
30.12%
30.87%
31.43%
F Rüde A Hündin 01
1979 J-Wurf
286
1990
96.78%
86%
37.30%
38.21%
38.47%
Stamm Rüde 2 B Hündin 01
1980 K-Wurf
288
1954
96.78%
85%
25.97%
26.51%
27.21%
Stamm Rüde 2 A Hündin 02
Durchschnitt
255
1936
95%
87%
30%
30%
31%
5 Rüden
4 Hündinen
Tabelle 4: Die Zahlen zu den letzten 11 Würfe von Bild 2, ein reales Beispiel einer Collie-Zuchtstätte, mit erfunden Wurf- und Hundenamen. Die beinden Stammrüden sind Söhne von Royal Ace Of Rokeby, der auch Grossvater der Stammhündin ist. Daten und Berechnung durch unserer Datenbank.
da der einzige Leistungsausweis in der Colliezucht immer mehr die Ausstellungsresultate wurden, gab es immer weniger Züchter, die den beschwerlichen Weg der laufenden Weiterbildung und die daraus resutierende Artgerechte Tierzucht auf sich nahmen. Die Hobbyzucht wurde schick, leider ohne das professionelle Wissen, das in der Tierzucht unabdingbar ist. Fachliteratur war teuer und oft schwierig zu verstehen. Es gab kein Internet wurde in dem sich heute jeder soviel Wissen holen kann wie er will. Um mit möglichst wenig Zuchthunden, grösstmögliche Erfolge mit der Nachkommenschaft zu erreichen, wurde die "Hochzucht" erfunden. Ein Zauberwort für die Verpaarung von Vater-Tochter oder Geschwisterverpaarungen. Die "Hochzucht" wurde von einem zuchtverantwortlichen Vereinsfunktionär in Deutschland propagiert. Natürlich war der Vater ein "Typverbessernder" Import aus England im Besitz eben jenes Vereinsfunktionärs... Seitdem ist jegliche Scheu vor sogenannter Linienzucht verlorengegangen, ja sie ist sogar gängige Praxis (Quelle: Eva Maria Krämer, Collie Revue). Mit dem Ausdruck Hochzucht wurde die enge Inzucht Salonfähig gemacht. Dass die Hochzucht nicht etwa auf Deutschland beschränkt war, zeigt die "Hochzucht-Zuchtstrategie" auf Bild 2 und der dazugehörenden Tabelle 4, eines "Hochzüchters", aus einem andern europäischen Land. Aus zwei Rüden (Halbbrüder) und einer Hündin (Cousine zu den Rüden), die in England eng gezüchtet wurden, entstanden 11. Würfe, ohne dass auch nur eine neue genetisch Verbindung dazu kam. Anstelle von 2048 Ahnen die möglich wären in 10 Generationen, hatte die 11 Würfe durchschnittlich 255 unterschiedlich Ahnen in ihren 10 Vorfahrengenerationen. Dies entspricht einem Ahnenverlust von 87%. Auch dies war eine Züchter und Vereinsfunktionär, der sich, laut eigenen Angaben, immer für die Gesundheit und gutes Wesen einsetze, wie man aus einem von ihm verfassten Artikel in einem "Collie International Jahrbuch" nachlesen kann. Was in der Nutztier-Zucht auf Grund der schnell sinkenden Gesundheit und Leistungsfähigkeit verpönt ist, wurde in der Hundezucht systematisch betrieben. Das obenstehende Beispiel (Bild 2) zeigt eine typische Hochzucht. Verpaarungen von Geschwistern, Eltern und ihren direkte Nachkommen, wurden ohne die geringsten Bedenken verpaart. Im Gegenteil man war noch Stolz auf die "Uniformierten Champions". Schönheitsrichter hatten das sagen, Zuchtreglemente wurden gespickt mit Ausschlüssen auf Grund phänotypischer Eigenschaften und diese Ausschlüsse haben bis in die heutige Zeit bestand.

Der Collie wird neu erfunden

Die Folgen dieser Denkweise (Hochzucht) finden wir heute in unseren Pedigrees. Der Collie wurde neu erfunden. Der 1961 geborene Dazzler of Dunsinane, findet man x-fach, in allen Ahnentafeln der, auf englischen Linen basierenden, Collies. Die Schuld darf jedoch nicht bei Mrs Chatfield, der Besitzerin des erfolgreichen Dunsinane-Kennels, gesucht werden. Nein, im Gegenteil, Dazzler of Dunsinane war ein sauber gezüchteter Rüde und hätten die Züchter welche das Blut von Dazzler verwendeten auch so verantwortungsvoll gezüchtet, stände die Collie-Zucht heute anders da.

Es ist grundsätzlich so, ein einzelner Züchter oder ein einzelner Collie wird der Rasse nicht schaden können. Es sind Beschränkungen der genetischen Vielfalt, welche eine Rasse ruinieren und die werden von Zuchtvereinen und ihren Funktionären gemacht. Das Ausstellungswesen hat dem Collie in seinen Grundfesten geschadet. Nicht HD, MDR1 oder CEA, sondern die rücksichtslose Unformierung durch Ausstellungsrichter und Zuchtreglemente mit phänotypischen Ausschlüssen, haben den Collie zu einer gefährdeten Rassen gemacht. Schuldzuweisungen sind zwar in der Collie-Szene sehr populär, aber sicherlich fehl am Platz, es muss sich jeder zuerst selber an der Nase nehmen. Im finden von Sündenböcken sind wir immer sehr schnell, schön wenn man als Gruppe mit dem Finger auf einen "Sünder" zeigen kann. Das Zentrale, nämlich der Collie, gerät da aber meist in Vergessenheit.Dazu noch ein Zitat von PhD Dr. med. vet. Heinrich Binder, Tierarzt mit speziellem Fachgebiet Tierzucht, Bundesamt für Veterinärwesen (BVET):

In einer vitalen Zuchtpopulation sieht nicht jedes Tier gleich aus wie das andere. Bildmässige Idealisierung und genetische Variabilität schliessen sich gegenseitig aus, körperliche Leistungsfähigkeit und genetische Fitness hingegen nicht.

 

Bild 3: Ch Defender of Dunsinane (geb. 1955), der Grossvater von Dazzler of Dunsinane

Zurück zu Dazzler, dieser war wie bereits erwähnt, ein Rüde der sehr sauber herausgezüchtet wurde. Wir haben in den ersten 5 Generationen einen Ahnenverlust von 8.06%. es sind drei Hunde die mehrmals Vorkommen. Ch Lochinvar of Ladypark (4x), Eden Examine (2x), Rimington Kittieholme Pilot(2x). Betrachten wir den Inzuchtfaktor so erhalten wir Werte auf 6 Generationen von 3,47% und auf 10 Generationen von 7.73% (siehe Berechungsbeispiel COI). Dies sind alles sehr moderate Werte und absolut innerhalb der vertretbaren Limiten (6.5% auf 6 Generationen) für eine Linienzucht. Die Ausrichtung der gesamten Colliezucht auf Dazzler hat ihren Ursprung vor allem in den folgenden 3-4 Generationen. In unsere Datenbank finden wir 78 direkte Nachkommen, welche ihrerseits auch in der Zucht engesetzt wurden. Am häufigsten komme folgende Nachfahren vor::

  • Royal Ace of Rokeby, geboren 20-05-1965
  • Ramsey of Rokeby , geboren 04-06-1966
  • Brettonpark Highlander of Dunsinane, geboren 04-05-1969
  • Sandiacre Softly Softly , geboren 04-02-1970

 

Diese vier Söhne normierten die Genetik des Collies in unglaublicher Art und Weise, häufigsten Ahnenlinien in der Colliezucht sehen wir auf Bild 4. Jeder Colliebesitzer wird mit Sicherheit mindestens einen diese Namen im 10 Generationen Pedigree seines Collies finden. Dies hat extreme Auswirkungen auf die Zucht mit englischen Collie-Linien, es verunmöglicht praktisch eine Auskreuzung, denn in jedem Zuchtcollie finden wir die normierten Gene von Dazzler. Der beim verfassen dieses Artikels aktuelle K-Wurf, hat einen Inzuchtfaktor von nur gerade 2.49 % auf 6 Generationen. Wir haben die Ahnentafel dieses Wurfes, welche wir auf 10 Generationen zu 100% kennen, auf 15 Generationen zurückverfolgt und fanden Dazzler in diesen 15 Generationen 2200 Mal. Teilen wir diese 2200 auf die Grosseltern auf, bekommen wir folgende Resultate:

  • Nemo vom Wengerhof Dazzler 764 Mal von 2200
  • Fattucchiera Nera Di Cambiano Dazzler 352 Mal von 2200
  • Andor-darki-Boy vom Bunten Flieder Dazzler 678 Mal von 2200
  • Angie von der Erlenhöhe Dazzler 426 Mal von 2200

 

Sie sehen vier Hunde, aus vier verschieden Zuchtstätten und jeder ist auf die Dazzler-Gene ausgerichtet. Bei unser J-Wurf, eine völlige Auskreuzung mit einem amerikanischen Rüden (COI 0%), finden wir Dazzler in 15 Generationen 1758 Mal. Dies sind Zahlen, die Nachdenklich machen sollten und zeigen weshalb der Collie in der obigen Studie, als eine der höchst ingezüchteten Rassen abschnitt. Wir können daraus auch ersehen, dass man die Studie nicht unter dem Argument beiseite legen kann, sie betrifft ja nur die englische Collie Zucht, die europäischen Linien zeigen genau die gleichen Resultate. Was die Problematik noch verstärkt, sind der Vater Dorgano Demander of Dunsinane und die Grossmutter Leecroft Black Magic. Wir finden sie auch in andern Nebenlinien der Collie "Hochzucht". Betrachten wir mal die 4. Generation nach Dazzler auf Bild 2 (auch als PDF vorhanden), so sehen wir bei jedem Ahnen 3 Zahlen, die zu folgender Auswertung führen:

 

Dazzler of Dunsinane

Dorgano Demander of Dunsinane

Leecroft Black Magic

1976 Aberthorne Arrester

7

10

10

1977 Upperton Blue Brand

16

21

26

1979 Pelido Hot Chocolate

10

29

38

1980 Corydon Handsome Hotspur

17

19

20

1976 Arranbrook Mr Chips of Aberhill

7

10

13

Tabelle 5: Die Ahenn der 4. Generation nach Dazzler Dazzler of Dunsinane- Wie oft finden wir bei ihnen Dazzler of Dunsinane, Dorgano Demander of Dunsinane und Leecroft Black Magic in der 10-Generationen Ahnentafel.?

Erstaunlich an dieser Auswertung ist Leecroft Black Magic (geb. 1957). Es ist selten, dass eine Hündin genetisch so dominant vertreten ist. Wir sehen, dass sie teilweise fast 4x öfter vorkommt als Dazzler selbst. Dies wird möglich durch ihren Sohn Leecroft Lover Boy of Dunsinane und die beiden Töchter Leecroft Leading Lady (Mutter von Dazzler, geb. 25.12.1969) und Leecroft Lady Fair (geb. 05.01.1959). Bei der Diskussion um die genetische Varianz, wird oft sehr schnell eine Beschränkung der Deckakte für Rüden gefordert. Nach unseren Recherchen hatte Leecroft Black Magic 5 Würfe (1959, 1960, 19??, 1964,1965), und sie schafft es im 10 Generationen Pedigree von Mybern's Merideon, (geb. 1982) 78 Mal aufzutauchen. Zum Vergleich, Dazzler kommt zum 68 Mal und Dorgano Demander of Dunsinane 104 Mal in Merideon's 10 Generationen Ahnentafel vor. Wir können daraus sehen, wie wenig Zuchtbeschränkungen langfristig bringen können.

1989 Amalie Best Bitter COI 10 Gen = 15.47% 1961 Dazzler of Dunsinane COI 10 Gen = 7.73% 1965 Royal Ace of Rokeby COI 10 Gen = 3.52% 1969 Brettonpark Highlander of Dunsinane COI 10 Gen = 16.76% 1966 Ramsey of Rokeby COI 10 Gen = 26.60% 1971 Pelido Black Prince COI 10 Gen =  22.21% 1969 Bririch Gold Edition COI 10 Gen = 14.71%
Bild 4: Stammlinie des Rough Collies, ausgehend von Dazzler of Dunsinane (PDF) Legende: Name, DB.Nr., Wie oft kommt DAZZLER OF DUNSINANE, DORGANO DEMANDER OF DUNSINANE, LEECROFT BLACK MAGIC im 10 Generationen Pedigree vor, % Ahnen die in der DB Namentlich bekannt sind

Alte Zeiten - Heute ist das GANZ anders

Das Thema Inzucht wird in der Collieszene sehr oft, einfach unter den Teppich gekehrt. Warnende Worte werden in den Wind geschlagen oder die Verfasser von Artikeln mit dieser Thematik werden als "Nestbeschmutzer" behandelt. Man verlegt die Diskussion lieber auf Nebenschauplätze, findet es unglaublich schlimm, wenn ein Collie 2 cm grösser ist als es der Standard vorschreibt oder streut Gerüchte und Sagen über die "bösen" amerikanischen Collies. Grundsätzliche Änderungen in der langfristigen Zuchtstrategie, sofern ein solche auch nur marginal vorhanden, werden unterdrückt. Ausstellungen werden zu Jahrmärkten der Eitelkeiten, Richter zu moderne Inquisitoren die sich zu "Hüter des Standards" hochstilisieren. Verlierer ist immer die Rasse. In den meisten Ländern ist die Colliezucht noch sehr frei, da liegt es alleine in der Verantwortung des Züchters, wie er seine Verpaarungen plant und welche Hunde in die Zucht kommen. Jeder Züchter entscheidet frei ob er für den Showring oder für die Rasse züchtet. Die Schönheitszucht ist nicht ein Problem des vergangene Jahrhunderts, nein sie ist noch weit verbreitet. Viele angesehen Züchter, mit grossen Erfolgen an Ausstellungen, haben Zuchthunde, die einen Inzuchtfaktor weit über 10% haben, in der Zucht.
Die Inzuchtproblematik wurde in den letzten par Jahren noch verstärkt, unter der Thematik Gesundheit. Für diesen neuen Trend, sind übereifrige Gesundheitsapostel verantwortlich, die mit einfachen Rezepten und möglichst schnell die Rasse vor Gen-Defekten erlösen wollen. Wir finden diese Tendenzen vor allem in den bereits überreglementierten deutschsprachigen Ländern, da werden Vorschriften erlassen, die den Genpool in einer unglaublichen Art und Weise schmälern. Wir sprechen da MDR1 und CEA an, die beiden Gen-Defekte, rsp. Genmutationen werden teilweise dermassen hochgespielt, dass sie zur ernsthaften Gefahr für die Gesundheit und den Erhalt der Rasse mutieren.
Wohlgemerkt nicht MDR1 oder CEA bedrohen die Rasse, sondern diejenigen, die glauben, das Genkombinationen die seit Jahrzehnten in der Rasse vorhanden ist, in par wenigen Jahren ausgemerzt werden können. Was die Schönheitszucht in Jahrzehnten an genetischer Verarmung gebracht hat, schafft die "Gesundheitszucht" innert weniger Jahren. In Deutschland konnte dank dem Einsatz der beiden Collie-Clubs eine unsägliche Paarungsvorschrift des VDH verhindert werden, welche zum Ziel hatte, das keine MDR1 befalle Welpen mehr zur Welt kommen sollten. Das Ziel war löblich, der Weg wäre verheerend für die Genetik des Collies gewesen. Die Regelung hätte bedeutet, dass wir neben der obengenannten Inzucht aus der Geschichte des Collies, zusätzlich den Genpool um 76% verkleinert hätten. Die Folgen für die Gesundheit wären unabsehbar gewesen.
Bild 5: Auswirkungen einer Vorschrift welche zum Ziel hat, das keine MDR1 -/- Welpen mehr zur Welt kommen. Der Genpool verkleinert sich auf die 24% Collies welche +/+ sind.
Wenn eine solche Zuchtstrategie von einzelnen Züchtern betrieben wird, schadet das langfristig höchstens ihren Zuchtlinie. Die Rasse als solche, wird dadurch nicht geschädigt. Wenn aber ein Land wie Deutschland, mit einer grösseren Collie-Population eine solche Zuchtpolitik betreiben würde, hätte das sicher langfristige Auswirkungen auf die Gesamtpopulation. Denn über kurz oder lang würden die ganzen Collie-Stämme Deutschlands der Zucht verloren gehen. Operation gelungen Patient tot, kann nicht der Sinn von Vorschriften sein.

Sonderfall Schweiz - Gentik was ist das?

Eine solche Operation wird seit mehreren Jahren im "Kleinbiotop-Schweiz" gemacht. Zum Wohle der Rasse, wird die CEA bekämpft. Eine Augenanomalie welche nach 8. Lebenswochen in den meisten Fällen, auch für den Spezialisten nicht mehr sichtbar ist, den Collie in keiner Art und Weise behindert, wird zum Kriterium für die Verpaarungstauglichkeit gemacht. Die Paarungsauflagen Art. 357 (Siehe Zitat1) dezimiert die genetische Collie-Population, wendet man Gen-Test Resultate an, um sagenhafte 68%. Der aus dem letzten Jahrhundert stammende Ausdruck "GO-Normal" ist symptomatisch für das veraltete Denken der Verantwortlichen. Da hilft auch ihre Beteuerung, dass die fehlerhafte optische Augenuntersuchung zählt und dadurch einige Collie mehr als CEA-Frei gelten, nicht viel. Es ist schlicht, ein unverantwortliches Verhalten, im Wissen des hohen CEA-Befalls, solche Zuchtrestriktionen in einem Zuchtreglement zu haben.
Bild 6: Die seit 2006 angewante Zuchtstrategie zur Bekämpfung der CEA in der Schweiz, reduziert den Gen-Pool (frei verpaarbare Collies) um 68%. Ungeachtet aller weiteren Einschränkungen durch Exterieur-Fehler und Farbe.

357. Paarungsvorschriften
1 a) Die Elternpaarung Go-Normal mal Go-Normal ist nicht gestattet.
   b) Ein Go-Normal-Hund resp. CEA-pos. Hund darf nur mit einem CEA-AU-neg. (bis max. vollendete 8.        Lebenswoche getestet, Art. 385) oder CEA-DNA-neg. Hund gepaart werden.

Zitat 1: Auszug aus dem Zuchtreglement des SCC

Wir haben die letzten zwei Jahre etwas genauer analisiert und sehen eine besorgniserregende Entwicklung der genetischen Varianz durch eine, unserer Meinung nach, verfehlte Zuchtpolitik des SCC. Wir haben unserer Besorgnis, dem SCC bereits seit dem Jahr 2006 schon mehrmals in mündlicher und schriftlicher Form mitgeteilt und sehen heute, 4 Jahre später, unsere Bedenken leider mehr als bestätigt. Zu den Fakten:

  • Wie aus der Wurfstatistik des SCC hervor geht - wir betrachten die Ahnentafeln der Würfe auf nur 4 Generationen der letzten zwei Jahre - sehen wir 4 Collies, die in einer fast unglaublichen Häufigkeit den Pedigree's vorkommen. Es sind dies:
    • Rüde M1 ist bei 13% der Würfe im 4 Generationen-Pedigree
    • Hündin W1 ist bei 44% der Würfe im 4 Generationen-Pedigree
    • Rüde M2 bei 20% der Würfe im 4 Generationen-Pedigree
    • Rüde M3 bei 13% der Würfe im 4 Generationen-Pedigree
  • Bei 33 Langhaar-Collie Würfen waren mindestens einer dieser 4 Collies in den ersten 4 Generationen beteiligt. Bei 18 Würfen (55%) dieser 33 war die Gene, des Selben oder mehrere dieser 4 Collies involviert.

Bild 7: Basisdaten aus der öffentlichen Wurfstatistik KKZ des SCC. Summe der Werte über 100% da bei 18 Würfen (33%) einer oder mehrere der 4 Collies mehrfach vorkommen.

  • Nur 12 Würfe (22%) von 55 Würfen der letzten 2 Jahren haben keinen der 4 Collies im Stammbaum. In diesen 12 Würfen wurden bei 5 Würfen, teilweise Collies aus amerikanischen Zuchtlinien verwendet. Nur 7 Würfe (13%) aus rein englischen Zuchtlinien haben keinen der erwähnten Collies in ihrer Ahnentafel.
Bild 8: Basisdaten aus der öffentlichen Wurfstatistik KKZ des SCC. Summe der Werte über 100% da bei 18 Würfen (33%) einer oder mehrere der 4 Collies mehrfach vorkommen.
  • In den letzten zwei Jahren kamen 84 Welpen (2009 27% und 2010 25%) Tot auf die Welt oder sind kurz nach der Geburt gestorben. Dies sind 23.3% aller auf die Welt gekommen Collie-Welpen).
  • 27 Hündinnen sind leer geblieben, das sind 33% der Verpaarungen in den letzten zwei Jahren.

Das Beispiel Schweiz zeigt, die Schönheitszucht, gepaart mit verfehlter Gesundheitspolitik, ohne Berücksichtigung der auswirkungen auf die Genetik, kann nur in einer Katastrophe für die Rasse enden. Diese erschreckenden Fakten was den Genpool betrifft, müssen sowohl der Zucht- wie auch der Gesundheitskommission des SCC bekannt sein, doch seit mehreren Jahren wir da stillschweigend zugeschaut. Auch mehrfache Hinweise auf diese Problematik beim Genpools des Collies an die SKG bleiben unbeantwortet oder es wird bestenfalls an den Rassenclub verwiesen. Während die Folgen der Inzuchtdepression in unserm Land immer deutlicher werden, debattiert eine Zuchtkommission, wie man dem "europäischen Trend" (Zitat Antrag an die GV) den europäischen Genpool durch den amerikanischen zu vergrössern, entgegenwirken kann. Dass auch beim SCC Statistiken erstellt werden, zeigt die CEA-Statistik 2007 - 2010 welche auf der Webseite des SCC veröffentlicht ist. Setzt man die "erfolgreichen" CEA Bekämpfung, die Entwicklung des Genpools entgegnen, sollte das Schulterklopfen bei den Vereinsfunktionären zumindest gedämpft sein. Wir stellen die CEA-Statistik den Auswirkungen auf den Genpool in Bezug der oben erwähnen Zuchttiere:

  CEA-Statistik Genpoolentwicklung in Bezug auf die 4 Collies
2007
2008
2009
2010

2010
Aufteilung in rein englische Würfe und Würfen mit amerikanischem Blut.

 
Tabelle 7: Die CEA.Entwicklung in der Schweiz, diese Daten der KKZ der gleichzeitigen konzentration auf 4 Stammcollies gegenüber gestellt. Daten aus der Wurfstatistik des SCC und auf nur 4 Generationen beschränkt.

Der gemäss Schweizer Körunterlagen weltweit erstmals aufgetreten Collie mit DOMINANTEM WEISSFAKTOR spricht für sich und ist ein Symbol für genetische Höhenflüge das SCC. Ich denke die unermüdliche, erfolgreiche Zuchtstrategie zur Bekämpfung der CEA in Verbindung mit einer von SKG-Richtern geprägten Schönheitszucht welche seit Jahren vom SCC betrieben wird, braucht nicht weiter kommentiert zu werden. "Operation gelungen Patient tot" oder eben "Genetik was ist das?".

Wurfdatum
Unterschidliche Ahnen
Bekannte Ahnen
% Beknnte Ahnen
Ahnenverlust
COI 10
Rüde M1
1996
349
2004
97.85%
82.58%
14.22%
Hündin W2
1996
280
2020
98.63%
86.14%
23.90%
Rüde M2
1995
442
1991
97.22%
77.80%
3.08%
Rüde M3
2000
324
2014
98.34%
83.91%
12.98%
Tanelle 8: Daten der 4 Stammcollies, Werte und Berschnunegen aus Zucht-Datenbank von YVEN-Collie. Berechnungen Ahnenverlust und Inzuchtfaktor (COI) beziehen sich auf 10 Generationen.
   

Wie finden wir aus der Sackgasse?

Glücklicherweise ist der Collie eine sehr robuste Rasse, sonst hätte er die Jahrzehntelange Schönheitszucht nicht recht unbeschadet überstanden. So erfreuen sich die Mehrheit der Collies einer recht guten Gesundheit, es mussten bisher noch keine grösseren Notprogramme ergriffen werden um die Rasse zu erhalten. Doch wie es sich bei andern Rassen zeigt, wird auch dies auch beim Collie über Kurz oder Lang eine Notwendigkeit werden, sofern nicht eine radikale Änderung in der Zucht stattfindet. Notprogramme sind in der Natur immer eine sehr Zeit- und Kostenaufwendige Korrektur von Versäumnissen, welche meist vom Menschen ausgelöst wurden. Solche Korrekturprogramme laufen auch immer Gefahr, dass man "das Kind mit dem Bad ausschüttet". Das heisst, dass man Fehler, die über Jahrzehnte

gemacht wurden, innert kürzester Zeit korrigieren möchte. Die Prozesse in der Natur sind meist sehr langsam, was heute ihre Ursache hat, erscheint vielleicht erst in einigen Generationen als Defekt oder Krankheit. Ihre Korrektur dauern dann meist ebenso lange, vorausgesetzt die genetischen Grundlagen für solche Korrekturen sind noch vorhanden. Eine verlorene Genvariante innerhalb eine geschlossenen Population (Rasse) kann nicht wieder zurückgeholt werden. Aus diesem Grund sollte sich ein Wandel in der Rassenzucht durchsetzen. Weg von den phänotypischen Kriterien, hin zu genotypisch langfristigen Zuchtzielen. Jede verlorene Genvariante, bringt die Rasse ihrem endgütigen Ende näher. Ich möchte dies in einem simplen Vergleich darstellen. Jeder Hund hat einen gemeinsamen Vorfahren, den Wolf. X-Hunderte von Genen des Hundes sind mit dem Wolf identisch. Es wird aber auch dem genialsten Genetiker nicht gelingen, aus einer geschlossenen Collie-Population, wieder einen Wolf zu züchten. Es fehlen hunderte von Genen, welche im Verlauf
Bild 9: Die Grundkriterien für eine langfristige Zuchtstrategie, welche die Erhaltung der Rasse zu Ziel hat.
der Jahrhunderte verloren gingen. Diese Evolution lässt sich nicht rückgängig machen, das genetische Erbgut für einen solchen Prozess ist nicht mehr vorhanden. Es ist der grundsätzliche Plan der Natur, dass durch die Evolution Gene verloren gehen und neuen Varianten der erfolgreichsten Gene entstehen. Die Natur hat immer das Grundprinzip, eine grösstmögliche Fitness zu schaffen, um dem Lebewesen das Überleben zu sichern. Robustheit, Gesundheit und eine gute Überlebensstrategie sind oberste Ziele. Gene welche diesen Kriterien zuwiderlaufen merzen sich automatisch aus, denn ihre Träger werden sich nicht weiter fortpflanzen können, da sie dem täglichen Überlebenskampf nicht gewachsen sind. Sie werden aussterben und mit ihnen die Gene, welche für das Überleben nicht förderlich waren. Nicht der hübscheste Wolf führt das Rudel an, sondern der mit der besten allgemeinen Fitness und auch nur dieser wird seine Gene weiter geben können. Nur so konnte der Wolf zu einem der erfolgreichsten Bewohner unserer Erde werden. Wenn wir nun kurz inne halten, und uns überlegen wie heute diese Selektion beim Hund statt findet, so hat dies wenig mit der Fitness des einzelnen Collies zu tun. Lesen wir einen Standard, so gleicht er mehr einem Designerhandbuch für eine Ware. Den Respekt vor der Natur sucht man in weiten Teilen vergebens. Man findet eher ein narzisstisches Gedankengut, aus der Zeit, als es erklärtes Ziel war, eine "Herrenrasse" zu schaffen. Es werden Anforderungen an eine Kreatur gestellte, welche die "Krone der Schöpfung" nie und nimmer erfüllen könnte. Aus einem wunderbaren Geschöpf, wird eine, auf ihr Äusseres reduzierte, Designerware geschaffen. Wollen wir das? Oder anders gefragt, wollen das die vielen tausenden Hundeliebhaber, die einen treuen Weggefährten suchen?
Von der Schönheitszucht zur Erhaltungszucht.
Für einen Weg aus der Sackgasse in der Hundezucht, muss das Rad nicht neu erfunden werden. Seit vielen Jahren kennt man das Rezept für die Gesundhaltung einer kleinen Tierpopulation. Sie wurde durch den raschen Fortschritt in der Genetik in den letzten Jahren laufend verbessert und verfeinert. Das Rezept heisst Erhaltungszucht. Sie setzt neue Rahmenbedingungen in der Zucht voraus. Der Unterschied zwischen Erhaltungszucht und der konventioneller Hundezucht (Schönheitszucht) liegt im Zuchtziel. Während in der klassischen Colliezucht der Schwerpunkt auf die äussere Erscheinung (Phänotypus) liegt und die Normierung durch den Standard die zentrale Rolle spielt, muss die Erhaltungszucht zu allererst den Erhalt einer möglichst grossen genetischen Vielfalt (Grundlage für die Gesundheit), kombiniert mit einer moderaten Wesensveranlagung zum Ziel haben. Sie erfüllt somit die bereits erwähnte Anforderung für vitale und gesunde Zuchtpopulationen von PhD Dr. med. vet. Heinrich Binder, Bundesamt für Veterinärwesen (BVET): "In einer vitalen Zuchtpopulation sieht nicht jedes Tier gleich aus wie das andere. Bildmässige Idealisierung und genetische Variabilität schliessen sich gegenseitig aus, körperliche Leistungsfähigkeit und genetische Fitness hingegen nicht". Der Slogan GESUNDHEIT, WESEN und dann erst SCHÖNHEIT wäre nicht mehr ein plakativer Werbespruch, sondern ein Zuchtprogramm. Durch die geschlossenen Zuchtbücher und dem gleichzeitigen Ziel der Erhaltung einer vitalen Rasse, kann bei einer kleinen Population, bzw. bei der geringen Anzahl für die Zucht verfügbaren Tiere, ausschließlich die Kriterien der Erhaltungszucht als Ziel des züchterischen Strebens zugrunde gelegt werden. Wird dies in der Hundezucht weiterhin ignoriert, gefährdet man den Erhalt und damit das Überleben der Rasse. Die Erhaltungszucht hat das Ziel, ohne das Aufbrechen der geschlossenen Zuchtbücher, eine Rasse mit grösstmöglicher Fitness zu erhalten. Züchtet man nicht im geschlossenen Zuchtbuch, betreibt man weder Erhaltungszucht, noch hat dieses züchterische Handeln mit den Erhalt einer Rasse zu tun, denn mit der völligen Öffnung der Zuchtbücher verliert man die Identität einer Rasse. Die Öffnung der Zuchtbücher ist somit faktisch das Ende einer Rasse und oft das Ergebnis einer verfehlten Zuchtpolitik durch die Rassenvereine. Eine Teilöffnung der Zuchtbücher, zwischen sehr eng verwandten Rassen kann dagegen sehr wohl der Erhaltungszucht dienen. Es ist äusserst fragwürdig, wenn man Hunde die zum grössten Teil genetisch identische sind, nebeneinander in geschlossen Zuchtbücher führt. Das "erfinden" von neunen Hunderassen, verbunden mit einer strikten Schliessung des Zuchtbuches zu den Ursprungsrassen, führt immer zu einer Verkleinerung des Genpools der Ursprungrassen. Im Extermfall haben wir dann drei Rassenfamilien, welche alle zu klein sind zum überleben. Eine Erweiterung des Standards durch grössere Toleranz wäre da sicher eine sinnvollere Lösung. Durch rein äusserliche Merkmale, wie Farbschläge, Haarlänge usw., getrennte Rassen könnten bei einer Teilöffnung der Zuchtbücher, gegenseitig eine willkomme Genpool Erweiterung bewirken.
Doch zurück zu den Prinzipien der Erhaltungszucht. Oberstes Ziel ist die Erhaltung der bestehenden Genvarianten. Dies habe ich versucht im Bild 10 darzustellen. Wir sehen den Gesamtgenpool mit den verschiedenen Familien oder auch Gen-Stämme. Durch die Vermischung der einzelnen Familien entstehen wieder neue Varianten, so ist z.B. die Familie F9 eine Mischung zwischen den Familien F7 und F6. Oder die Familie F12 hat durchmischte Gene aus F7, F6 und F8. Die Erhaltungszucht hat nun das Ziel möglicht alle Stämme zu erhalten, so dass möglichst wenig Gene verloren gehen. Dies bedingt eine sehr weitsichtige Zuchtplanung des einzelnen Züchters resp. eine offene Zusammenarbeit in Zuchtgruppen. Jeder Wurf sollte primär auf den Inzuchtfaktor überprüft werden, sowie seine weitere Zuchtverwendung in groben Zügen geplant werden. Schon diese Ansätze zeigen dass Erhaltungszucht nichts Langweiliges ist, sondern bereits bei der Zuchtplanung eine Herausforderung wird.
Bild 10: Schematische Darstellung des gesamten Gepools einer Rasse mit den verschieden genetischen Familien (F1, F2..F16)
Bild 11: Detail-Auschnitt aus dem Genpoolschema von Bild 10

Auf den ersten Blick wird sich manch einer sagen, hey was macht der sich für Probleme, ist ja ganz einfach neue Genvarianten zu kreieren! Wenn wir wirklich unabhängige Familien hätten, wäre es wirklich einfach. Deshalb noch eine etwas detailliertere Darstellung in Bild 11. Wir haben da stellvertretend für die 19000 Gene welche ein Hund hat, deren 4 schematisch als Rechteck dargestellt. Wir erkennen da, dass immer nur mit denen Farben die vorhanden sind weiter gezüchtet werden kann. Je höher der Inzuchtgrad innerhalb einer Rasse umso einheitlicher die Farbe der Balken. So sehen wir, dass der erste Balken immer Rot ist. Ich kann noch so auskreuzen, er bleibt immer Rot, auch bei Familie 12 welche aus den Familien 7, 6 und 8 besteht. Die Varianz ist durch die enge Zucht beim ersten Balken ganz verloren gegangen. Wir werden nie wieder eine andere Farbe bei diesem Gen haben. Ironische Bemerkung: Die weissgescheckte Familie, mit den Stehohren und den kurzen Beinen, die neben diesen Mängel in diesem Gen die Farbe Grün trug wurde von den

gestrengen Richtern aus der Zucht eliminiert. Oder Betrachten wir Verpaarung F6 mit F7 hier sehen wir, dass es beim 4. Balken keine Durchmischung gibt, da beide identisch Grün sind. Führen wir das Beispiel gedanklich noch etwas weiter und verpaaren die unabhängigen Familien F7 und F11, so wird bei der Folgefamilie bereits wieder ein fast rein Grüner 4. Balken entstehen die Variante Lila von Famile F8 wird sehr rasch verloren gehen. Wir sehen aus diesem rudimentären Beispiel wie sich eine schleichende Vereinheitlichung stattfindet. Aus diesem Grunde ist der 1961 geborene Dazzler of Dunsinane, beziehungsweise seine Genvarianten auch 50 Jahre später noch immer aktiv und werden laufend aufgefrischt, egal welche englischen Linien wir verpaaren. Dazzler ist bei jeder englischen Verpaarung in den Ahnen x-fach präsent. Betreiben wir noch eine Zuchtstrategie wie sie am Beispiel in Bild 2 gezeigt wird, ist der Untergang einer Rasse so sicher wie das Amen in der Kirche. Denn im gleichen Umfang wie wir das Positive verstärken, verstärken wir auch das Negative. Jede Rasse hat das genetische Potenzial für die schlimmsten Krankheiten, wir müssen nur die entsprechenden Gene gleichschalten und schon bricht eine Krankheit aus, auch wenn es sie bisher noch nie in dieser Rasse gegeben hat. Auch unsere gedankliche Fremdverpaarung F7 mit F11 bietet somit keine Gewähr dass wir keine Gene gleichschalten, aber die Wahrscheinlichkeit ist viel kleiner als wenn wir z.B. Vater-Tochter F7 mit F9 verpaaren würden. Auch die Erhaltungszucht wird uns kurzfristig keine Garantie für eine verbesserte allgemeine Fitness geben, aber langfristig wird sie ihren Erfolg zeigen. "Züchten ist denken in Generationen" auch dieses oft zitierte Sprichwort erhält durch die Erhaltungszucht ihren wahren Sinn.
Die Erhaltungszucht wird weitreichend Änderungen im Denken von Zuchtkommissionen und Rasseclubs zur Folge haben. In einer ersten Phase ist der Aufbau einer Datenbank welche die Ahnen der in der Zucht stehenden Hunde möglichst bis in die 10. Generation zeigt. Alle nicht Gesundheits- und Wesensrelevanten Zuchteinschränkungen müssen aus dem Zuchtreglementen verschwinden. Exterieur-Mängel lassen sich meist in ein bis zwei Generationen mit Leichtigkeit korrigieren, verlorene Gene sind für immer verloren. Ein Stehohr behindert einen Collie in keinster
Weise, ein taubes umso mehr. Anstelle von Paarungsvorschriften treten langfristige Zuchtziele welche die Verbesserung unterer Berücksichtigung des Inzuchtfaktors beinhalten. So konnte zum Beispiel anstelle einer Paarungsvorschrift, welche nur den Genpool schädigt, eine Weisung treten, dass man innerhalb von 10 Jahren jährlich 30% CEA-Freie Welpen möchte und dies mit einem Inzuchtfaktor von unter 7% auf 10 Generationen. Das gleiche Vorgehen würde sich beim MDR1 anbieten. Es würde so eine Verbesserung der allgemeinen Fitness ergeben und die Gendefekte würden unter Schonung der Gesamtpopulaton allmählich ausgemerzt. Es würde nicht mehr vorkommen, dass in einem Land, über 40% aller Welpen, dieselbe Hündin in den ersten 4 Generationen im Stammbaum haben (Bild 12). Es könnten maximale Inzuchtgrade für die in die Zucht kommenden Collies stufenweise (Zeithorizont nicht Jahre, sondern Jahrzehnte) eingeführt werden. Die Zuchtvereine sollten das Besterben haben, möglichst viel unterschiedliche Hunde in der Zucht zu haben, ob sie nun an einer Ausstellung ein "Vorzüglich" bekommen oder eben nur ein "Gut", ist da Nebensache. Ein Champion mit einem Inzuchtfaktor von 15% ist für die Rasse weit weniger wert, als ein Collie mit Stehohren der dafür eine breite genetische Varianz in sich trägt. Ich denke die Hundehalter legen mehr Wert auf eine gute Fitness als auf Ausstellungsresultate. Eine Vision wäre eine Internationale Datenbank (auf Basis der FCI), welche es ermöglichen würde auch in Ausstellungskatalogen Inzuchtfaktor und gewisse Gesundheitswerte dem breiten Publikum zugänglich zu machen.
Bild 12: Beispiele Schweiz 2006-20010: Das Resultat aus der Kombination von reglementierter Schönheitszucht, gepaart mit verfehlter Gesundheitspolitik auf Grund eines Zuchtreglements (2006 überarbeitet), ohne Berücksichtigung der Genetik. Eine unglaubliche Dominanz von 4 Collies. Am erfolgreichsten Hündin W1, welche ihre genetische Präsenz von 12% (2006) aller Würfe auf 44% (2010) aller Würfe in der Schweiz, steigerte . (Datengrundlage: Wurfstatistik KKZ des SCC)
Schon diese par wenigen Beispiele zeigen wir Radikal sich die Zuchtkriterien ändern müssten, aber es wäre zum Wohle der Rasse und das sollte das höchste Besterben der Verantwortlichen sein. Jeder Collie-Halter kann da seinen Beitrag leisten, wenn er sein Stimmverhalten nach den Kriterien der Erhaltungszucht ändert. So wird der Wahltag zum Zahltag und die Rasse wird es ihm langfristig Danken. Es bringt wenig wenn die SKG in ihrer Zeitschrift die Forderung stellt: "Wir wollen gesunde Hunde" und es gleichzeitig zulässt, dass in den Rasseclubs weiterhin eine verheerende Zuchtpolitik wie im Collie Club Schweiz betrieben wird. Das Motto "Ich sehe nichts, ich höre nichts und ich sage nichts" bringt keine Rasse weiter. Der Weg von der Schönheitszucht zur Erhaltungszucht ist sehr aufwendig und bricht mit vielen alten Dogmen, aber ich denke eine wunderbare Rasse wie der Collie hat sie verdient.

Zum Schluss

Wir sind keine Mediziner oder Genetiker, wir sind Züchter die mit Leib und Seele Collies züchten. So erheben wir auch keinen Anspruch, dass unser Weg der einzig Richtige ist. Es führen viele Wege nach Rom, aber wenn man nach Rom will, sollte man sich wenigsten in Richtung der Stadt bewegen. Es ist immer einfacher auf ausgetretenen Pfaden zu wandeln, aber vielleicht ist gerade der steile, steinige und dornenreiche Weg derjenige, welcher uns zum Ziel führt. Solange wir unseren Collies täglich in die Augen schauen können, mit dem Wissen. dass wir versuchen unser Bestes für diese wunderbare Rasse zu geben, werden wir weiter Züchten. Wir lernen täglich von unseren Collies, sie zeigen uns was für Wunder die Natur für uns beriet gestellt hat. Wie hart es sein kann, die Natur zu erleben und zu akzeptieren, mussten wir in der ersten Hälfte des Jahres 2011 erleben. Zuerst nahm uns ein falsch behandelter Zeckenbiss, nach einem einjährigen Kampf unsere Fiona, Hejko verliess uns bei bester Gesundheit klamm heimlich über Nacht und der in diesem Beitrag erwähnte K-Wurf hinterliess nach drei Tagen Kampf um unseren kleinen King eine unsagbare Leere. Wieder war es ein Collie der mich lehrte, aufzustehen, die Dornen beiseite zu schieben und weiter zu gehen. Nachdem ich mit "Elga Sivestrie von der Erlernhöhe" Abschied vom kleinen King genommen hatte, gingen wir zusammen raus in die weite Natur und Elga leckte mir die Tränen von den Wange und gab mir zu spüren: Hey wir leben hier und jetzt, geniesst du das Licht der Natur, muss du auch ihre Schatten akzeptieren. Keinen Augenblick schaute sie in Trauer zurück, von einem Moment zu andern schaltete sie von der zärtlichen Mutti wieder zur selbstbewussten, verspielten Alfa-Hündin um. Wie wunderbar ist es, wenn man den Blick so konsequent nach vorne richten kann. Danke Elga für diese Lektion, ich hoffe ich kann das von dir gelernte auch irgendwann umsetzen. Heute ist Elga wieder in ihrem abgestammten Heim, aber in meinem Herzen hat sie einen festen Platz, so wie Fiona, Hejko und King. Sie alle lernten mich die Natur mit allem Respekt zu geniessen, sie aber auch mit allen Schatten zu akzeptieren. Wie kleingeistig sind da all die menschlichen Regeln und Vorschriften, was am Schluss zählt, ist immer nur das Gesetz der Natur. Ihre Gesetze zu respektieren und ihr dienen zu dürfen, ist des Erfüllenste und Wertvollste was ein Mensch erleben kann.

   
Der Ahnenstamm der mieisten englischen Collies

 

1961 Dazzler of Dunsinane
1
1965 Royal Ace of Rokeby
1966 Ramsey of Rokeby
2
1969 Bririch Gold Edition
1971 Brettonpark Whatzizname
1971 Corydon Quinault
3
1972 Kidlaine Konrad
1973 Sangreat Sorrocco of Arranbrook
1977 Little Caesar at Corydon
4
1976 Aberthorne Arrester
1976 Arranbrook Mr Chips of Aberhill
1980 Corydon Handsome Hotspur
5
1977 Myberns Minstrel
1978 Geoffdon Lawmaker
1983 Sandiacre Slap 'N' Tickle
6
1979 Myberns Mandane
1980 Karava Kornishman
1984 Sandiacre Stop 'N' Think
7
1981 Jankeith Gideon of Mybern
1982 Lynway Sandknocker
1983 Jasand Young Winston
8
1982 Mybern Merideon
1985 Matai Don Quixote
1984 Emryks Owd Peculiar
1985 Lynway Seldom Sober
1989 Brilyn Rum 'N' Black
9
1986 Troydon Pebbalmyll at Mybern
1988 Abbeywater Fabergé at Evad
1986 Emryks Runaway
1989 Amalie Best Bitter
10
1989 Kourika Mantika at Troydon
1991 Elsamos Starmaker at Mallicot
11
1992 Troydon Tonni Black
   
   
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